Datum: 08.11.2011
„Inflation – reale Gefahr im nächsten Jahr“
Gegenwärtig werden die Gefahren der Inflation für die Geldanlage von manchen Beobachtern für gering erachtet. Alexander Froschauer, Renten-Experte von der LGT Capital Management, hält die Inflation jedoch für ein unterschätztes Risiko. Ein Blick auf die Inflationsraten der vergangenen 50 Jahre zeigt, dass es in diesem Zeitraum nur drei Jahre gab, in denen es der Anleger nicht mit Inflation zu tun hatte. Wie real ist diese Gefahr?
finanzwelt: Der Zinsschritt der Europäischen Zentralbank hat die Marktteilnehmer etwas überrascht. Wie beurteilen Sie diese Entscheidung?
Froschauer: Obschon dieser Schritt aus konjunktureller Sicht zu begrüßen ist, stellt er einen weiteren fundamentalen Bruch des vorrangingen Zieles der EZB dar. Laut Satzung der EZB darf die allgemeine Wirtschaftspolitik in der Gemeinschaft nur unterstützt werden, wenn dies ohne Beeinträchtigung der Preisstabilität möglich ist. Bei einer Inflationsrate von aktuell 3 Prozent ist die Verringerung des Leitzinses vor diesem Hintergrund mehr als fraglich. Inflationstendenzen können damit sicher nicht bekämpft werden. Der Beschluss, notleidende Anleihen von europäischen Staaten aufzukaufen und genau dadurch die Unabhängigkeit der EZB aufs Spiel zu setzen, hat weder direkt noch indirekt etwas mit der Preisstabilität in Europa zu tun. Sollte Griechenland Pleite gehen, gehören die Verluste der EZB allen Bürgern der EURO-Zone. Dies wird uns bald viel mehr beschäftigen, als 0.25% Zinsen mehr oder weniger.
finanzwelt: Sind Sie der Ansicht, dass die Inflation auf dem derzeit hohen Niveau (2,6%) verharrt?
Froschauer: Die aktuellen Inflationsraten von 2,6 Prozent in Deutschland und 3 Prozent in Europa sind relativhoch. Die EZB sieht die Geldentwertung bei einer Inflationsrate von über 2 Prozent als kritisch. Nachdem die EZB mit der letzten Zinssenkung weiterhin massiv expansiv agiert, kann von ihr allerdings keine Entlastung erwartet werden. Tendenziell zeigt sich eine Entkoppelung der wirtschaftlichen Entwicklung zur Inflationsentwicklung. Als gutes Beispiel kann Griechenland herangezogen werden, dass trotz Rezession eine Inflationsrate von 3.1% aufweist. Deshalb ja, Inflationsraten können auf diesem Niveau verharren.
finanzwelt: Wie soll sich der Investor produktspezifisch positionieren?
Froschauer: Zweifellos bleibt ein breit diversifiziertes Portfolio über möglichst viele Anlageklassen empfehlenswert. Je nach Anlagehorizont und Risikoneigung sollten die Portfolios dabei individuell zusammen gestellt werden. Breite Streuung ist und bleibt der einzige "Free Lunch" in der Kapitalanlage. Neben einem starken Anteil an Emerging Markets Investments empfehlen wir unseren Kunden im Anleihen-Bereich vor allem globale, inflationsgeschützte Staatsanleihen mit sehr guter Bonität. Damit lässt sich das Inflationsrisiko minimieren. Aufgrund der aktuell hohen Inflationsabgeltung ist darüber hinaus mit besseren Renditen zu rechnen, als bei vergleichbaren nominellen Anleihen.
Das Gespräch führte Alexander Heftrich
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