Datum: 22.07.2011
„Vermögensplanung und Altersvorsorge für Frauen“
Frauen in Führungspositionen? Noch immer eine Rarität, gleichwohl es einige ruhmreiche Ausnahmen gibt. finanzwelt hatte die Gelegenheit eines Interviews mit Constanze Hintze, seit 2005 Geschäftsführerin des auf die Finanzberatung von Frauen spezialisierten Unternehmens Svea Kuschel + Kolleginnen, das aktuell über 5000 Kundinnen betreut.
finanzwelt: Frau Hintze, seit mehr als 25 Jahren beraten Sie Frauen in allen Finanzfragen. Wie hat sich der Beratungsalltag geändert?
Constanze Hintze: Die Frauen sind selbstbewusster und mutiger, wissen, was sie wollen – und was nicht. Und: Sie verfügen im Schnitt über mehr (eigenes) Einkommen und Vermögen. Als ich angefangen habe, war ein Depot etwas Elitäres. Mittlerweile gehört es zur normalen Altersvorsorge. Zum anderen haben Banken und Versicherungen die Frauen als neue Zielgruppe entdeckt. Frauen bemerken aber schnell, ob man sie nur umwirbt oder wirklich auf ihre Bedürfnisse eingeht.
finanzwelt: Eine aktuelle Umfrage des BVI belegt: Die Beschäftigung mit dem Thema Altersvorsorge lässt zu wünschen übrig. Was muss sich ändern?
Constanze Hintze: Das hat mich nicht überrascht: An das Thema gehen viele Menschen ungern heran. Zudem fällt es vielen schwer, heute Anlageentscheidungen zu treffen, von denen sie erst in Jahrzehnten profitieren können. Hinzu haben die Finanzkrisen der letzten Jahre eine destruktive Stimmungsmache genährt, dass Aktien, Riester & Co. nur kosten, aber nichts bringen. Wir wissen, dass das nicht stimmt. Wohlstand im Alter erreicht man mit Konsumverzicht und Sparen in der beruflich aktiven Zeit, dem Ausschöpfen möglichst vieler staatlicher Förderungen und einem gesunden Mix aus chancenreichen und sicheren Geldanlagen. Nicht wenige Frauen verlassen sich bei der Altersvorsorge noch immer auf andere: den Partner, den Staat. Wenn sie Familienpausen einlegen und dann Teilzeit arbeiten, haben sie das Gefühl, dass sie dabei für ihr Alter vorsorgen. Vielen ist nicht bewusst, dass das nicht reicht, um die Versorgungslücken zu schließen. Hier ist mein Rat, mit dem Partner von Anfang an zu klären, wie ein Ausgleich geschaffen wird, wenn einer der beiden – und meist ist es halt doch wieder die Frau – sich eine gewisse Zeit mehr um die Kinder kümmert.
finanzwelt: Frauen haben mitunter ein ambivalentes Verhältnis zu Geld. Welche Bedeutung kommt der emotionalen Seite zu?
Constanze Hintze: Emotionen spielen eine Rolle, auch wenn sie da eigentlich nicht hingehören. Wichtig ist: Frauen haben verstanden, dass Geld Unabhängigkeit bedeutet. Oft stehen sie sich aber selbst im Weg. Sie wollen es perfekt machen: informieren sich, rechnen, zweifeln – und tun dann: erstmal nichts. Frauen sind meist vorsichtiger. Die Aktienquote in ihren Portfolios liegt deshalb manchmal unter 20 Prozent. Meine Aufgabe ist es oft, sie zu überzeugen, ruhig ein wenig mehr ins Risiko zu gehen. Gleichzeitig liegt in ihrem Risikobewusstsein eine große Stärke: Ihre Portfolios sind nachweislich besser durch die Krise gekommen als die der Männer. Am besten ist eine gesunde Balance.
finanzwelt: Welche Meilensteine setzen Sie sich für die nächsten Jahre?
Constanze Hintze: Immer mehr Frauen sind vermögend und wollen eine fachkundige, bankenunabhängige Beratung. Unsere Kundinnen empfehlen uns weiter – und oft schicken sie auch ihre Partner und Freunde vorbei. Ich plane inzwischen neue Niederlassungen in Düsseldorf und Berlin sowie den Ausbau des Stammsitzes in München.
Das Interview führte Alexander Heftrich








