Hauptnavigation & Suche:

Unternavigation:


Zurück zur Übersicht

Goldman Sachs

„Wir wollen unter die Top 5“

© Foto: artSILENSEcom - fotolia.com

Nicht zuletzt angestoßen durch die Finanzmarktkrise orientieren sich die Anbieter im europäischen Asset Management neu. Es gilt, neue Märkte und Geschäftsfelder zu erschließen, und dabei rückt der deutsche Markt zunehmend in den Fokus.

Die Asset Management Tochter der US-Investmentbank Goldman Sachs – die GSAM – hat sich viel vorgenommen. „Wir wollen unter die Top 5 unter den ausländischen Gesellschaften im deutschen Markt“, nennt Executive Director Alessandro Reggi das ambitionierte Ziel beim Namen. Nimmt man dazu die Zahlen des Branchenverbandes BVI als Maßstab, wollen die Asset Manager von Goldman Sachs vom Frankfurter Messeturm aus in den nächsten Jahren mindestens 4 Mrd. Euro im Retailgeschäft einsammeln (s. Tabelle).

Die bisher traditionell auf institutionelle Kunden orientierten Investmentbanker wollen jetzt massiv in das Geschäft mit den privaten Haushalten einsteigen. Das wollen sie allerdings nicht auf eigene Faust tun, sondern mithilfe von Kooperationspartnern, die bereits im deutschen Markt etabliert sind. Anders würde es wohl auch kaum gehen, die großen Anbieter stützen sich in aller Regel auf ein Netzt von Bankfilialen als wichtigsten Vertriebskanal. „Wir werden keinen Online- oder Direktvertrieb starten“, stellt Reggi klar, denn GSAM wolle nicht in Konkurrenz zu den etablierten Vertriebsstrukturen treten. Als Kooperationspartner im deutschen Markt kommen sowohl etablierte Banken als auch freie Vertriebe infrage.

Goldman Sachs AM kann den Partnern schließlich ein ziemlich starkes Produktportfolio anbieten mit 75 in Deutschland und Österreich zugelassenen Fonds, das auf der unbestrittenen Kapitalmarkt- Kompetenz einer der weltweit renommiertesten Investmentbanken aufsetzt. Genau darin dürften auch die Chancen für GSAM und andere Anbieter aus dem angelsächsischen Bereich liegen: Das Geldvermögen der privaten Haushalte ist traditionell sehr versicherungslastig angelegt, die kapitalbildende Lebensversicherung gilt bei vielen immer noch als das naheliegendste Instrument. Ablesbar ist diese Haltung nach wie vor sehr deutlich in der Geldvermögensrechnung der Bundesbank, derzufolge sich die Versicherungsansprüche auf 27 % des Vermögens belaufen, während die Investmentzertifikate lediglich auf knapp 11,5 % kommen. Und die Änderungsrechnung fällt – nicht zuletzt wohl durch die Krise bedingt – zulasten der Investmentfondsanteile aus, während die Versicherungen stetig weiter wachsen. Ein professionell gemanagtes Investment hat in diesem Umfeld seine Chancen, wenn es als erkennbar kompetentes Risikomanagement beim Kunden ankommt. Und das ist letzten Endes genau einer der Trümpfe, die GS wohl ausspielen kann: Große Erfahrung und nachgewiesene Erfolge im Management riskanter Anlagen. GSAM wird daher auch ganz konsequent den Schwerpunkt auf aktiv gemangte Fonds legen. Als Investmentstory bietet sich nach wie vor der Bereich Emerging Markets an, vor allem auch die nicht zufällig von GS-Chefvolkswirt Jim O’Neill erfundenen BRICs.

Die Vertriebspartner können mit einem umfangreichen Support rechnen, gerade was die Pflege der Beratungskompetenz und des Niveaus angeht. Daher werden die Vertriebssteuerer bei GSAM auch ein entsprechendes Schulungsangebot machen, um die hochwertigen Produkte unter der GS-Marke auch sachgerecht an den Anleger zu bringen. Das GSAM-Team wird sich allerdings die Vertriebspartner für den deutschen Markt genau ansehen, wie man im Messeturm versichert. Das sei schon eine Frage des Risikomanagements in eigener Sache.

An dieser Stelle ist eine kleine Spekulation gestattet: Sollten sich diese Pläne zur Zufriedenheit der GSAM-Leute entwickeln, ist es wohl nur eine Frage der Zeit, bis über die aufgebaute Struktur auch „alternative Investments“ mit der GS-Marke an die deutschen Anleger vertrieben werden. Im Hause Goldman Sachs ist zweifelsfrei genügend Sachverstand vorhanden, um Beteiligungsmodelle für den deutschen Markt zu strukturieren. Und dass GS auch über hinreichende Zugriffsmöglichkeiten auf entsprechend nutzbare Projekte verfügt, wird wohl niemand mit Branchenkenntnis ernsthaft bestreiten. Sollte der Start klappen wie erhofft, dürfte das Markenzeichen GS (offen oder indirekt) auch in der Marktstatistik der Beteiligungsmodelle von Feri auftauchen. Und die GSAM wird dabei kaum weniger ehrgeizige Ziele verfolgen als im Investmentmarkt.

Goldman Sachs ist mit seinen Expansionsplänen auf den deutschen Markt freilich nicht allein, auch andere streben nach den Vermögen und Ersparnissen der Bundesbürger. So geht die britische Branchenorganisation, die UK Asset Management Working Group, davon aus, dass die Investmentfirmen der City den kontinentaleuropäischen Konkurrenten in Bezug auf das Verhältnis von Kosten zu Leistungen klar überlegen sind, weil sie Größenvorteile ausspielen können. Dieses Argument, so meinen die Londoner Strategen, sollte auch gegenüber privaten Anlegern schlagkräftig sein. Die Strategie zur Vergrößerung des Londoner Marktanteils wird daher in die Richtung laufen, die privaten Kunden zu wesentlich erhöhter Wachsamkeit aufzurufen. Zudem können sich die Londoner Asset Management-Firmen auf umfangreiche Erfahrungen mit deutschen Kunden berufen. Die deutschen Sparkassen lassen bspw. einen erheblichen Anteil ihres Asset-Management über London laufen.

Im europäischen Geschäft dominiert unverändert Großbritannien dank des Gewichts der Londoner City mit einem Marktanteil von 34 % vor Frankreich mit 21 % und der Schweiz/Liechtenstein mit knapp 20 %. Die deutschen Anbieter spielen mit 11 % Marktanteil ebenso eine Nebenrolle wie Italien mit 6 %, Belgien und die Niederlande mit jeweils rund 4 %.

(Martin Klingsporn)


Zusatz-Informationen:

Aktuelle Ausgabe

Aktuelle Ausgabe

finanzwelt für unterwegs: Die neue finanzwelt-App bringt Ihnen die wichtigsten News des Tages auf Ihr Handy.

finanzwelt-App

finanzwelt.tv

Film: Alle Filme ansehen

Abo-Bestellung

Bestellen Sie die nächste Ausgabe der finanzwelt.

Jetzt abonnieren

Newsletter

Abonnieren Sie ab jetzt unseren kostenlosen finanzwelt-Newsletter.

Newsletter abonnieren

Fußzeile: