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Interview mit Eric Romba

„Viel Arbeit und viel Kampf!“

Eric RombaEric Romba

2011 war kein leichtes Jahr für die Branche geschlossener Fonds. Einige Emissionshäuser stellten das Neugeschäft ein, die Platzierungszahlen gingen zurück. Im Gespräch mit finanzwelt zieht Eric Romba, Hauptgeschäftsführer Verband Geschlossene Fonds (VGF), eine Bilanz der letzten zwölf Monate.

finanzwelt: Die Platzierungszahlen der Emissionshäuser sind im dritten Quartal im Vergleich zum Vorjahresquartal um 19 % zurückgegangen. Wie beurteilen Sie das Jahr 2011 für die Branche?

Romba: Unser Fazit fällt zweigeteilt aus. 2011 war zwar kein zufriedenstellendes Jahr, in Anbetracht der schwierigen gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen ist es aber ganz ordentlich verlaufen. Die äußerst pessimistischen Prognosen, die Ende des vergangenen Jahres für Emissionshäuser und geschlossene Fonds abgegeben wurden, haben sich nicht bewahrheitet. Dafür musste viel gearbeitet und gekämpft werden, genau das haben die Emissionshäuser getan. Das ist die positive Seite dieses schwierigen Jahres. Was die Platzierungszahlen betrifft, gibt es aber noch viel Luft nach oben. Das bedeutet nicht, dass die Branche ständig neue Rekordzahlen melden muss. Wichtig ist vielmehr, eine gewisse Konstanz der Platzierungszahlen zu erreichen. Die Branche muss sich fragen, ob sie die richtigen Produkte für die richtigen Anleger bietet. Dieser Prozess wird die Qualität geschlossener Fonds weiter verbessern. Im Übrigen sind geschlossene Fonds nicht die einzig Leidtragenden der Krise. Sie trifft auch Investmentfonds und Festgeld. Das derzeitige Umfeld ist nicht vertriebsfördernd.

finanzwelt: Welche Erwartungen haben Sie für das nächste Jahr?

Romba: Mit Prognosen sollte man sich derzeit zurückhalten. Dies zeigt schon die Geschwindigkeit, mit der sich in diesem Jahr weltwirtschaftliche Veränderungen ergeben haben. Für unsere Branche gilt, sich auf die regulatorischen Veränderungen einzustellen, gute Produkte auf den Markt zu bringen und den Vertrieb zu unterstützen. Wenn dies gelingt, kann 2012 ein gutes Jahr werden. Sollten aber Griechenland, Italien oder Spanien pleitegehen, können die besten Produkte nichts gegen emotionale Entscheidungen der Anleger ausrichten. Unsere Mitglieder tun alles dafür, dass 2012 ein gutes Jahr wird. Diese Anstrengungen müssen aber vom Markt aufgegriffen werden. Dies hängt nicht nur von der Qualität der Produkte ab, sondern auch von der gesamtwirtschaftlichen Lage.

finanzwelt: Die Richtlinie zur Regulierung Alternativer Investment Fonds Manager (AIFM) regelt die Zulassungsvoraussetzungen, die der Manager eines geschlossenen Fonds zukünftig erfüllen muss. Werden Sie Ihren Mitgliedern Vorschläge machen, wie sie die Anforderungen an den Fondsmanager präziser definieren können?

Romba: Wir machen uns gemeinsam mit unseren Mitgliedern Gedanken darüber, wie ein effektives Risikomanagement ausgestaltet sein muss, dies aber auf definitorischer Ebene. Wir haben von unseren Mitgliedern einen entsprechenden Arbeitsauftrag bekommen und werden uns intensiv damit beschäftigen. Wir wollen kein System vorgeben, das vorschreibt, wie das Risikomanagement im Detail ausgestaltet sein muss, sondern Richtlinien aufstellen. Diese müssen nach einzelnen Branchen unterteilt werden. Die Risiken, die bei einem Schiffsfonds erfasst werden müssen, sind andere Risiken als bei einem Immobilienfonds. Diese Richtlinien wollen wir auch Wirtschaftsprüfern und der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) vorlegen. Eine Standardisierung würde den aufsichtsführenden Behörden die Kontrolle erleichtern. Dies wird aber keine starre Vorgabe für die Emissionshäuser, denn jedes Unternehmen ist anders aufgestellt und muss selbst entscheiden, welches Controllingverfahren es verankern will. Wir halten es aber für wichtig, dass sich nicht jedes unserer Mitgliedsunternehmen gesondert Gedanken darüber machen muss, sondern dass wir im Verband zusammenarbeiten. Das ist effizienter.

finanzwelt: Einige Branchenjuristen erwarten, dass mit der Umsetzung des Richtlinienvorschlags „MiFID 2“ der Europäischen Kommission, der erstmalig eine Regulierung der freien Vermittler auf europäischer Ebene vorsieht, die Zuständigkeit der Gewerbeaufsicht schon wieder ein Ende haben wird und dann die BaFin die Kontrolle übernimmt. Sehen Sie das genauso?

Romba: Wir verstehen den Richtlinienvorschlag nicht so, dass zwingend die BaFin die Kontrolle übernehmen muss. Dies ist aus unserer Sicht aber auch nicht entscheidend. Wesentlich wichtiger ist, dass eine effektive Beaufsichtigung der freien Vermittler stattfindet. Ob diese letztlich bei den Gewerbeämtern oder bei der BaFin verortet wird, ist eine andere Frage. Die Regelungen des Gesetzes zum Finanzanlagenvermittler- und Vermögensanlagenrecht müssen von den Gewerbeämtern in die Praxis umgesetzt werden. Erst dann kann ihre Arbeit beurteilt werden.

finanzwelt: Im Februar veranstaltet der VGF den 3. Summit. Was erwartet die Besucher? Wird es im Vergleich zu den Vorjahren konzeptionelle Änderungen geben?

Romba: Im nächsten Jahr wird es 19 Panels geben. Der Schwerpunkt wird auf vertrieblichen Themen liegen. Die Vertriebsverbände AfW und Votum werden sich dabei engagieren. Bei den Assets werden Immobilien und erneuerbare Energien im Vordergrund stehen. Wir werden auch die Ergebnisse der bisherigen Regulierungsbestrebungen auf nationaler wie auf internationaler Ebene vorstellen. Die Panels werden in diesem Jahr etwas kürzer ausfallen. Denn wir möchten den Besuchern Gelegenheit geben, möglichst viele Panels zu besuchen. So können sie das Programm und die Inhalte umfangreich wahrnehmen. Ansonsten bleibt das Konzept wie gehabt. Insgesamt erwarten wir 45 Aussteller und 1.200 Besucher.

(Das Gespräch führte Kim Brodtmann)


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