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Krisengewinner

„Kaufen, wenn die Kanonen donnern!“

© Foto: Alexander Vershinin - Fotolia.com

So lautet eine alte Börsenweisheit. Sie hat auch etwas für sich: Die fettesten Gewinne macht man, wenn man die Kurse am Tiefpunkt zum Einkauf erwischt. Nur ist das eben der Punkt, an dem die Krise am schlimmsten aussieht – also ungefähr so, wie heute die Märkte aktuell.

Wenn man diese Regel beim Wort nimmt, ist es längst Zeit, sich neu zu engagieren. Und ein Blick auf die Aktienmärkte zeigt, dass viele Investoren auch längst die im Verlauf der Krise gefallenen Kurse als günstige Einstiegsmöglichkeiten erkannt und genutzt haben (s. Chart 1): Sowohl der US-Index Dow Jones als auch der deutsche DAX sind in der Krise ab Juni 2007 zunächst gesunken und haben dann durch die Lehman-Pleite noch einmal einen kräftigen Schlag zusätzlich erhalten. Wer sich danach allerdings durch das weiter grassierende Krisengerede einschüchtern ließ, hat die seither aufgelaufenen Gewinne verpasst, mit denen der vorherige Einbruch zwar noch nicht vollständig, aber doch zu größeren Teilen ausgeglichen wurde. Der Anstieg seit den Tiefpunkten um die Jahreswende 2008/2009 herum macht immerhin 50 % bis 60 % aus. Wer damals sofort beherzt zugegriffen hat, kann jetzt schon bald über den vorgezogenen Ruhestand nachdenken. Und selbst die vorsichtigeren Anleger, die lieber in einen schon erkennbaren Trend investieren, was im ersten Halbjahr 2009 der Fall war (s. Ausgabe 03/2009), haben immer noch ganz schön verdient.

Schaut man sich heute um, gibt es offenbar immer noch genug Krisen, die Gewinnchancen bieten. Die am lautesten kommentierte spielt sich um die so genannte Südschiene der Eurozone ab – Portugal, Italien, Griechenland und Spanien, auf Englisch kurz die PIGS. Auslöser waren Etatprobleme in Griechenland, wo nicht nur die Maastricht-Kriterien klar gerissen, sondern auch regelmäßig unrealistische Planzahlen verwendet wurden. Unter solchen Umständen leidet die Bonität, die Ratingagenturen passten das in ihrer Beurteilung nach unten an: Griechenland ist der erste und bislang einzige Eurostaat, dessen Rating unter das einfache A gefallen ist: Moody´s bewertet mit A2, Standard & Poor´s und Fitch jeweils mit BBB+.

Das Echo in der deutschen Presse war gewaltig: Die sich als seriös gebende „Zeit“ behauptete, dass griechische Kreditwürdigkeit auf das Niveau einer „Bananenrepublik“ zurückgestuft worden sei und erging sich in wilden Phantasien darüber, wie deutsche Urlauber in einem zusammenbrechenden Griechenland stranden und vor Flughäfen und Bahnhöfen stehen, die „wegen Pleite“ geschlossen werden müssten („Abgebrannt am Mittelmeer“). Die „Experten“ des „Spiegel“ trieben es noch einen Tick heftiger: „Hoffungslos verschuldet“ sei Griechenland und übersetzten das neue Rating damit, „dass die Ratingagenturen nicht mehr so richtig daran glauben, dass das Land seinen Schuldenberg von schätzungsweise insgesamt 300 Mrd. Euro abtragen kann.“ Das sind starke Worte, die sich gut verkaufen lassen. Einziger Schönheitsfehler: Die Behauptungen passen nicht zu den Tatsachen.

Das Rating Baa/BBB wird im Sprachgebrauch der Agenturen übersetzt mit „Durchschnittlich gute Anlage. Bei einer Verschlechterung der Gesamtwirtschaft ist aber mit Problemen zu rechnen.“ Diese moderate Risikoeinschätzung kommt nicht von ungefähr: Ein Baa1/BBB+ zählt immer noch klar zur so genannten Investmentqualität („Investmentgrade“), wo die konkreten Ausfallwahrscheinlichkeiten sich im Promillebereich bewegen. Erst ab den Ba/BB-Stufen, mit denen der spekulative Bereich beginnt, reden die Agenturen überhaupt von konkreten Ausfallrisiken. Aber dann wäre die Story ja auch nicht so schön gruselig geworden.

Es lohnt sich immerhin, genau hinzuschauen, denn hier kann man lernen, wie Stimmung gemacht wird: Die ganze Krisendiskussion konzentriert sich auf die PIGS – was den Blick ablenkt von anderen notorischen Defizit-Sündern, die dadurch sogar schon aus dem Blick der Märkte verschwunden sind. So hat etwa Belgien seine Verschuldung im letzten Jahr von 90 % auf 97 % vom BIP gesteigert. Was die Märkte nicht besonders beeindruckt, wie der Chart 2 zeigt: Die Risikoprämien Belgiens sind relativ zu den Bundesanleihen sogar zurückgegangen.

Den Vergleich mit Japans Staatsverschuldung bei fast 200 % vom BIP kann man schon weglassen.

Offenbar ist weder die Lage so schlimm, wie es das hysterische Geschrei der Presse vorgibt, noch sind die Dinge so einfach, wie es die Vergleiche der Schuldenquoten suggerieren. Und das könnte aus Anlegersicht durchaus erfreulich sein: Solche aus Übertreibungen geborenen „Krisen“ sind Chancen für eine Schnäppchenjagd auf dem Kapitalmarkt. Als Alternative zur Direktanlage in den Staatsanleihen zur Südschiene kommen auch Rentenfonds mit dem Schwerpunkt Euro-Staatsanleihen infrage.

Eine schon längere schwelende „Krise“ gibt es bekanntermaßen am Ostrand der EU in den baltischen Republiken Litauen und vor allem Lettland. Auch hier produziert die Krise Chancen, wie der Chart 3 zeigt: Beide Länder sind im Baa/BBBBereich geratet, die jeweiligen Anleihen liegen aber trotz des längst erkennbaren Erholungsprozesses immer noch klar über dem BBB-Index – und nicht drunter wie vor der Krise. Die Entwicklung geht jeweils in die richtige Richtung: Die Unterstützung durch EU und IWF ist sichergestellt, die jeweilige nationale Politik auf vernünftigem Kurs zur Bereinigung der Probleme.

Es sind also immer noch Potenziale vorhanden. Auch hier bietet sich neben der Direktanlage in den Anleihen ein Investmentfonds an. Etwa der mit vier Sternen von Morning Star bewertete Raiffeisen-Ost-europa-Renten Fonds (AT0000740642), in dem die österreichischen Geno-Banker ihre spezifischen Erfahrungen und Kontakte in Osteuropa verwerten.

(Martin Klingsporn)


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