Interview mit Andreas Schmid
„Es muss ein Ruck durch die Branche gehen“
Als größter bankenunabhängiger Initiator von Medienfonds in Deutschland und mit einem jährlichen Filmproduktionsvolumen von derzeit über E 300 Mio. ist die Münchener VIP-Gruppe international zu den großen Playern aufgestiegen. Filme wie das oscarprämierte Werk „Monster“ oder der aktuelle deutsche Kino-Hit „7-Zwerge“ zeugen von der Filmkompetenz - die Gründung einer gemeinsamen Produktionsfirma in Deutschland mit einem Star-Regisseur vom großen Ziel der nächsten Zeit: Den Filmstandort Deutschland nach Vorne zu bringen. Andreas Schmid, Vorstandsvorsitzender der VIP Beratung für Banken AG, äußert sich hier zu aktuellen und interessanten Fragen - gestellt von Peter Hillebrand, freier Journalist aus München.
Ohne Moos ist vor allem in der Filmbranche nichts los. Darum kurz zum aktuell Wichtigsten: Wie läuft der Fondsumsatz beim VIP4?Schmid: Wir haben unser Vorjahresergebnis von E 227 Mio. bereits übertroffen und die heißesten vier Wochen stehen ja noch bevor. Wir sind zufrieden, und die Vertriebspartner, die unserem Produkt vertrauen, sind es auch.
Eine nochmalige Steigerung des schon außergewöhnlichen Vorjahresergebnisses also. Erstaunlich, wo doch die Branche insgesamt eher einen Rückgang zu beklagen hat.
Schmid: Für uns ist es nicht ganz so erstaunlich, denn der Erfolg ist keine Hexerei oder Zufall, sondern das Ergebnis aus Entscheidungen in vielen kleinen Bereichen, wo wir stets versuchen, wenigstens einen Tick besser zu sein als der Mitbewerber. Und die Summe daraus führt dann zu einem erfolgreichen Gesamten.
Nennen Sie uns doch ein Beispiel, bitte!
Schmid: Service und Geschwindigkeit. Wir sind in der Lage, einen täglichen Fondsumsatz von bis zu E 15 Mio. in nur 24 Stunden komplett zu verarbeiten. Ein positiver Nebeneffekt daraus ist zum Beispiel eine enorm frühe Provisionsabrechnung.
Dieses Jahr ist oder war bald das Jahr 1 nach dem neuen Medienerlass. Ist die anfängliche Nervosität nun der Gelassenheit gewichen?
Schmid: Also, wir waren weder nervös, noch sind wir nun gelassen. Durch den engen Kontakt zu den Finanzbehörden haben wir aber von Beginn an mit großer Konsequenz und Beharrlichkeit versucht, etwaige unklar formulierte Vorgaben im Medienerlass abzuklären und die Konzeption des Prospektes ganz auf das Thema steuerliche Sicherheit abzustellen.
In der Öffentlichkeit musste aber der Eindruck entstehen, dass Medienfonds steuerlich gefährdet sind und in vielen Artikeln wurde dann als mahnendes Beispiel immer Mediastream IV angeführt.
Schmid: Und damit wurden Äpfel mit Birnen verglichen. Denn das eine war als reiner Vermarktungsfonds geplant, und die Entscheidung der Finanzbehörden hat nichts mit Produzentenfonds zu tun. Als Beleg dafür: Der VIP4 hatte das Verlustglaubhaftmachungsverfahren erfolgreich durchlaufen, Mediastream IV nicht. Dass alles über einen Kamm geschert wurde, ist entweder Unwissenheit oder Kalkül aus Skepsis der ganzen Branche gegenüber heraus.
Nun macht es die Branche ihren Kritikern auch nicht gerade schwer. Da werden vermeintlich diskreditierende Unterlagen über Mitbewerber an die Medien oder ans Finanzamt weitergegeben und auch sonst wird keine Gelegenheit ausgelassen, über den anderen herzuziehen.
Schmid: Das ist in der Tat sehr betrüblich und ein Geschäftsgebaren, das beispielsweise in der Schiffsbeteiligungs-Branche undenkbar wäre. Und jüngst kam auch von Seiten der Finanzverwaltung ein mehr als deutlicher Hinweis, endlich Ruhe und Seriosität walten zu lassen. Für alle verständlich übersetzt: An den Medienerlass halten und die „Klappe halten“, dann braut sich auch an der Steuerfront nichts zusammen.
Ein immer wiederkehrender Vorwurf ist ja, dass den Hollywood-Studios das Geld in den Rachen geworfen wird, die Anleger über den Tisch gezogen werden, dem Staat Steuergelder verloren gehen und der deutsche Film auf der Strecke bleibt.
Schmid: Gegenfrage: Würden Sie immer wieder in einem Lokal essen, wo es Ihnen noch nie geschmeckt hat, nur weil es in der Nachbarschaft liegt? Ein deutscher Drehbuchschreiber oder Produzent zu sein, ist noch kein Verdienst, und uns geht es nun mal primär um den Verdienst für unsere Kunden. Und hier picken wir weltweit die am interessantesten und damit lukrativsten Projekte heraus. Wenn die aus Deutschland kommen, umso besser - aber die Qualität muss stimmen. Die aktuelle steuerliche Gesetzgebung schreibt übrigens nirgends vor, dass Fondsgelder nur in Deutschland verwendet werden dürfen. Auch die Finanzbehörden sind letztlich an einem erfolgreichen Investment interessiert, da die Rückflüsse wieder Steuergelder bringen.
Wie beim aktuellen Kino-Knüller „7-Zwerge“?
Schmid: Ja, aber ich möchte auch so ehrlich sein, um zuzugeben, dass wir nicht damit gerechnet haben, in nur drei Wochen über 5 Mio. Zuschauer in die Kinos locken zu können.
Und wenn wir nun reihenweise Preise für wirtschaftlichen Erfolg wie „Goldene Leinwand“ oder den goldenen „Bogey“ bekommen, freut uns das für die Anleger und ist auch Beleg dafür, dass wir wissen, wovon wir reden.
Dass Ihnen der Standort Deutschland zwar am Herzen, das Konto Ihrer Anleger aber noch näher liegt?
Schmid: Natürlich, aber wir arbeiten daran, dass beides sich in absehbarer Zeit nicht mehr ausschließt, sondern der deutsche Film wieder zum Qualitätszeichen wird.
Diesbezüglich muss ein Ruck durch die gesamte Film- und Finanz-Branche gehen.
Ein schöner Traum, auch wenn deutsche Filme momentan gut laufen, so ist es doch eine Steigerung auf niedrigem Niveau.
Schmid: Das muss nicht so bleiben! Damit der deutsche Film auch international erfolgreich wird, müssen wir aber Strukturen aufbrechen und ein Umdenken ja fast schon erzwingen. Ein Beispiel: Wenn ein Film in deutscher Sprache nun mal weltweit schwerer zu verkaufen ist, dann drehe ich ihn eben auch in Englisch. Es geht primär darum, erfolgreiche Filme aus Deutschland heraus für den Weltmarkt zu produzieren, und nicht spätpubertäre Träume abgedrehter Regisseure zu verwirklichen.
Gut gebrüllt Löwe, und wie konkret ist die Umsetzung in die Praxis?
Schmid: Wir arbeiten daran und lassen Worten auch Taten folgen! Eine gemeinsame Produktionsfirma mit Regisseur Roland Emmerich, dessen letzten fünf Filme über zwei Milliarden Dollar eingespielt haben, ist ein großer Schritt in diese Richtung. Und diese Firma haben wir in München gegründet!
Und Ihre Vision?
Schmid: Wir müssen einen Wissens-Transfer von Hollywood nach Deutschland schaffen. Vor allem, was Produktions-Know-how angeht. Hier gibt es in Deutschland noch zu wenige wirkliche Profis. Deren Wissen und das der Amerikaner müssen wir an einem Ort bündeln und gezielt an Talente weitergeben.
Eine Film-Elite-Universität?
Schmid: Wie das Kind getauft wird - ob Schule, Institut oder Akademie - ist wirklich nebensächlich, die positiven Folgen für den deutschen Film sind entscheidend. Und hier bin ich mit meiner Anfrage bei erfolgreichen deutschen Koryphäen und führenden Institutionen in Hollywood auf offene Ohren gestoßen.
Von der Vision zur Wirklichkeit zurück. Was kommt 2005?
Schmid: Auf jeden Fall der VIP Medienfonds 5, der wieder einzig in seiner Konzeption sein wird, und wir werden viele Premieren von VIP-Produktionen haben, die den Investoren und uns hoffentlich ebenso viel Freude in inhaltlicher und wirtschaftlicher Sicht machen, wie jetzt gerade „7-Zwerge – Männer allein im Wald“.







