Datum: 22.08.2011
„Anlegen in Gold – Top oder Flop?“
Die Unsicherheit an den Märkten ist immens. Jeder am Markt schreit gerade nach dem “sicheren Hafen” Gold. Was sich jedoch jeder fragt: Soll ich da jetzt überhaupt noch einsteigen? finanzwelt sprach mit Martin Siegel, Rohstoffexperte und Berater des Fondsmanagements bei der Stabilitas Fonds GmbH.
finanzwelt: Der Goldpreis ist im laufenden Jahr um circa 30 Prozent gestiegen (Stichtag: 22.08.11). Macht ein Einstieg jetzt überhaupt noch Sinn oder können Investoren da nur verlieren?
Martin Siegel: Ein Allzeithoch jagt das andere. Und auch zum Wochenstart hat Gold einen neuen Rekordwert erreicht: 1.895 US-Dollar pro Feinunze. Ehrlicherweise muss man sagen, dass es in Zeiten laufender Aufwärtsbewegung zu Höchstkursen immer schwierig ist zukünftige Kursstände zu prognostizieren. Fest steht jedoch, dass das Edelmetall, nachdem es am 18. Juli 2011 die Marke von 1.600 US-Dollar erreicht hat, erstmals seit über 20 Jahren wieder fair bewertet ist.
Ein antizyklischer Einstieg in den Goldmarkt war zwischen 1999 und 2005 möglich. Seit dem setzt sich die Hausse uneingeschränkt in allen Weltwährungen fort. Die Haupttreiber dieser Preisrallye, die unsolide Geldpolitik und ausufernde Staatsverschuldungen, die nur noch durch eine Inflationierung beherrschbar sind, bleiben jedoch erhalten. Daher ist von einer Fortsetzung des Goldpreisanstiegs auszugehen. Hinzu kommt noch, dass auch auf Grund der niedrigen Zinsen am Markt attraktive Anlagealternativen nahezu nicht vorhanden sind. Die letzte Hausse des Goldpreises wurde im Jahr 1980 durch eine restriktive Geldpolitik der Zentralbanken und einen Zinsanstieg auf zweistellige Raten gestoppt. Von solchen Maßnahmen ist derzeit weit und breit nichts zu sehen. Dies ist ein weiteres Argument dafür, dass ein Kursrutsch bei Gold unwahrscheinlich ist.
finanzwelt: Welche Optionen gibt es auf den Goldzug aufspringen und wozu raten Sie Anlegern (Stichwort: physisches Gold versus ETFs)?
Martin Siegel: Grundsätzlich gibt es drei Optionen in den Goldmarkt einzusteigen: Physisches Gold, Aktien von Minengesellschaften oder Derivate wie Gold-ETFs, Optionen oder Futures. Aus unserer Sicht ist die Anlage in physisches Gold und Silber sowie in Gold- und Silberminenaktien vorzuziehen. Zertifikate im Goldbereich hingegen sind mit größter Vorsicht zu bewerten. Man erinnere sich da nur an die Zeiten der Lehman-Pleite. Bei einer echten Bankenkrise können Zertifikate, wie wir gesehen haben, schnell wertlos werden.
finanzwelt: Wie steht es derzeit konkret um Goldminenaktien?
Martin Siegel: Gold- und Silberminenaktien haben besonders in den Jahren 2009 und 2010 eine gute Entwicklung hingelegt. Seitdem werden sie allerdings vernachlässigt und liegen im Schnitt weiter hinter der physischen Preisentwicklung zurück. Somit bieten Edelmetallaktien eine attraktive Anlagechance mit bedeutenden Kurspotenzialen.
Edelmetallaktien werden derzeit auch von der allgemeinen Unsicherheit an den Aktienmärkten in Mitleidenschaft gezogen. Und das, obwohl sich die ohnehin schon hervorragenden fundamentalen Daten der Edelmetallproduzenten sogar noch weiter verbessern. Gründe hierfür sind nicht nur die gestiegenen Edelmetallpreise sondern auch die gefallenen Energiepreise, die einen Anteil zwischen 30 und 50 Prozent der Produktionskosten ausmachen. Aus unserer Sicht haben Edelmetallaktien im zweiten Halbjahr 2011 noch ein Steigerungspotenzial von 30 bis 50 Prozent, ohne beim aktuellen Goldpreis überbewertet zu sein.
Das Interview führte Alexander Heftrich








