Interview mit Didier Le Menestrel
„Mit französischem Flair triumphieren“
Didier Le Menestrel„Savoir vivre“ – das Lebensmotto der Franzosen. Genussvoll leben und die Feste feiern, wie sie fallen. Ein Grund zur Freude hat dieser Tage auch die in Frankreich führende unabhängige Fondsgesellschaft Financière de l’Echiquier. Anlässlich des 20-jährigen Bestehens stand uns Unternehmensgründer und Chairman Didier Le Menestrel Rede und Antwort.
finanzwelt: Seit zwei Dekaden sind Sie am Markt präsent. Wie ist Ihre Positionierung und welche Meilensteine möchten Sie kurz- bis mittelfristig erreichen?
Le Menestrel: Seit 20 Jahren verfolgen wir einen Stock Picking Ansatz, wobei unser Fokus auf europäischen Titeln liegt. Passender ist sogar der Begriff Enterprise Picking. Denn im ersten Schritt gilt es, das richtige Unternehmen zu identifizieren. Geschäftsmodell, Managementteam, Unternehmenskultur und Finanzkennzahlen müssen überzeugen. Dafür ist fundiertes und langjähriges Know-how nötig, das wir seit 20 Jahren erfolgreich und stetig ausbauen. Unsere Fondsmanager haben freie Hand und müssen sich an keiner Benchmark orientieren. Nur so haben sie die Möglichkeit, eine außerordentliche Performance zu generieren. Wir bieten Investoren das Beste aus zwei Welten: Knowhow eines Spezialisten und Schlagkraft einer großen Fondsgesellschaft. Auf dem deutschen Markt wollen wir mit den Finanzberatern das gleiche Vertrauensverhältnis aufbauen, das wir seit 20 Jahren mit französischen Vermögensverwaltern pflegen. Wir möchten unsere Rolle in Europa und bei institutionellen Anlegern weiter ausbauen und unsere Assets under Management bis 2015 von aktuell 4,4 auf 15 Mrd. Euro steigern.
finanzwelt: Ihr Premiumprodukt „Agressor“ erreicht in der Zurückrechnung der vergangenen drei Jahre eine Durchschnittsrendite von 13 %. Wie bewältigen Sie als Stock-Picker die augenblickliche Krise und halten Sie an einer hohen Cashquote fest?
Le Menestrel: Die Märkte haben die aktuelle Krise vorausgesehen, und das Risiko wird in den derzeitigen Kursen bereits widergespiegelt. Unternehmensbewertungen befinden sich auf historischen Tiefstständen, obwohl zahlreiche Unternehmen dank ihres Geschäftsmodells und ihrer guten Bilanzen auf gesunden Beinen stehen. Wir setzen weiter auf eine ausgiebige Fundamentalanalyse sowie eine kritische Beurteilung der Managementqualitäten, bevor wir in ein Unternehmen investieren. Die aktuell turbulenten Märkte bieten Stock-Pickern günstige Einstiegsoptionen. Aus dieser Überzeugung heraus sind im Durchschnitt 90 Prozent des Portfolios unserer Fonds so investiert.
finanzwelt: Inwieweit hat der rasante Einbruch der Aktienkurse seit August Ihre Investmentstrategie verändert und welche Segmente haben aktuell das meiste Aufwärtspotenzial?
Le Menestrel: Diese turbulenten Zeiten haben unser Fondsmanagement dazu gezwungen, die Aktien in unserem Portfolio erneuten Stresstests zu unterziehen und die Kauf- und Verkaufskurse anzupassen. Insgesamt stehen für uns langfristige Investments im Vordergrund, so dass die aktuelle Situation an den Märkten keine Spontanreaktionen zur Folge haben dürfen. Wir halten an unserer Strategie fest: Wir bevorzugen Wachstumswerte, die von der steigenden Konsumbereitschaft in den Schwellenländern profitieren. Denn auch wenn das Wirtschaftswachstum in der westlichen Welt schwach bleibt – solange das Schuldenproblem nicht gelöst ist, wächst die Weltwirtschaft trotzdem weiter. Schwellenländer haben die alten Volkswirtschaften als Wachstumslokomotiven abgelöst. Das machen wir uns zunutze. Unternehmen, die alleine vom europäischen Markt abhängen, meiden wir hingegen.
(Das Gespräch führte Alexander Heftrich)







