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Interview mit Ulrich Oldehaver und Alexander Betz

„… Betz, übernehmen Sie!“

Ulrich Oldehaver, Alexander Betz Ulrich Oldehaver, Alexander Betz

Zehn Jahre nach dem Börsengang und 250 Fonds später übergibt Ulrich Oldehaver, Vorstand Produktstrategie und Marketing, seinen Posten bei dem Emissionsgiganten MPC Capital AG, Hamburg, an Alexander Betz, einen ausgeschlafenen und erfolgreichen Vertriebsmann. Betz hat sich einen Namen durch ungewöhnliche Platzierungsmethoden gemacht. Warum jetzt dieser Wechsel? Ein Generationswechsel ist es nicht, denn die Herren sind gleichaltrig. Es könnte aber ein Systemwechsel sein. finanzwelt wollte es genau wissen und hat Ulrich Oldehaver und Alexander Betz danach befragt.

finanzwelt: Herr Betz, Sie sind vor vier Wochen nach Hamburg gezogen. Haben Sie schon eine Villa an der Elbe oder können Sie Schiffe nicht mehr sehen?

Betz: Ich bin ein ausgewiesener Schiffsfan, daran wird sich auch in der Zukunft nichts ändern. Mit meiner Familie bin ich in die Hafencity gezogen. Von München kommend, ist dies eine spannende Gegend, wenn man Hamburg kennen lernen will. Ich sehe sowohl von zu Hause als auch vom Büro aus ständig Schiffe, gönne mir also sozusagen das „volle Schiffsprogramm“.

finanzwelt: Wie lange läuft Ihr Vertrag bei MPC Capital?

Betz: Mein Vertrag läuft insgesamt über drei Jahre, genauso wie die Verträge anderer Vorstände des Unternehmens auch.

finanzwelt: Sind Sie jetzt auch MPC Capital-Großaktionär? Wie werden Sie bei eFonds zukünftig beteiligt sein?

Betz: Ich halte derzeit 100.000 Aktien an MPC Capital. An eFonds bleibe ich wie gehabt beteiligt.

finanzwelt: Was haben Sie in den ersten vier Wochen bei MPC Capital über das Emittieren gelernt?

Betz: In gewisser Weise mache ich bei MPC Capital weiterhin Vertrieb, nur aus der Sicht des Emissionshauses. Es handelt sich um zwei Seiten der gleichen Medaille. Nur wenn der Vertrieb gut funktioniert, funktioniert auch das Emissionshaus. Ich sehe es als meine Aufgabe an, die Anforderungen an den Vertrieb jetzt aus Sicht des Emissionshauses zu beantworten.

finanzwelt: MPC Capital ist bereits seit 2007 an der eFonds-Gruppe beteiligt. Wird diese Beziehung zukünftig noch weiter intensiviert, hin zu einem Exklusivvertrieb?

Betz: Das ist definitiv nicht geplant. Ein Exklusivvertrieb passt nicht zum Geschäftsmodell von efonds24. Eine Ausschließlichkeitsvermittlung wird es bei MPC Capital nicht geben. Wir wollen alle uns zur Verfügung stehenden Vertriebskanäle nutzen, sonst können wir in diesen Zeiten schwerlich erfolgreich sein. Wir möchten dieses Jahr signifikant mehr platzieren als im letzten Jahr. Es dürfte zwar noch etwas dauern, bis wir wieder die Milliarde erreicht haben, aber wir arbeiten daran.

finanzwelt: Wie sieht für MPC Capital der ideale Vertrieb aus? Gehören auch Einzelkämpfer dazu?

Betz: Grundsätzlich stehen wir allen Vermittlern offen. Gleichwohl findet auf dem Markt eine Professionalisierung statt. Wir wollen dem freien Vertrieb helfen, Strukturen zu finden, in denen sie geschlossene Fonds auch vor dem Hintergrund zunehmender Regulierung haftungssicher verkaufen können. Sicherlich tun sich größere Vertriebsorganisationen da leichter. Die Tendenz geht zu mehr Qualität, aber nicht als Selbstzweck, sondern weil dies z. B. vom Verbraucherschutz gefordert wird.

finanzwelt: MPC Capital hat erhebliche Einbußen bei den Platzierungszahlen hinnehmen müssen, diese gingen um rund 80 % zurück. Heißt das, dass auch ähnlich viele Vermittler weggebrochen sind?

Betz: Die Breite in der Vertriebspartnerstruktur ist nicht wesentlich zurückgegangen. Wir sind sowohl bei den Banken als auch im freien Vertrieb gleich breit aufgestellt und wollen dieses Gleichgewicht auch zukünftig halten. Wer glaubt, dass ich auf den freien Vertrieb spezialisiert wäre, weil ich dies bei eFonds selbst gemacht habe, der irrt, denn auch die eFonds Gruppe hat zwei Geschäftsfelder. Mit der abs-Plattform haben wir dort auch für Großbanken den Vertrieb geschlossener Fonds übernommen. 

finanzwelt: Sie haben öffentlich wiederholt geäußert, dass Sie zukünftig besseren Service und höhere Sicherheit bieten wollen. Was hat Ihnen da bisher gefehlt?

Betz: Obwohl MPC Capital zu den vertriebsfreundlichen Emissionshäusern gehört, gibt es immer noch Dinge, die man verbessern kann. So haben wir als erstes Emissionshaus für geschlossene Fonds das Produktinformationsblatt (PIB) eingeführt. Das Informationsblatt soll kurz und prägnant die wesentlichen Eigenschaften eines Anlageprodukts darstellen und den direkten Vergleich mit anderen Kapitalanlageprodukten ermöglichen. Eine weitere Maßnahme sind Kurzreports zu den laufenden Fonds. Diese sollen den Anlegern einen schnellen und transparenten Überblick über ihre laufende Kapitalanlage gewährleisten. Wir wollen den Beratern beim Verkauf geschlossener Fonds noch mehr unter die Arme greifen. Die Pflicht zur schriftlichen Dokumentation jeder Beratung kommt auf die Vermittler zu. Wir wollen einen Service anbieten, der sicherstellt, dass eine haftungsmindernde Beratung möglich ist.

finanzwelt: Ist es nicht ein großes Problem, dass viele Produkte, die die Emissionshäuser heute anbieten, zu kompliziert oder intransparent sind?

Betz: Bei den Produkten ist sicherlich ein „back to the roots“ erforderlich. Vor der Krise konnten die Produkte nicht ausgefallen genug sein. Solide, nachvollziehbare Anlagen waren den Anlegern zu langweilig und nicht gefragt. MPC Capital hat drei Säulen definiert, auf denen wir unser Geschäft zukünftig ausrichten wollen: Schiffe, Immobilien und Rohstoffe/erneuerbare Energien. Dabei soll es mittelfristig auch bleiben. Die Anleger wollen Sicherheit.

finanzwelt: Steht die Sicherheit wirklich so deutlich im Vordergrund? Im Gespräch mit finanzwelt im Herbst vergangenen Jahres (Ausgabe 6/2009) hatten Sie festgestellt, dass die Gier der Anleger bereits wieder spürbar sei.

Betz: Diesen Trend hatte ich tatsächlich auch so wahrgenommen. Dies ist rückblickend zwar nicht falsch, die Gier kommt aber langsamer zurück, als ich damals geglaubt habe.

finanzwelt: Welche positiven Impulse kann ein Emissionshaus setzen, außer spektakuläre, neue Produkte anzubieten?

Betz: Solidität, guter Service und die Sicherstellung von Strukturen, die dem Vertrieb weiterhin den effektiven Verkauf von geschlossenen Fonds erlauben, sind äußerst wichtige Impulse. So konnte MPC Capital alle aktuellen Projekte für insgesamt dreieinhalb Jahre durchfinanzieren. Außerdem konnten wir eine Kapitalerhöhung platzieren. Hierdurch haben wir 24,2 Mio. Euro eingesammelt. Natürlich bedarf es auch eines professionellen Managements der Assets. Dies haben wir bei all unseren Fonds berücksichtigt. Deshalb sieht es z. B. im Schiffssegment bei MPC Capital bei weitem nicht so schlimm aus, wie man es angesichts der Krise hätte erwarten können. Natürlich sind wir stark betroffen von der Schifffahrtskrise, ich will da nichts beschönigen. Es gibt aber keine Insolvenz und keinen Notverkauf.

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