Krise bei Pharma – Chance für Biotech?
„Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie...“
Es gab eine Zeit, da wurde ein Investment im Gesundheitsbereich hauptsächlich mit einem Investment in Pharmawerte assoziiert. Doch Pharmawerte machten in jüngster Vergangenheit hauptsächlich negative Schlagzeilen. Und das hatte mehrere Ursachen. FINANZWELT sprach dazu mit Dr. Michael Fischer, Geschäftsführer von Medical Strategy.
Ursachen wie die Tatsache, dass 2004 bei vielen Pharmaunternehmen die Patente ausliefen - bei einem Patentablauf kann ein Produkt innerhalb von sechs Monaten 80 Prozent seines Umsatzes verlieren – und es zu wenige Produkte in den jeweiligen Pipelines gab, die diese Lücken hätten schließen können. Eine Entwicklung, die sich 2005 auch fortsetzen dürfte. Zudem verunsicherten unerwartete Nebenwirkungsmeldungen bei Blockbusterprodukten die Investoren. So zeigte eine Studie von Pfizer für das Arthritismittel Celebrex ein erhöhtes Herzinfarktrisiko, Merck hat sein Medikament Vioxx vom Markt genommen und muss nach Expertenmeinung Rücklagen von mindestens 18 Milliarden Dollar bilden, um die Schadensersatzforderungen im Falle Vioxx begleichen zu können. Zudem stehen 2005 bei mehreren Pharmaprodukten Entscheidungen zu Patentanfechtungsklagen seitens einiger Generikafirmen, einer immer größer werdenden Konkurrenz der Pharmaunternehmen, an – unter anderem Zyprexa von EliLilly, Lipitor von Pfizer und Plavix von Sanofi/BristalMyerSquibb. Entscheidungen, die die Kurse einiger Pharmawerte ziemlich drücken könnten.Gibt es Alternativen? „Auf jeden Fall,“ sagt Dr. Michael Fischer, Geschäftsführer von Medical Strategy. Seine Alternative: Biotechnologieunternehmen.
Dr. Michael Fischer und sein Team von Medical Strategys betreuen rund 142 Millionen Euro und beraten derzeit zwei Fonds: den Medical BioHe@lth-Trends und den H&A Lux VCH Expert Biotech. Diese beiden Fonds beraten sie so gut, dass sie von der Sauren-Fonds-Research in Köln für ihre Leistungen mit der höchsten Auszeichnung – drei Goldmedaillen – geehrt wurden. Dr. Michael Fischer kann auf eine lange Expertise zurückschauen, die er auch schon als Berater von Fonds wie dem Lacuna Apo BioTech Subfund, dem Zürich Invest BioScience, dem Franken Invest BioMedical und Teile des Zürich Invest LifeScience und dem Pharma/wHEALTH von Oppenheim unter Beweis stellte.
FINANZWELT: Herr Dr. Fischer, warum favorisieren Sie derzeit Biotechnologie- und nicht Pharmaunternehmen?
Fischer: Die Bewertung von Pharmaaktien ist aktuell zwar auf ein attraktives Niveau gefallen, dennoch erscheint der Sektor, aufgrund der bekannten Risiken, noch kein Kauf zu sein. Anders sieht die Situation bei Biotechnologieunternehmen aus. Die Biotechindustrie untermauerte durch die Einführung von potenziellen Blockbustern, wie beispielsweise Avastin von Genentech (Darmkrebs), Tarceva von OSI Pharma (Lungenkrebs) und Tysabri von Elan/Biogen IDEC (multiple Sklerose), sowie positiven Nachrichten aus einer Reihe von klinischen Studien ihren Anspruch, den Pharmasektor als zukunftsweisenden therapeutischen Bereich abzulösen.
FINANZWELT: Welche Bereiche interessieren Sie besonders?
Fischer: Die großen Biotechnologieunternehmen haben weiterhin die Chance, deutlich höhere Wachstumsraten als die Pharmaunternehmen zu generieren, jedoch sind deren Bewertungsniveaus zum Teil schon sehr ambitioniert. Deswegen konzentrieren wir uns auf die Gruppe der kleinen und mittelgroßen Firmen mit innovativen Produkten in der frühen Markteinführung, der Zulassung bzw. in späten klinischen Prüfungsphasen. In diesem Bereich lassen sich weiterhin günstig bewertete Aktien finden. Zudem interessieren uns überdurchschnittlich wachsende Firmen aus den Bereichen Medizintechnik, Emerging Pharma, Gesundheitsinformationstechnologie und Verabreichungstechnik für Arzneimittel sowie rationale Arzneimittelentwicklung. Nehmen Sie zum Beispiel den Bereich Medizintechnik. Dieser ist für uns auch deswegen so interessant, weil er nicht von der Patentproblematik tangiert wird, und sich hier Innovationen schneller als im Medikamentenbereich vollziehen und damit bessere technische Verfahren die alten schnell vom Markt verdrängen.
FINANZWELT: Welche Anforderungen müssen die einzelnen Unternehmen erfüllen, um ins Portfolio zu gelangen?
Fischer: Dazu analysieren wir eine Reihe von quantitativen wie auch qualitativen Faktoren. Dazu zählen beispielsweise der Ablauf und Stand der klinischen Prüfphasen, Zeitraum der Markteinführung, Patentabsicherung und Konkurrenzsituation, Finanzierungsstruktur und vieles mehr. Am Ende dieses Schrittes stehen uns dann um die 200 Unternehmen mit viel versprechenden Produkten zur Verfügung. Die Entscheidung, ob eine Investition getätigt wird, hängt jedoch letztlich von der Bewertung des Unternehmens ab. Diese stützt sich in der Regel auf den Umsatz, welches das Produkt im zweiten und im dritten Jahr nach Markteinführung, wenn der Markt zu etwa 60 bis 80 Prozent erschlossen ist, erreichen wird. Dieser prognostizierte Umsatz wird dann mit einem branchenspezifischen Faktor multipliziert und mit der momentanen Börsenbewertung des Unternehmens verglichen. Nur wenn sich ein ausreichendes Kurspotenzial ergibt, kommt das Unternehmen für eine Investition in Frage. Das Anlageuniversum ist prinzipiell global ausgerichtet, wobei Aktien von US-Unternehmen eine dominierende Stellung einnehmen, da die Mehrzahl von qualitativ hochstehenden Unternehmen mit fortgeschrittenen Produkten in den USA zu finden ist.
FINANZWELT: Sie beraten derzeit zwei Fonds, den Medical BioHe@lth-Trends und den H&A Lux VCH Expert Biotech. Wo liegen die Unterschiede bei beiden Fonds?
Fischer: Im Portfolio des Medical BioHe@lth-Trends ist die Gewichtung der einzelnen Anlagesegmente aus dem Gesundheitsbereich vollkommen variabel, ohne vorgegebene Mindest- oder Höchstgewichtung und wird allein durch die Attraktivität und die Entwicklung des einzelnen Unternehmen bestimmt. Das Portfolio des H&A Lux VCH Expert Biotech besteht dagegen hauptsächlich aus Biotechnologieunternehmen – ergänzt durch einen kleineren Teil von Werten aus dem Emerging Pharma- und Medtech-Bereich - und wird durch das VCH-Insider-Rating-System unterstützt. Mit dem VCH-Insider-Rating-System können durch quantitative Auswertungen der öffentlich verfügbaren Informationen über Insider-Transaktionen, die erfolgreichen Insider herausgefiltert werden. Ein weiterer Unterschied zwischen den beiden Fonds besteht darin, dass der des H&A Lux VCH Expert Biotech vollständig gegen Wechselkursschwankungen des US-Dollar gegenüber dem Euro abgesichert ist, der Medical BioHe@lth-Trends jedoch nicht.
FINANZWELT: Trotz aller Chancen, die Biotechnologie hatte auch schon schwere Zeiten hinter sich. Vor allem 2002 war ein katastrophales Jahr. Wo liegen die Risiken in diesem Bereich?
Fischer: Ein grundsätzliches Problem des Biotechnologiesektors ist die Stimmung im Markt, die schwer vorauszusagen ist und von Euphorie bis hin zur Lethargie schwanken kann. Nichts desto trotz werden innovative Medikamente, Produkte und Dienstleistungen im Gesundheitssystem weiterhin ihre Zukunft haben. Unsere primäre Aufgabe sehen wir deshalb darin, Unternehmen zu identifizieren, die spannende Produkte entwickeln, deren Wert vom Markt noch nicht erkannt wurde. Da wir eine sehr differenzierte Entwicklung der Unternehmen, jeweils in Abhängigkeit von den einzelnen Fortschritten, erwarten, wird ein erfolgreiches Stockpicking, wie schon in den Vorjahren, für den Erfolg entscheidend sein.
(Michael Lennert)







