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„Pfunds“gewinne mit britischen Zweitmarktpolicen

Kapitallebensversicherungen zählen in Deutschland weiterhin zu den akzeptiertesten Anlageformen. Noch um einiges mehr in Großbritannien, was sich leicht an Hand von Zahlen belegen lässt: Mit einem Anteil von elf Prozent gegenüber Deutschland mit...

vier Prozent ist Großbritannien der größte Markt für Lebensversicherungen in Europa. So ist es auch nicht verwunderlich, dass sich in Großbritannien für den An- und Verkauf von Policen lange vor Deutschland ein eigenes Marktsegment entwickelt hat. Und auch sonst finden sich nur wenige Gemeinsamkeiten.
„Der britische Zweitmarkt ist mit einem Volumen von 800 Millionen Euro durchaus beachtlich und erfährt eine hohe Akzeptanz beim Verbraucher durch die staatliche Aufsicht der Financial Services Authority und laufende Kontrolle. Die gute Handelbarkeit der Policen lässt sich auch auf die unter Sicherheitsaspekten wichtige finanzielle Stabilität der britischen Gesellschaften zurückführen. Insofern ist es nur verständlich, dass sich immer mehr deutsche Investoren für britische Zweitmarktpolicen interessieren“, erklärt Tobias König, geschäftsführender Gesellschafter des Hamburger Emissionshauses König & Cie. die Vorteile von Zweitmarktfonds mit britischen Lebensversicherungen. Zu Recht?


Die Grundstruktur einer britischen Lebensversicherung

Generell besteht eine britische Lebensversicherung aus drei Komponenten. Zum einen der garantierten Versicherungssumme, die am Ende der Laufzeit oder bei Todesfall ausgezahlt wird. Des Weiteren hat der Versicherungsnehmer Anspruch auf die Jahresboni: Diese sind unwiderruflich garantiert und werden im Nachhinein jährlich gutgeschrieben. Die letzte Komponente stellt der Schlussbonus dar – der im Schnitt circa 37 Prozent der Gesamtzahlung bei einer 25- jährigen Laufzeit der Policen ausmacht. Abhängig ist der Schlussbonus dabei von den Faktoren Gesamtlaufzeit und einer erfolgreichen Anlagestrategie der Versicherungsgesellschaft.

Die Anlagestrategien der Versicherer in Großbritannien sind jedoch nicht vergleichbar mit denen von Allianz, Mannheimer und Co., da sie aufsichtsrechtlich gesehen viel mehr Freiheiten besitzen. So legen britische Lebensversicherer seit Jahren mehr Geld in Aktien an, als bei der deutschen Konkurrenz überhaupt erlaubt wäre – hierzulande ist bei 35 Prozent der zu verwaltenden Gelder Schluss. So erklärt Thomas Gerald Foth, Mitglied des Vorstandes bei Rothmann & Cie. Trust Fonds AG, Hamburg: „Während deutsche Versicherer nach 2000 bei fallenden Umlaufrenditen in Rentenpapiere umgeschichtet haben, halten britische Versicherer zum Vorteil der Anleger maßgeblich an ihrer Anlagenpolitik in Aktien und Beteiligungen fest, da diese Strategie im Vergleich zu Deutschland deutlich höhere Renditen erwirtschaftet.“

Trotz der vielen Freiheiten bewegen sich die Briten nicht in einem rechtsfreien Raum. So beschreibt Dr. Torsten Teichert, Vorstandsvorsitzender der Lloyd Fonds AG, Hamburg: „Es existiert eine strenge Aufsicht durch die Financial Services Authority und seit 1975 ein Einlagensicherungsfonds, dem die britischen Versicherer beitreten müssen.“ Dennoch ist es gerade die im Vergleich zu Deutschland nicht vorhandene Höchstgrenze bei der Anlage in Aktien sowie die ebenfalls nicht existente Garantieverzinsung, die zu deutlich höheren Renditen führen können, aber auch zu höheren Risiken als deutsche Lebenspolicen besitzen. „Im Ergebnis haben Britische Lebensversicherungsgesellschaften bei 25-jährigen Policen regelmäßig zweistellige Renditen erreicht“, berichtet Dr. Teichert.


Warum jetzt kaufen?

Der Erfolg liegt in der „aktuellen Situation der Bewertung“. Aufgrund des starken Einbruchs an den Aktienmärkten zwischen den Jahren 2001 und 2004 kombiniert mit einem historisch niedrigen Zinsniveau, kürzten die britischen Assekuranzen zunächst die Bonuszahlungen deutlich, sie liegen laut Initiatoren derzeit auf einem Tiefststand. „Hierdurch sanken die prognostizierten Ablaufleistungen und somit auch die Kaufpreise der Policen“, erläutert König und hebt hervor, dass sich derzeit „aufgrund der Marktsituation gleichwertige Lebenspolicen zu erheblich günstigeren Preisen ankaufen lassen.“ Den Hebel, den die Anbieter in Zukunft sehen, beschreibt Foth wie folgt: „Sofern die Jahres- und Schlussboni wieder steigen, wie gerade Anfang Juni durch Norwich Union praktiziert, können deutlich höhere Renditen erzielt werden, als aktuell prognostiziert.“ Doch bereits jetzt liegen „die unwiderruflich garantierten Versicherungssummen und die bis dato gutgeschriebenen Jahresboni in der derzeitigen Marktsituation teilweise über dem Kaufpreis zuzüglich aller noch zu zahlenden Prämien“, meint Dr. Teichert.

Das investierte Kapital unterliegt so einer Absicherung für den Anleger. „Das vermeintliche Risiko der niedrigen Bewertung der Policen, das von einigen Marktteilnehmern ins Feld geführt wird, erweist sich also bei genauerem Hinsehen als Chance für den Anleger“, fasst König die Situation zusammen.


Das System

Die Fonds, die mit britischen Lebensversicherungen handeln – z.B. Britische Kapital Leben II von Lloyd Fonds, Britische Leben von König & Cie., Prorendita von Ideenkapital oder TrustFonds UK I von Rothmann & Cie. – erwerben die Policen entweder direkt von ausgesuchten britischen Market Makern oder durch Zwischenhändler. Die Market Maker fungieren als Makler zwischen dem potenziellen Verkäufer und dem Käufer. Diese müssen sich einheitlichen Abwicklungsstandards und einem laufenden Monitoringprozess unterwerfen, die schon in der Vorauswahl ein optimales Preis- zu Qualitätsverhältnis versprechen.

Dennoch werden vom Initiator vor dem Kauf der Police diverse Kriterien überprüft – beispielsweise Bonität und Deckungsstock – und es wird darauf geachtet, dass sie den Anlagekriterien der Fonds entsprechen. Dabei beeinflusst die Qualität des breit diversifizierten Policen Portfolios eindeutig die Performance des Fonds.

Doch nicht nur die Performance der einzelnen Lebensversicherung ist entscheidend. Ebenso wichtig ist die Verfügbarkeit von Policen am Zweitmarkt. Da in Großbritannien gerade einmal ein Drittel aller Endkunden, die eine Lebenspolice abgeschlossen haben, diese auch ausbezahlt bekommen, deutet das schon auf ein großes Angebot an Policen hin. Die Gründe für den Verkauf sind dabei zum Beispiel die Ablösung einer Immobilienfinanzierung oder Scheidungsfälle. Kündigt nun ein Versicherungsnehmer, muss dieser vom Versicherungsunternehmen laut Verbraucherschutzvorgaben der FSA auf den Zweitmarkt hingewiesen werden.

Da der Rückkaufswert der Versicherung meist niedriger ist als der tatsächliche Wert, hat sich über die vergangenen 150 Jahre ein sehr liquider Zweitmarkt in Großbritannien etabliert. „Im Ergebnis erhält der Policeninhaber am Zweitmarkt einen Kaufpreis, der über dem angebotenen Rückkaufswert des Versicherers liegt“, meint Foth. Im Gegenzug bezieht der Fonds „zu einem diskontierten Preis die bis dahin bereits aufgelaufenen Vermögens- und Garantiewerte sowie den Anspruch auf den attraktiven Schlussbonus“ – so Foth weiter.


...hohe Rendite und noch Steuervorteil?

Neben der attraktiven Rendite gibt es auch einen steuerlichen Vorteil. Es bedarf dazu einer Betriebsstätte entweder in Großbritannien oder – wie bei Lloyd Fonds – über einen Umweg in Österreich, die durch den An- und Verkauf von Policen Handelsgewinne erzielt. Die Anleger des Fonds müssen dann die daraus resultierenden gewerblichen Einnahmen in Großbritannien oder Österreich versteuern. So profitiert der Eigner vom Lloyd Fonds Britische Kapital Leben II laut Dr. Teichert „vom dort gewährten Grundfreibetrag in Höhe von 2000 Euro. Übersteigen die österreichischen Einkünfte diese Summe nicht, fallen keine Steuern an.“

Bei einem Sitz in Großbritannien ist der Vorteil deutlich höher. Bei Gewinnen aus Gewerbebetrieb fallen dort bis zu knapp 7.200 Euro überhaupt keine Steuern an. Der Progressionsvorbehalt, der den Steuersatz in Deutschland geringfügig erhöht, gilt für beide Lösungen. Sofern die Policen sich nicht vor Fälligkeit verkaufen ließen, könnten sich steuerliche Risiken ergeben. Dann müsste das Ergebnis in Deutschland versteuert werden, was die prognostizierten Renditen von ca. 8,5 % auf knapp 6 % reduzieren würde.

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