Sinnfreies Einkaufen für die Rente!
„Haben Sie eine Payback-Karte?“
Payback-Punkte oder Meilensammeln sind inzwischen ein Hobby für fast jeden Deutschen geworden. So wird für einen 5 Euro Gutschein oder für ein bombastiges 10-teiliges Messerset schnell mal ein wenig mehr gekauft als nötig. Schließlich gibt es ja was umsonst und das möchten wir Deutschen ja nicht verfallen lassen. Ziemlich verrückt, wenn man bedenkt, dass viele Deutsche auf der einen Seite den „transparenten“ Menschen auf gar keinen Fall haben möchten und auf der anderen Seite dies gerade mit dieser „Bonuspunkte-Sammelei“ ermöglichen. So erfährt die Tankstelle, welches Benzin ich wann und wo getankt habe, oder der Supermarkt, welche Produkte ich in welcher Anzahl konsumiere. Und befremdend wird die Geschichte, wenn das Ganze in Verbindung einer Altersvorsorge geschieht, wie aktuell geschehen.
Die Versicherer ARAG und RheinLand-Gruppe bringen so unter dem Motto „Shoppen für die Rente" eine fondsgebundene Rentenversicherung namens „Deutschland Rente“ auf den Markt. Das Startpaket, dessen Verpackung im Übrigen eher der eines Gesellschaftsspiels ähnelt, erhält der Verbraucher ab dem 27. März zum „Schnäppchenpreis“ von 9,99 Euro drei Wochen lang exklusiv in einer der fast 3.000 Plus-Filialen. Hinter der ehrfurchtsvoll klingenden „Deutschland Rente“ verbirgt sich eine „normale“ fondsgebundene Rentenversicherung mit einer monatlichen Grundprämie von mindestens 19,90 Euro, wobei der Sparanteil in einem Mischfonds der Schweizer Großbank UBS landet – demnach keine große Innovation! Die Marketingidee dahinter ist jedoch, dass der „konsumgeile“ Kunde mit seiner ebenfalls frischen „Deutschland Rente Master Card“ mit jedem Einkauf seine Rente aufstocken kann. So fließen 0,5 % des Umsatzes, den der Kunde mit einer eigens für die Versicherung ausgegebenen Kreditkarte der Santander Consumer Bank tätigt, auf sein Rentenkonto. Bei Einkäufen bei einem der rund 180 Online-Partner der Aktion werden zu - dem Bonusbeträge gutgeschrieben. Knackpunkt hier: Die Einkäufe müssen über die Internetplattform www.deutsch - landrente.de abgewickelt werden. ARAG Vorstandsmitglied Hanno Petersen nennt das liebevoll „Shoppen für die Rente“.In Zeiten, wo viele des Geldes wegen zu Recht streiken oder beim Einkaufen auf jeden Cent achten müssen, ein solches konsumtreibendes Produkt auf den Markt zu bringen, ist äußerst bedenklich! Noch dazu, wenn man bedenkt, welche Summen fließen müssten, um eine ordentliche Rente durch die Prämienregelung zu erhalten. Will die liebe Frau Maier zum Beispiel einmalig 100 Euro Bonus auf ihr Rentenkonto durch dieses Modell erhalten, dann muss sie gemäß der 0,5 Prozent Regel mal schnell Einkäufe für 20.000 Euro via Kreditkarte tätigen! Einfach utopisch! Und – 2 Jahre nach Erhalt der Kreditkarte darf der Kunde noch 5 Euro jährlich Benutzungsgebühr leisten! „Mit der 'Deutschland RENTE' gehen wir einen neuen Weg", so Christoph Buchbender, Vorstandsmitglied der RheinLand Versicherungsgruppe. Und weiter: „Wir wollen es den Bundesbürgern einfacher machen, ihre private Altersvorsorge zu verbessern." Hanno Petersen, Vorstandsmitglied der ARAG, ergänzt: „Wir wollen zeigen, dass Altersvorsorge nicht Konsumverzicht bedeuten muss. Die eigene Rente beim Einkaufen zu erhöhen, ist ein cleverer Anreiz für jeden, mehr für die Altersvorsorge zu tun." Es ist also clever, Menschen zum Kauf einer fondsgebundenen Anlage zu überzeugen, die fix 19,90 Euro im Monat kostet und teils zum überflüssigen Konsum anregt! Ganz abgesehen davon bleibt die Frage, weshalb für eine solche „einfache Anlage“ denn nicht eine klassische Rentenversicherung gewählt wurde, sondern eine kostenintensivere fondsgebunden Variante?
Sicher ist nichts dagegen einzuwenden, wenn man sich Gutscheine, CD-Player oder irgendwelches Küchenzeug aufgrund einer Rabattaktion beim Einkaufen „erhascht“, aber Altersvorsorgeprodukte und somit der monetäre Verzicht in der Gegenwart für eine Absicherung in der Zukunft an solche konsumbedingten Konstrukte zu koppeln, ist stark zu kritisieren!
(Marc Oehme)







