Interview mit Dirk Germandi
„Wir produzieren doch keine Streichhölzer!“
Dirk GermandiDie konventionell erworbene Wohnimmobilie, besonders wenn Denkmalschutz- oder Sanierungsmöglichkeiten Steuervorteile bieten, ist auf der Gewinnerseite der derzeitigen Neuausrichtung der Anlegermärkte. Aber es gibt nicht nur Sonnenschein-Objekte. finanzwelt diskutiert mit einem Insider.
finanzwelt: Wohnimmobilien sind derzeit nachgefragt. Das muss bedeuten, dass es Ihnen richtig gut geht.
Germandi: Es geht uns sehr gut, aber es gibt immer viel zu verbessern.
finanzwelt: Wo liegen die Probleme?
Germandi: Es fehlt in unserem Marktsegment der Sanierungs- und Denkmalschutzimmobilien noch ein großes Stück an Transparenz. Anlegern wird einfach oftmals zu viel Fassade vorgegaukelt.
finanzwelt: Das wäre?
Germandi: Die Relation Qualität zum Kaufpreis stimmt oft nicht. Ob der Käufer überall einen fairen Gegenwert des Kaufpreises seiner Wohnung erhält, ist nachzufragen. Die Investoren sollten kritischer mit den Angeboten sein. Der Preis pro Quadratmeter wird auf Grund einer Baubeschreibung hingenommen, die Bauqualität aber im Detail nicht geprüft. Einige große Vertriebe, besonders der AWD, haben das Problem schon seit langem erkannt und nehmen die Kostenrechnung und die Objektqualität des Bauträgers formvollendet auseinander. Dieser muss sich regelrecht „röntgen“ lassen. 15 oder sogar 18 % Innenprovision, was oft von „Geisterfahrern“ in der Vertriebslandschaft verlangt wird, das kann und darf nicht sein. Anleger sollten hier genauestens nachfragen.
finanzwelt: Wie soll das gehen? Wie soll ein Anleger das nachprüfen?
Germandi: Der TÜV hat Standards und Tabellen entwickelt. Dessen Bauqualitätschecklisten – auch die, die der Verband der privaten Wohnungsbauunternehmen herausgibt – sollte der Investor anwenden. Denn wer wendet schon ein lückenloses Baucontrolling auf seinen Baustellen wirklich an? Unser Produkt ist kompliziert, wir produzieren doch keine Streichhölzer. Der Anleger sollte nachfragen. Auch hier ist der AWD wieder ein sehr positives Beispiel. Große Anlagegesellschaften, die jahrelang die Immobilie als Kapitalanlage verkaufen, haben den Trend erkannt und ziehen hier nach. Doch was bitte machen die vielen so genannten „freien“ Vermittler? Ich fürchte, leider wenig bis nichts ...
finanzwelt: Können Anleger wirklich nachprüfen? Wie funktioniert das in der Praxis?
Germandi: Wer will, kriegt das hin. Bei Denkmal- und Sanierungsprojekten können unglaublich viele Fehler gemacht, aber auch vermieden werden. Gründlich anschauen, den Markt vor Ort prüfen und die Partner unter die Lupe nehmen – Stichwort: Kundenzufriedenheit! Es reicht nicht, sich mit einer S-Klasse vom Bauträger/Vertriebspartner zum Objekt kutschieren zu lassen und das Verwöhn-Rahmenprogramm am Abend auszukosten. Hier geht es nicht nur darum, Steuern zu sparen, sondern die eigene Zukunft abzusichern!
finanzwelt: Was sagen uns Leistungsbilanzen, wenn Anlageentscheidungen anstehen?
Germandi: Nur Basiswissen. Die Objekt-und Standortprüfung ist durch nichts zu ersetzen.
finanzwelt: Reden wir über Standorte! Leipzig, Dresden, Berlin und viele kleinere Städte sind derzeit im Angebot von Bauträgern und Vertrieben.
Germandi: Leipzig ist exzellent, aber total überfüttert mit „Stangenwaren“-Angeboten, die oftmals keine echte Zukunft haben. Dresden beurteile ich etwas besser. Berlin zeigt eine positive Sondersituation, weil eine hohe Zuwanderung in die Stadtmitte zu beobachten ist. Wichtig zu wissen ist aber, dass an allen Standorten attraktive Einzelobjekte durchaus möglich sind. Aufpassen heißt das Stichwort. Im Grundsatz heißt es: Es sind viel zu viel unterdurchschnittliche Objekte, teilweise auch sehr zweifelhafte Angebote, auf dem Markt.
(Das Gespräch führte Dieter E. Jansen)







