Interview mit Lüder Mehren, Vorstand Gerling Leben
„Vorteile nutzen wird zum Volkssport“
Alterseinkünftegesetz (AEG), Versicherungsvermittlerrichtlinien, betriebliche Altersvorsorge (bAV), nachgelagerte Besteuerung und zu guter Letzt die Hiobsbotschaften über den Kollaps der gesetzlichen Rentenversicherung: Lauter Veränderungen, die bei vielen Vermittlern, Vertrieben und Versicherern zu einer Menge Unmut geführt haben. Nicht so bei Gerling. Strikt nach dem Motto „Nicht meckern, sondern Chancen nutzen“ sieht Gerling Leben Vorstand Lüder Mehren beim AEG sehr gute Perspektiven für die Finanzdienstleistungswirtschaft....
FINANZWELT: Welche Gründe sprechen für das AEG? Werden sich künftig auch die Makler mehr mit dem Thema bAV beschäftigen müssen?Mehren: Das AEG ist anfangs ziemlich missverstanden worden. Bis man die positiven Vertriebsansätze gefunden hat, ist einige Zeit ins Land gegangen. Aber der starr denkende Markt ist dadurch „wachgerüttelt“ worden. Das AEG gibt uns eine Vielzahl von guten Vermarktungselementen an die Hand. Wir sehen dabei mehr Möglichkeiten, die uns der Gesetzgeber nun durch das AEG gegeben hat, als dies vorher bei der Steuerfreiheit bei Lebensversicherungen der Fall war. Das Ausnutzen von Steuervorteilen wird künftig zum Volkssport werden. Damit steigt natürlich auch der Anspruch an die Qualität des Beratungsgespräches. Die Grundlage künftiger Beratungen wird der so genannte „Förderrechner“ sein, der anzeigt, wie die Kunden ihre Rentenlücke am sinnvollsten ausgleichen können. Spätestens wenn der Berater aufgefordert wird, für seinen Kunden die steuerlich unterschiedlich wirkenden Produktvarianten – inklusive bAV – aufzuzeigen, muss er sich mit diesem Thema auseinandersetzen. Das bedeutet auch einen deutlichen Transfer der Beratung von Privatkunden in den bAV-Bereich. Im Übrigen steht uns auch deswegen ein Spezialistenteam von 40 bAV-Profis zur Unterstützung von Maklern, insbesondere im Bereich der größeren Unternehmen, zur Verfügung.
FINANZWELT: Nach dem großen Schlussverkauf von Lebensversicherungen im letzten Jahr und dem verloren gegangenen Privileg: Glauben Sie, dass die Direktversicherung die Rettung ist?
Mehren: Das wäre eine zu einseitige Sicht. Es werden sich in der Breite völlig neue Produkte durchsetzen, die sich streng an den Kundenwünschen ausrichten. Gefragt sind künftig Produkte, die auch steuerlich am geschicktesten einzusetzen sind. So bietet z.B. künftig eine lebenslange und flexible Lebens-/Rentenversicherung, wie wir sie seit dem 1.1.05 am Markt haben, interessante steuerliche Vorteile. Sie können bis zu ihrem Ableben entscheiden, ob sie größere Einmalzahlungen oder variable Rentenauszahlungen haben möchten – je nachdem, wie es steuerlich am sinnvollsten ist.
FINANZWELT: Welche Rolle spielt eigentlich das Thema Beraterhaftung in der Zukunft?
Mehren: Zu diesem Thema besteht zu viel unnötige Unruhe im Markt. Wer in dem voraussichtlich ab 1. Juli vorgeschriebenen Beratungsprotokoll die Themen biometrische Risiken, Steuern und Altersvorsorge – inklusive der Möglichkeiten in der bAV – sorgfältig berücksichtigt, wird auch künftig keine Schadenersatzansprüche befürchten müssen.
FINANZWELT: Viele Kunden – besonders junge Leute – betreiben derzeit fast gar keine Privatvorsorge, deshalb haben einige Anbieter die Senioren als neue Zielgruppe entdeckt. Wie werden/müssen künftig Versicherer, aber auch Makler reagieren?Mehren: Wir werden künftig sicherlich zweigleisig fahren müssen. Zum einen werden wir insbesondere junge Leute auf die Notwendigkeit privater Vorsorge unter optimaler Ausnutzung der neuen steuerlichen Rahmenbedingungen in unserem Markt beraten. Dabei ist für uns besonders interessant, dass diesen Kunden wegen der steuerlichen Absetzbarkeit der gesetzlichen Rentenversicherungsbeiträge künftig mehr Liquidität zur Verfügung steht (bei gleichzeitig deutlicher Verschlechterung der Rentensituation). Daneben werden wir sicherlich intelligente und bedarfsgerechte Konzepte für den Seniorenbereich entwickeln, die auch in der tariflichen Ausgestaltung sehr flexibel auf die besonderen Bedürfnisse dieser Zielgruppe eingehen.







