Interview mit Rechtsanwalt Ekkehard Stein
„Keine Zeit verschenken“
Ekkehard Steinfinanzwelt sprach mit Rechtsanwalt Ekkehard Stein, Vizepräsident
des Deutsch Asiatischer Wirtschaftskreis e. V. und Partner der
Wiesbadener Kanzlei Paule und Partner.
finanzwelt: Wo sehen Sie die Chancen Vietnams?
Stein: Vietnam ist ein Markt mit großem Wachstumspotenzial, das wegen der günstigen Bevölkerungsstruktur auch langfristig besteht. Die wirtschaftliche Entwicklung ist derzeit noch auf Hanoi und Ho Chi Minh City konzentriert. Sobald aber das chronische Infrastrukturproblem angepackt wird und der Binnenhandel in Schwung kommt, hat das Land die Möglichkeit, den „großen Sprung" nach vorne zu machen. Die Metapher kommt dabei nicht von ungefähr, Vietnam orientiert sich - bei aller igenständigkeit - an der VR China.
finanzwelt: Auf welche Schwierigkeiten muss man sich einstellen?
Stein: Das Problem Infrastruktur ist nicht auf die klassische Versorgung mit Wasser und Strom oder Verkehrswegen beschränkt. Es fehlt an geeigneten Zulieferbetrieben, an Facharbeitern und passenden Organisationsmodellen. Wer in Vietnam produzieren will, sollte einen sehr sorgfältigen Blick auf genau diese Punkte werfen und die Bereitschaft zur Pionierarbeit mitbringen.
finanzwelt: Andere Länder, andere Sitten. Was ist zu beachten?
Stein: Vietnam sieht sich zwar gerne als „Preußen Asiens", bleibt aber ein exotisches Land. Erfolg setzt die Bereitschaft voraus, sich den lokalen Verhältnissen und der einheimischen Geschäftskultur anzupassen. Das gilt sowohl für den Geschäftsführer vor Ort als auch für den Controller in Deutschland. In diesem Zusammenhang eine Warnung: Die aus DDR-Zeiten stammende enge Bindung an Deutschland nimmt ab. Heute findet man - noch - in nahezu allen Ministerien Beamte oder Minister, die mehrere Jahre in Deutschland lebten. Die neue Generation der Entscheidungsträger hat in den USA studiert und orientiert sich dorthin. Wer also an Vietnam denkt, hat keine Zeit zu verschenken.
finanzwelt: Bieten nicht alle asiatischen Länder gleichermaßen große Vorteile?
Stein: Das stimmt. Deshalb ist es so wichtig, dass sich der Investor klar macht, was genau er tatsächlich will. Sie würden sich aber wundern, wenn Sie so manches vertrauliche Gespräch und Eingeständnis hören könnten, in dem nämlich genau der Umstand zu Tage tritt, dass sich der Investor gerade nicht klar gemacht hat, war er will und was er bereit ist, dafür zu tun. Und damit sind nicht nur finanzielle Belastungen gemeint.







