Datum: 02.09.2011
„VV und Bankberater setzen auf Zertifikate“
Die Steinbeis Hochschule Berlin hat im Auftrag der DZ Bank 200 Vermögensverwalter, Bankberater und Wertpapierspezialisten in Bezug auf die Depotgestaltung von Anlegern befragt. Demgemäß soll sich der Anteil von Zertifikaten von derzeit zehn auf 12 Prozent im Jahr 2014 erhöhen. finanzwelt sprach mit Heiko Weyand, Direktor Marketing Retail Products bei HSBC Trinkaus.
finanzwelt: Die überwältigende Mehrheit der Befragten des Trendbarometer Zertifikate 2011 ist sich einig, dass die Finanzkrise massive Auswirkungen auf den Informationsbedarf der Anleger hat. Wie äußert sich dies im Beratungsalltag?
Heiko Weyand: Grundsätzlich reagieren Bankkunden inzwischen viel sensibler auf Informationen zu Wertpapieren. Sie hinterfragen mehr und agieren kritischer. Andererseits gestaltet sich die Risikoaufklärung – auch durch den Einsatz des gesetzlich geforderten Beratungsprotokolls und der Produktinformationsblätter – als sehr intensiv. Gerade bei Zertifikaten stellen wir fest, dass Kunden immer mehr Standardprodukte wie Discount- und Bonuszertifikate nachfragen und weniger auf individuelle Lösungen setzen.
finanzwelt: Die Absatzentwicklung von Bonuszertifikaten wird positiv eingeschätzt. Interessant, zumal diese Zertifikatekategorie durch die Turbulenzen der vergangenen Handelswochen arg in Mitleidenschaft gezogen wurde.
Heiko Weyand: Das kann ich nicht bestätigen. Laut einer Studie der Ratingagentur Scope von Mitte August 2011 haben nur rund 21 Prozent der Bonuszertifikate ihre Barriere während der nun hinter uns liegenden, historisch einmaligen Abwärtsbewegung des DAX® gerissen. Das bedeutet umgekehrt, dass bei fast vier von fünf Bonuszertifikaten der Sicherheitspuffer gehalten hat. Das ist doch fantastisch.
finanzwelt: Gemäß der Erhebung trauen viele Vermögensverwalter und Bankberater Garantiezertifikaten ein weiteres Wachstum zu. Was sind nach Ihrer Meinung die Gründe hierfür?
Heiko Weyand: Deutsche Anleger scheuen generell das Risiko. Das zeigt sich an dem geringen Anteil Aktionäre und Fondsbesitzer ebenso wie an der Tatsache, dass Garantiezertifikate die bedeutendste Zertifikategruppe stellen. Sicherheit steht an erster Stelle, auch wenn viele der vorwiegend über die Filialen vertriebenen Papiere kaum Renditeaussichten bieten. Aus meiner Sicht würde vielen Anlegern in diesem Kontext ein wenig mehr Risiko im Portfolio gut anstehen. Am Ende muss der Anleger das aber selbst entscheiden.
finanzwelt: Breite Produktpalette versus Übersichtlichkeit und Transparenz des Marktes – besteht hier ein Zielkonflikt?
Heiko Weyand: Da gibt es keine Zielkonflikte. Im Gegenteil: Die vier Produkttypen Garantie-, Discount- und Bonuszertifikate sowie Aktienanleihen reichen völlig aus, um die Mehrzahl der Anlegerbedürfnisse zu erfüllen. Dazu ETFs und ein paar aktiv gemanagte Fonds. Diese Auswahl an Wertpapieren ist sehr übersichtlich. Die Anzahl der handelbaren Wertpapiere vergrößert ja nur die Auswahl der Möglichkeiten für Anleger. Hier kann jeder für seine persönliche Risikoneigung fündig werden. Und der Einsatz von Echtzeit-PIBs ist ein Beispiel, dass eine transparente und verständliche Darstellung bei den genannten Wertpapierarten auch funktioniert.
Das Interview führte Alexander Heftrich








