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Fondsgedanken

„Die Dämme brechen!“

Wird es zukünftig noch eine eigene Anlagekontenverwaltung bei den Investmentgesellschaften geben? Die Antwort lautet „JEIN“! Zwar wird die Anlagekontenverwaltung im eigenen Haus als Abwicklungsweg zukünftig bei zahlreichen Investmenthäusern noch geben, aber immer weniger Gesellschaften werden ihren Kunden diesen Service noch bieten wollen.

Der Damm ist gebrochen! Mehrfach haben wir an dieser Stelle über „Fondsplattformen “ diskutiert. Dabei habe ich schon vor geraumer Zeit darauf hingewiesen, dass das Thema die Vertriebslandschaft für Investmentfonds entscheidend verändern wird. Allerdings stellte sich die Frage des Betrachtungszeitraums: Wie lange würden sich Anleger oder Berater mit ihren Kunden Zeit nehmen können, das reichhaltige Angebot an Systemen besonnen zu prüfen?

Zu welcher Antwort Sie auch in Ihrem individuellen Fall gelangt sein mögen, - es muss in den meisten Fällen schneller sein! Denn während die meisten Marktbeobachter bis- her die Plattformen eher als Alternative zum klassischen Anlagekonto bei der entsprechenden Investmentgesellschaft betrachtet haben, stellt sich in den letzten Wochen bei genauer Betrachtung eher die Frage, wie lange die Anteilskontenverwaltung „inhaus“ bei der überwiegenden Zahl der Investment- firmen überhaupt noch bestehen wird.

Bei allen Überlegungen sollten Sie sich generell zweier Tatbestände bewusst sein, die im diametralen Widerspruch zueinander stehen: Erstens: Die Investmentgesellschaften stehen unter Rationalisierungszwängen. Zweitens: Die Anlagekontenverwaltung interner Art ist mühselig ,kleinteilig, administrativ aufwändig und damit teuer. Anbietern, bei denen in den nächsten Monaten Anschlussinvestitionen für die Modernisierung ihrer bestehenden Adminis- trations-Systeme anstehen, drängt sich also die Frage auf, ob man sich nicht vielleicht lieber auf die Kernkompetenz des reinen Asset Managements konzentriert und die Administration auslagert.

Werfen wir zur Erläuterung des fortschreitenden Prozesses einen Blick zurück:


  • Die in den letzten Jahren an den deutschen Markt herantretenden Investmentgesellschaften haben in der überwiegenden Zahl erst gar keine eigene Kontenverwaltung mehr offeriert, sondern ihre Fonds nur noch über den Depotbankweg angeboten. •Administrative Schwierigkeiten in der Kontoführung haben verschiedenen Anbietern immer wieder „negative Schlagzeilen “beschert. Wir erinnern uns beispielsweise an Invesco.

  • Schon vor 2 Jahren hat die Investmentgesellschaft Gartmore ihren Vermittlern nahe gelegt, Neugeschäfte über Depotbanken und Fondsplattformen abzuwickeln. Damals war der Aufschrei der Entrüstung unter den betroffenen Vermittlern noch beispiellos.

  • Unlängst hat Invesco seine Allgemeinen Geschäftsbedingungen in der Art geändert, dass seit dem Jahresende 2002 alle Anteilskonten (falls nicht anders gewünscht),an die Fonds-Service-Bank übertragen wurden. Bis zum 30.Juni 2003 will nun auch die UBS die Anteilskontenverwaltung einstellen und stellt Kunden und Vermittlern frei, wohin sie die Anteile übertragen wollen.

  • Die Investmentgesellschaften Activest und MEAG haben ihre Anteilskonten bereits auf FINANZWELT 01|2003 die Fonds-Service-Bank übertragen, die wie die beiden Gesellschaften selbst, im Umfeld der Hypo-Vereinsbank angesiedelt ist.

  • Es gilt unter Marktkennern als gesichert, dass jene Investmentgesellschaften, die selbst eine Plattform entwickelt haben, ihre Fondsprodukte „logischerweise “auf ihr System übertragen werden. Hier sind z.B. die ADIG (ebase),Fidelity (Fidelity Funds Network), Frankfurt Trust (Frankfurter Fondsbank)und Metzler (Metzler Fund Xchange)zu nennen. Die Reihe ließe sich fortsetzen.



Wie ist das zu bewerten? Nach meiner Einschätzung haben Invesco und die UBS jetzt als große namhafte Anbieter die Funktion des „Blitzableiters “übernommen. Dafür sind sie in der Presse kritisiert aber nicht „hingerichtet “ worden. Damit fällt es „Nachahmern “nun leichter, im Windschatten, quasi als „Trittbrettfahrer“ nachzuziehen und endlich den Schritt zu wagen, den sie schon länger beabsichtigen, aber nicht zu gehen wagten: Outsourcing der Anlagekonten, mit der Konsequenz, Kosten einzusparen und den eigenen Verwaltungsapparat zu verkleinern. Aus den Gesprächen der letzten Wochen kann ich auf die Einstellung verschiedener Anteilskontenverwaltungen bei namhaften Investmentfirmen schließen, ohne an dieser Stelle Namen nennen zu dürfen.

Somit wird man bei einem diversifizierten Portfolio (das nicht in einem Bankdepot geführt wird),das aus Fonds mehrerer Gesellschaften besteht, relativ schnell vor der Situation stehen, mit der Schließung einer Inhaus- Anteilskontenverwaltung konfrontiert zu sein. Spätestens dann muss eine Entscheidung getroffen werden ,mit welchem Plattformsystem zunächst zusammengearbeitet werden soll. Andernfalls bleibt nur der Verkauf der Anteile der entsprechenden Gesellschaft übrig.

An dieser Stelle vermischen sich jedoch anlagestrategische Überlegungen mit adminis- trativen, was den Depots kaum zum Vorteil gereichen dürfte. Zumal wir in diesem Zu- sammenhang von einem fortschreitenden Prozess sprechen müssen. Mit jeder weiteren Investmentgesellschaft, deren Anteile Sie veräußern, oder deren Produkte Sie generell nicht mehr erwerben wollen, weil Ihnen die Gesellschaft den Weg der Plattform vor- schreibt, wird Ihr Anlageuniversum, also die Zahl der Fonds, die Ihnen im Rahmen Ihrer Anlageentscheidungen zur Verfügung steht, kleiner.

Wer sich der „trügerischen Hoffnung “hingibt, seine „bevorzugte Investmentgesellschaft “ werde als „Traditionsanbieter “auch in Zukunft die Konten inhaus weiterhin kostenlos führen, sollte sich nicht zu sicher sein. Manche Gesellschaft, von der man es vielleicht nicht so schnell erwarten dürfte, wird als erste handeln.

Dabei sei an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass eine zentrale Depotverwaltung bei einem „Service-Provider “Anteilsinhabern und Vermittlern eine Menge Vorteile und Dienstleistungen erbringt, die eben dieser Personenkreis immer wieder von den Investment- gesellschaften gefordert hat.

Fazit:Fondsplattformen werden die Vertriebs- und Verwaltungslandschaft in Deutschland schneller als von vielen Anlegern und Vermittlern erwartet verändern und beherrschen. Prüfen Sie die Angebote und suchen Sie sich individuelle Lösungen. Sie werden Sie brauchen!

(Björn Drescher)


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