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Stichwort Lieferantenkredite

„Was bollert denn da?“

Wie ein roter Faden zieht sich durch die Boll-Fonds ein steuertechnischer Effekt, den andere Initiatoren nicht nutzen (müssen). Denn Boll, „einer der wenigen Deutschen, die es geschafft haben und in Hollywood Fuß fassen konnten“ (Originalton Hauptvertrieb Vendura GmbH), ist auf die Unterstützung seiner Subunternehmer angewiesen. Dabei entstand der vermeintliche Steuervorteil zunächst durch zu wenig Vertriebspotential, so der Boll-Rechtsanwalt Hanno Kämpf im Gespräch: „denn bei seinen ersten Projekten konnte Boll seine Zulieferer schlicht und ergreifend nicht bezahlen.“ Diese gaben ihm ein Darlehen und da der Fonds zumindest auf dem Papier diesen Cash-Flow in der Kasse hat, kann er das Geld als neutrale Steuervorteile „ausschütten“. Allerdings geschieht dies haftungserhöhend gegenüber den Kommanditisten und vergessen wird schnell, dass diese Darlehen natürlich auch bedient werden müssen. Vereinfacht gesagt, schütten sich die Kommanditisten ihre eigenen Darlehen aus. Und ob es jemals zu echten Erlösen kommt, ist in Anbetracht der bisherigen Ergebnisse fraglich. Am ärgsten treibt es Boll dabei bei seinem zweiten Fonds, bei dem gleich 41 Prozent der Ausschüttungen auf diesem Weg erzielt werden. Der Fonds hat nur einen Film (Blackwoods) produziert. Interessant ist hierbei das der Redaktion vorliegende Schaubild „Verkäufe Blackwoods – Deadly Trust“.

Danach hat der Film seinerzeit ein Budget von 2,7 Mio. US $ gehabt und wurde am 30.9.2001 fertig gestellt. Bislang seien 2,024 Mio. US $ an Einnahmen aus der Auswertung dieses Filmes erzielt worden. Laut Fußnote verbleiben beim Fonds rund 84 % der Einnahmen, da lediglich 5 % Vertriebsfee sowie 10 % Geschäftsführungskosten und ca. 1 % sonstige Kosten von den Einnahmen abgehen würden. 84 % von 2,024 Mio. US $ entsprechen ca. 1,70 Mio. US $. 1,7 Mio. US $ sind wiederum 63 % des ursprünglichen Budgets, die daher eigentlich zur Ausschüttung aus liquiden Mitteln der Gesellschaft zur Verfügung gestanden haben müssten und entsprechend zur Ausschüttung hätten gelangen können. Bisher wurden jedoch nur 59 % ausgeschüttet, davon 41 % steuerfreie „Lieferantenkredite“. Dies ist eine Summe von ca. 1,1 Mio. US $. Warum wurde nicht aus liquiden Mitteln „ausgeschüttet“, sondern aus Lieferantenkrediten? Ferner stellt sich die Frage, was sich hinter den Lieferantenkrediten verbirgt. Wenn der Film am 30.9.01 fertig gestellt wurde, stunden die Lieferanten bis heute – also ca. drei Jahre (!). Wenige Lieferanten auf dieser Welt stunden ihren Kunden – so ganz ohne Sicherheiten erhalten zu haben – fast die Hälfte des vereinbarten Preises über drei Jahre ohne Gegenleistung. Es stellt sich fernerhin die Frage, ob für den Kredit ein Zins vereinbart wurde. Würde er nur 8 % p.a. betragen, so würden Zins und Tilgung nach drei Jahren über 125 % des ursprünglichen Darlehensbetrages ausmachen. Dies wären dann per dato ca. 1,4 Mio. US $.
Weiterhin ist offen, ob die 2. Boll Fondsgesellschaft mit einem Kredit von mindestens 1,1 Mio. US $ (bei Verzinsung weit höher, s.o.) und ohne absehbare Einnahmen nicht eventuell bilanziell überschuldet sein könnte. Dass zudem noch einmal 1,1 Mio. US $ in absehbarer Zeit mit dem Film zu erlösen sein werden, ist nach Meinung von Branchenkennern nicht glaubhaft. Ein Hinweis, der Aufschluss über die Art des „Lieferantenkredites“ geben könnte, ergibt sich aus der der Redaktion überlassenen Erlöstabelle „United States/Canada“. Es ist hier die weitaus größte einzelne Einnahme, nämlich 1,2 Mio. US $ als „Beteiligung gegen 50 % - 2. Rang“, aufgelistet. Es hat also irgend jemand eine Beteiligung von 50 % an den Erlösen aus USA/Kanada (oder mehr) gekauft. Dies obwohl die erste Verkaufsrunde in den USA die Rechte für Pay-TV und Home Video für 10 Jahre lizenziert ist. Die entsprechenden Free-TV Rechte wurden (für eine nicht genannte Lizenzzeit) für US $ 450.000 lizenziert. Eine zweite Lizenzierung wird, nach Auslaufen der Erstlizenz, etwa 75 % dieser Summe, also mithin noch US $ 300.000, einbringen. Davon erhält der „Käufer“ US $ 150.000. Es ist offensichtlich, dass der Kauf dieser Beteiligung ein Verlustgeschäft sein wird. Aber warum macht man dies dann? Es wäre also interessant zu wissen, warum – und vor allen Dingen mit wem – dieses Geschäft abgeschlossen wurde. Und: 1,2 Mio. US $, abzüglich 5 % Vertriebskommission und 1 % „Sonstiges“ sind ca. 1,13 Mio. US $. Dies ist ziemlich genau die Summe, die als „Lieferantenkredite“ ausgewiesen zur Ausschüttung kam (das waren ca. 1,1 Mio. US $). Diese Übereinstimmung kann Zufall sein, sie stimmt jedoch nachdenklich.

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