FINANZWELT IM GESPRÄCH
„Transparenz nutzt der Performance“
Dr. Bernd Hasenbichler gilt als Pionier der Alternativen Investments in Österreich. 1986 wagte er sich mit der Gründung einer eigenen Brokerfirma für Terminkontrakte und physischem Handel in die Selbstständigkeit. In den letzten 15 Jahren entwickelte sich Hasenbichler vom reinen Commodity Trading Advisor zu einem Multi Strategy Hedgefonds Manager. Mit dem ersten zum öffentlichen Vertrieb in Deutschland zugelassenen Dachhedgefonds in Form einer Investmentaktiengesellschaft mvK – der Hasenbichler Investmentaktiengesellschaft mvK – bietet Hasenbichler nun auch ein maßgeschneidertes Produkt für den deutschen Markt. FINANZWELT sprach mit ihm.
FINANZWELT: Welche Voraussetzungen müssen Ihrer Meinung nach erfüllt sein, damit Hedgefonds zu einem Standardprodukt wie etwa Aktien-Investmentfonds werden?HASENBICHLER: Die Anbieter von Hedgefonds müssen einen langen Atem haben, um die Anleger nachhaltig von den Vorteilen Alternativer Investments zu überzeugen. Hedgefonds sind in Deutschland nun einmal eine neue Anlageform. Außerdem muss natürlich die Performance stimmen. Hedgefonds sollten zumindest auf mittlerer Sicht eine Rendite erzielen, die deutlich über dem risikolosen Zins liegt. Und wir brauchen eine ausgewogene und differenzierte Diskussion über die Asset-Klasse Hedgefonds. Zur Zeit wird sowohl von Kritikern als auch Befürwortern zu sehr schwarz-weiß gemalt.
FINANZWELT: Erwarten Sie auch in Europa Versuche zur Regulierung der Hedgefonds (entsprechend der SECSchritte) und wenn ja, welche Konsequenzen ergeben sich für Ihre Geschäfte?
HASENBICHLER: Ich glaube, dass diese Diskussion aus den USA nicht nach Europa schwappen wird. In Großbritannien hat man kein Interesse, den Hedgefonds-Standort London durch eine strengere Regulierung zu gefährden. Und in Deutschland ist die Regulierung durch die BaFin bereits jetzt umfassender und besser als in den USA.
FINANZWELT: Einige US-Anbieter halten die von der SEC geforderten Standards freiwillig weiter aufrecht, um damit Qualität zu demonstrieren (signalling). Welche Schritte könnten Sie sich vorstellen, um Transparenz zu schaffen?
HASENBICHLER: Die Zeiten, in denen Anleger bereit waren, in eine Black-Box zu investieren, sind zum Glück vorbei. Das zeigt auch das signalling der US-Anbieter. Aus unserer Sicht nutzt Transparenz der Performance, denn sie diszipliniert den Manager in seinen Investmententscheidungen. Wir haben daher mit der Investment AG ganz bewusst eine sehr transparente, anlegerfreundliche Rechtsform gewählt. Als Aktionäre der Hasenbichler Investment AG besitzen die Anleger die gleichen Auskunftsrechte wie bei einer klassischen AG. Wir sehen die Investment AG als ideale Rechtsform für einen regulierten Hedgefonds an und glauben, dass sich diese Rechtsform in Deutschland zunehmend durchsetzen wird.
FINANZWELT: Wie schätzen Sie die Konkurrenzsituation und die zukünftigen Ertrags-Chancen der Hedgefonds ein, angesichts des Booms in diesem Marktsegment?
HASENBICHLER: Die Konkurrenz ist in der Tat stärker geworden. Es strömt sehr viel Geld in den Markt und das hat auch in einem gewissen Ausmaß einen negativen Einfluss auf die Ertrags-Chancen. Allerdings sollte man diesen Effekt nicht überbewerten. Viele Hedgefonds- Strategien lassen sich auch bei großen Anlagevolumina erfolgreich umsetzen.
FINANZWELT: Ist das Eindringen von Hedgefonds in Geschäftsfelder außerhalb des klassischen Feldes der Fonds (durch Derivate darstellbare Positionen) wie etwa PE ein Indiz dafür, dass sich mittlerweile zu viele Fonds Konkurrenz machen?
HASENBICHLER: Die Hegefondsbranche war schon immer sehr innovativ und hat neue Investmentstrategien entwickelt bzw. adaptiert. Darin liegt ja gerade eine Stärke der Branche. Zurzeit ist Private Equity nun einmal sehr attraktiv. Für jede Investmentstrategie gibt es optimale Marktbedingungen. Für Private Equtiy Strategien sind dies unter anderem niedrige Zinsen. Sollten die Zinsen weiter steigen, wird Private Equity etwas aus dem Blickfeld rücken. Die Aufgabe eines guten Hedgefonds- Manager ist es, zu erkennen, wann eine Anlage-Strategie ihren Zenit überschritten hat.







