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Interview mit Prof. Dr. Volker Eichener

„Schnäppchenjäger kaufen bereits“

Prof. Dr. Volker EichenerProf. Dr. Volker Eichener

Die EZB Business School in Bochum, die im Oktober letzten Jahres zugelassen wurde, ist die jüngste private Universität und die erste Private Hochschule der deutschen Wohn- und Immobilienwirtschaft, an der Absolventen den Bachelor of Arts Real Estate und den Master of Arts Real Estate erwerben können.

Es handelt sich um einen dualen Studiengang, der parallel zur Berufsausbildung oder zur Berufsausübung durchgeführt werden kann. Gründungsrektor ist Prof. Dr. Volker Eichener, Professor für Politikwissenschaft an der Fachhochschule Düsseldorf, der sich für diese Tätigkeit in Düsseldorf beurlauben ließ. Eichener ist Wissenschaftlicher Direktor des InWIS Institut für Wohnungswesen, Immobilienwirtschaft, Stadt und Regionalentwicklung an der Ruhr- Universität Bochum im Europäischen Bildungs- und Weiterbildungszentrum der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft. InWIS ist ein Forschungsinstitut, das wohnungspolitische Analysen, Evaluationsstudien, Marktanalysen und -prognosen Standortanalysen sowie Mietspiegel erstellt. Mit Prof. Dr. Volker Eichener, Sachverständiger beim Deutschen Bundestag und beim Landtag Nordrhein- Westfalen, sprach finanzwelt über die Finanzkrise und deren Einfluss auf den Wohnimmobilienmarkt.

 

finanzwelt: In England fielen die Preise für Wohnimmobilien im letzten Jahr um über 10 %. Welche Auswirkungen hat die Finanzkrise auf deutsche Wohnimmobilien?

Dr. Eichener: Bislang ist die Finanzkrise auf dem deutschen Wohnimmobilienmarkt noch nicht zu spüren. Allerdings wird es Auswirkungen geben, wenn die Arbeitslosigkeit zunimmt. Die Effekte auf den deutschen Markt sind sehr indirekt und zeitverzögert.

finanzwelt: Woran liegt das?

Dr. Eichener: Der deutsche Wohnungsmarkt ist träge, das hängt mit dem hohen Regulierungsgrad zusammen. Wir haben das Vergleichsmietensystem. Nicht Angebot und Nachfrage entscheiden unmittelbar über die Höhe der Miete, sondern die ortsübliche Vergleichsmiete. Und diese ändert sich durch die Finanzkrise zunächst gar nicht.

finanzwelt: Gilt das auch längerfristig?

Dr. Eichener: Wenn es einen Effekt geben sollte, so dürfte der sich frühestens in 12 oder 18 Monaten zeigen, wenn es zu umfangreichen Entlassungen kommen sollte. Wenn ein Beschäftigter seinen Arbeitsplatz verliert, wird er nicht unmittelbar die Wohnung wechseln. Erst wenn das Arbeitslosengeld II ausgelaufen ist, wird es einen ersten Impuls dazu geben. Aber bevor die Entlassungswelle einsetzt, ist die Rezession möglicherweise schon überwunden. Die Trägheit des Wohnimmobilienmarktes, die oft bedauert wird, hat jetzt einen stabilisierenden Effekt, wirkt wie ein Stoßdämpfer.

finanzwelt: Sind die ausländischen Immobilienmärkte also volatiler?

Dr. Eichener: Ja, und das gilt besonders für die Wohnimmobilien. Dazu trägt auch die niedrige Eigentumsquote in Deutschland bei. Im Vereinigten Königreich verkaufen die Menschen ihr Wohneigentum, wenn sich ihre wirtschaftliche Situation verschlechtert, und ziehen in ein preiswerteres Häuschen oder in eine Mietwohnung.

finanzwelt: Müssen die Investoren nicht schon weiter denken, nämlich an die Zeit nach der Rezession?

Dr. Eichener: Während die Normalanleger noch abwarten, denken die Schnäppchenjäger an die Zeit nach der Rezession und kaufen bereits. Sie sind dabei, die Scherben aufzulesen, die die Private Equity Firmen hinterlassen haben. Viele Experten rechnen ab 2010 wieder mit steigenden Teuerungsraten. Mit zunehmenden Inflationsängsten wird es zu einer Flucht in die Sachwerte kommen.

 

 

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