Personalrecruiting
„Die“ Herausforderung, die Richtigen zu finden
Der Kampf um die Besten hat bereits schon vor längerer Zeit begonnen, und ein Ende ist nicht absehbar. Unkende Rufe, dass nur noch die größten Finanzvertriebe Bestand haben, sind auch schon zu hören.
Die Finanzdienstleistungsbranche ist auf der Suche nach jungen agilen Beratern, die den Willen zum Erfolg und großes verkäuferisches Talent mitbringen. Gleichzeitig werden Führungskräfte benötigt, die das Wissen und den Ehrgeiz mitbringen, die Unternehmen nach Vorne zu bringen.
Alfred J. Kremer, Berater der Finanzdienstleistungsindustrie, ist der Meinung, dass das Mitarbeiterrecruiting stockt, da die Führungskräfte in den Finanzdienstleistungsunternehmen selbst oft nicht über die entsprechende hoch qualifizierte Ausbildung verfügen. Er vergleicht dies mit einem Rudel Löwen. „Hier sind die Rudelführer nicht die Ältesten, sondern die Stärksten“ ist seine Ansicht. „Junge Menschen wollen nicht in angestaubten Unternehmen arbeiten“, so Alfred J. Kremer, der seit 2004 das Beratungsunternehmen Multiconsult führt.
Welche Recruitingmaßnahmen haben nach Ansicht von Alfred J. Kremer in der Zukunft Erfolg und welche Voraussetzungen sind hierfür in den Firmen zu schaffen?
Recruitingmaßnahmen
- Recruitingqualifikation der Interviewpartner
- Motivation und Begeisterung für ein Unternehmen
- Karriere- und Aufstiegsmöglichkeiten als Vulkanprinzip
- Fähigkeit, Menschen einzubinden
- Geschäftsführung spricht durch Seriosität, Auftreten und Außenwirkung für sich
Aktive Mitarbeitergewinnung ist Aufgabe der Geschäftsleitung. „Nur die Geschäftsleitung und die bestausgebildeten Führungskräfte sind in der Lage, ihr Unternehmen für karrierebewusste Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen interessant darzustellen“, betont Alfred J. Kremer, denn: „Nur charismatische Menschen wirken auf andere charismatische Menschen anziehend. Im Endeffekt spielt es keine Rolle, ob ich über Headhunter, Mitarbeiter werben Mitarbeiter, Annoncen oder Berufseinsteigerplattformen akquiriere. Junge Leute haben eine Lebensvorstellung und sind heute selten bereit, in ein – in ihren Augen – langweiliges Unternehmen einzutreten und hier vollen Einsatz zu bringen. Sehr wichtig für mich ist, dass die Finanzdienstleistungsindustrie begreift, dass der Zukauf von Vertrieben nicht immer zwingend erfolgreich sein muss. Vor allem wenn hier ohne geeignetes Integrationskonzept verfahren wird.“
Voraussetzungen in den Firmen
- Professionelle und zielgerichtete Einarbeitung
- Talentgerechte Positionierung der Mitarbeiter
- Spannende Karrierewege
- Führungskräfteausbildung im Unternehmen
- Telemetrische Messung aller Aktivitäten
- Die Geschäftsleitung steht hinter der gemeinsamen Vision
In vielen Finanzdienstleistungsunternehmen ist noch kein Konzept für eine einheitliche Einarbeitung und kontinuierliche Weiterbildung der Berater vorhanden. Den Talenten, die der Einzelne mitbringt, wird keinerlei oder viel zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Doch ist oftmals bereits frühzeitig bei dem einen das verkäuferische Engagement weiter ausgeprägt, und bei dem anderen Mitarbeiter lassen sich frühzeitig Führungstalente erkennen.
Die Karrierewege im Unternehmen sind spannend zu halten und sollten eine stringente Struktur aufweisen. Die Karrierewege der letzten 30 Jahre sind nicht mehr zeitgemäß, und Kremer bezeichnet sie gerne als Pyramidenstruktur, da in den Pyramiden auch kein Leben mehr vorhanden ist. Dagegen bietet eine hausinterne Führungskräfteausbildung nicht nur die Sicherung der Unternehmensführung, sondern hilft beim weiteren Recruiting von Beratern und reduziert die teilweise sehr hohen Fluktuationsraten. Junge aktive Menschen ziehen andere junge und aktive Menschen an.
Die Aktivitäten eines Finanzdienstleistungsunternehmens, egal welcher Größe, sollten anhand von telemetrischen Messzahlen einem höchstwertigen Controlling unterworfen sein. Nicht nur die Unternehmensführung, sondern auch jeder Mitarbeiter kann hier Erfolge und Misserfolge genauestens ablesen.
Um in Zukunft weiter erfolgreich am Markt zu agieren, sind die Geschäftsführer der Finanzdienstleistungsindustrie gefordert, ihre derzeitigen Leitbilder zu überdenken und durch eine Unternehmensvision zu ersetzen. Visionäres Denken, was die Zukunft eines Unternehmens betrifft, ist ein nicht zu unterschätzender Erfolgsfaktor. Eine grundsätzliche Voraussetzung für die Umsetzung einer solchen Vision ist, dass sie durch die Geschäftsleitung gelebt und von den Mitarbeitern getragen wird.
Zusammenfassung: Über welche Wege Personalrecruiting betrieben wird, ist als nachrangig zu betrachten. Durch ständiges Erfassen der Kennzahlen und deren Controlling über Telemetrie können sämtliche Aktivitäten eines Finanzdienstleistungsunternehmens beobachtet und bewertet werden. Aufgabe der Unternehmensführung ist, diese Ausschläge an den richtigen Stellschrauben ständig so zu drehen, damit nicht nur die Umsatz- sondern auch die Recruitingleistung der Unternehmung positiv beeinflusst wird. Nicht unbedingt der übermäßige Einsatz monetärer Mittel ist zielführend im Personalrecruiting, sondern die Außenwirkung, die Kommunikationswege, die Unternehmensvision und letztlich der Spannungsbogen, der es für neue Mitarbeiter interessant macht, genau für dieses Unternehmen mit vollem Einsatz und Begeisterung zu arbeiten.
Durch die aktuelle Regulierung des gesamten Marktes wäre es für Kremer durchaus vorstellbar, über ein Franchisesystem nachzudenken. Die Unternehmen, die in diesem Markt weiterhin sehr erfolgreich agieren wollen, müssen seiner Meinung nach über vollkommen neue Wege nachdenken und die Grundregeln radikal verändern.







