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Datum: 08.08.2011

„Weltwirtschaft im Absturz, Kurse brechen ein – was bringt die Zukunft?“

Jürgen KohlmannJürgen KohlmannAnsicht vergrößern

Die Negativschlagzeilen reißen nicht ab. Der amerikanische Börsenindex Dow Jones ist mit rund zwei Prozent im Minus gestartet. Weltweit sind die Anleger verunsichert - guter Rat ist in dieser Situation teuer. finanzwelt befragte Jürgen Kohlmann, Geschäftsführer der Eurotax GmbH in Karlstadt.

finanzwelt: Sollten sich Anleger nach der Abstufung der amerikanischen Bonität auf eine weitere unsichere und turbulente Woche an den Finanzmärkten einstellen?

Jürgen Kohlmann: Ja – und nicht nur auf eine, sondern eher auf mehrere Wochen. Die große Verunsicherung war ja schon in der vergangenen Woche VOR dem downgrade im Markt mit herben Verlusten an den Aktienmärkten da. Dennoch ist die Herabstufung der USA – wenn auch nicht unerwartet – ein historisches Ereignis.

 

finanzwelt: Die Aktienmärkte kennen aktuell nur eine Richtung – nach unten. Sind die Negativschlagzeilen eingepreist; wo befinden sich Unterstützungslinien (DAX, Dow Jones) und was würden Sie derzeit Investoren raten?

Jürgen Kohlmann: Fundamental scheinen viele Aktien mittlerweile sehr günstig bewertet – insbesondere wenn man sie mit den Renditen von Staatsanleihen vergleicht. Dies gilt aber nur mit den „alten“ Gewinn – und Konjunkturschätzungen. Sollten Staaten – was sie eigentlich müssen – Ernst machen mit ihren rigiden Sparprogrammen, so geht dies nicht spurlos an den Gewinnen der Unternehmen und der Entwicklung der Weltwirtschaft vorüber. Dann müssen viele Bewertungen neu überdacht werden.

Technisch gesehen und von der Marktstimmung her sind die Märkte verständlicherweise in einem desolaten Zustand – hier ist quasi „the  negative trend not your friend“. In einer solchen Phase sind erfahrungsgemäß Unterstützungslinien, die täglich nach unten angepasst werden müssen, nicht viel wert und daher für uns nicht relevant. Deshalb werden wir uns mit einer Erhöhung von Risikopositionen jedweder Art – und Aktien werden momentan als sehr riskant wahrgenommen – zurückhalten und auf eine Beruhigung der Märkte warten, um dann wieder sukzessive Positionen in wenig konjunktursensible Qualitätsunternehmen mit großer Preismacht aufzubauen.

 

finanzwelt: Welche Maßnahmen müssten ergriffen werden, um die Märkte zu beruhigen?

Jürgen Kohlmann: Es muss vor allem das Vertrauen wieder hergestellt werden. Hier sind Politik und Notenbanken gefragt, geschlossen und entschlossen aufzutreten und glaubwürdig die Probleme zügig anzugehen – und die Verschuldung in den westlichen Industrienationen zu senken. Das „Herumeiern“ und Taktieren der Politiker muss, zumindest wenn es die Finanzmärkte betrifft, aufhören – das kann sich die Welt einfach nicht leisten.

 

finanzwelt: Welche Anlagestrategie würden sie aktuell (kurz- bis mittelfristig) verfolgen? Gibt es noch vergleichsweise „sichere“ Märkte?

Jürgen Kohlmann: Aktuell ist neben einer vernünftigen und intelligenten Streuung der Gelder (die jederzeit erfolgen sollte) eine eher defensive Haltung mit einer höheren Cashquote zu Lasten von Risikopositionen wie Aktien und Rohstoffe vernünftig. Mit diesem Cash können dann auch die Kaufgelegenheiten, die sich nach einer allgemeinen Beruhigung ergeben werden, aktiv genutzt werden. Daneben sind momentan „safe havens“ wie Gold und deutsche Staatsanleihen übergewichtet. Bei den Alternative Investments versprechen Volatilitätsstrategien attraktive Erträge.

Der Schweizer Franken ist als sicherer Hafen eindeutig überbewertet und damit eher riskant als sicher – zumal die laufende Verzinsung dort faktisch bei null ist. Für sich genommen ist eigentlich keine einzelne Anlageklasse „sicher“ – es sollte immer eine intelligent, aber auch flexible Streuung über alle Anlageklassen stattfinden – aber das ist ein Credo, dem die eurotax nicht erst seit dieser Krise , sondern schon immer gefolgt ist. 

 

Das Interview führte Alexander Heftrich


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