Functional Food – der Natur ein Schnäppchen schlagen?
… Fitfood – Fastfood – Brainfood – Sportfood – Fatfood – Lessfood –
Unter Functional Foods versteht man Lebensmittel, die eine bessere funktionale Wirkung haben als das ursprüngliche Naturprodukt. Diese Lebensmittel müssen nachweislich eine Wirkung ausüben, die auf einen verbesserten Gesundheitszustand des Verbrauchers abzielt bzw. dazu beiträgt, das Risiko einer Krankheit zu vermindern.
Dabei kann der gesundheitliche Aspekt ganz unterschiedlich sein, je nachdem, ob man zu Aufputschmitteln oder zum Entspannungselexier greift, ob eine Cholesterinsenkung oder eine Immunstärkung angestrebt wird. Functional Foods sind dabei weder Wundermittel noch können sie Krankheiten heilen. Ihre Funktion liegt darin, einen zusätzlichen Beitrag zur Gesundheit zu leisten. Wenn wir zu diesen Produkten im Lebensmittelregal greifen, erhoffen wir uns zwar oft, unsere ungesunden Lebens- und Essgewohnheiten dadurch ausgleichen zu können. Diese Rechnung geht allerdings nicht auf. Functional Foods sind allenfalls gesundheitsfördernde bzw. unterstützende Zusätze aber kein Ersatz dafür, dass wir unsere Gesundheit vernachlässigen.- Nachzügler Europa
In China und Japan war man uns Europäern weit voraus, wenn es darum ging, Speisen zuzubereiten, die gegen Krankheiten helfen bzw. bestimmte Körperfunktionen fördern. Aber auch indianische Medizinmänner, Schamanen und Kräuterhexen wussten um die positive Wirkung von Pflanzen und ihren heilenden wie auch schädigenden Kräfte. Die altbekannte Hühnersuppe bei Erkältungen ist übrigens nichts anderes als ein funktionelles Lebensmittel. Ebenso das Sauerkraut, das Matrosen auf ihren langen Fahrten über die Meere vor Mattigkeit, Muskelschwäche und Zahnfleischbluten schützte. Die Seefahrer gehörten wohl mit zu den ersten Europäern, die erkannten, dass Essen nicht nur Genuss und Sättigung bedeutet, sondern auch der Gesundheit dient. Die gefürchtete Vitamin-C-Mangelkrankheit Skorbut verschwand dank des mitgeführten Sauerkrauts an Bord, das im Gegensatz zu den meisten Lebensmitteln in der Lage ist, Vitamin C zu speichern.
Erster Vorreiter der Functional Foods in Deutschland war Ende der 50er Jahre ein Orangensaft, der als „Hohes C“ auf den Markt kam. Seit Anfang der 80er Jahre sind bei uns Produkte auf dem Markt, die speziell mit Jod oder Vitaminen angereichert sind. Der große Durchbruch kam mit den probiotischen Milchprodukten im Jahr 1995. Eigens gezüchtete Bakterienstämme, die auf die Darmflora einwirken und unter anderem auch die Abwehrkräfte im Körper stärken, waren die wahren Wegbereiter der Functional Foods. Beinahe zeitgleich zog die Getränkeindustrie mit den ACE-Getränken nach. Die Vitamine C und E sollen ebenso wie das Betacarotin (die Vorstufe des Vitamin A) die Abwehrkräfte des Körpers stärken und die schädlichen freien Radikale des Sauerstoffs unterdrücken.
- Neue alte Stoffe für die Gesundheit
Antioxidanzien wirken gegen freie Radikale. Das sind aggressive Sauerstoffatome, die beim Stoffwechsel in Körperzellen entstehen und unser Erbgut schädigen, schützende Zellmembranen angreifen und lebenswichtige Enzymstrukturen verändern können. Je mehr Antioxidanzien in Form von Vitamin A, C und E sowie dem Mineralstoff Selen verfügbar sind, desto schneller wird die zerstörerische Arbeit der freien Radikale unterbunden.
Sekundäre Pflanzenstoffe hemmen in unserem Körper das Wachstum von Bakterien und Pilzen, halten das Blut flüssig und schützen ebenfalls vor den freien Radikalen. Durch diese Eigenschaften stärken sie das Immunsystem, wirken sich positiv auf Blutdruck, Cholesterin und Blutzucker aus und können sogar der Entwicklung von Krebs vorbeugen.
Aus dem Griechischen pro bios leitet sich „Probiotioka“ ab. Übersetzt heißt es „für das Leben“. Probiotische Lebensmittel enthalten spezielle, äußerst widerstandsfähige Mikroorganismen, die lebend in die Darmflora gelangen, diese günstig beeinflussen und damit unsere natürliche Immunreaktion stärken. Dickmilch, Joghurt und Sauerkraut enthalten bereits einen hohen Anteil natürlicher Probiotika. Um die positiven Eigenschaften der Probiotika für sich verbuchen zu können, müssen diese allerdings regelmäßig und über einen längeren Zeitraum verzehrt werden.
Prebiotika beeinflussen unseren Darm ähnlich wie Probiotika, sie haben jedoch eine unterschiedliche Wirkungsweise. Prebiotika enthalten bestimmte Ballaststoffe (Inulin, Oligofruktose), die genauso wie die Ballaststoffe in Gemüse, Obst, Hülsenfrüchten und Vollkornprodukten im Magen aufquellen und damit eine schnellere Sättigung herbeiführen. Durch die Volumenvergrößerung wird der Darm angeregt, seinen Inhalt schneller weiter zu befördern. Das bedeutet in der Regel das Aus für Verstopfung und Darmträgheit. Um unangenehme Nebenwirkungen zu vermeiden, sollte sich der Körper langsam an ballaststoffreiche Nahrung gewöhnen. Manche Menschen reagieren auf Ballaststoffe empfindlich mit Blähungen, Durchfall und Magenschmerzen.
Mittlerweile gibt es eine Vielzahl an Wirksubstanzen bei Functional Foods, beim Gang durch den Supermarkt hat man fast den Eindruck, dass es kaum noch „normale“ Lebensmittel gibt. Doch bei aller Vielfalt und Bequemlichkeit sollten wir eins nicht aus den Augen verlieren: Mit einer ausgewogenen Ernährung würden wir automatisch fit und gesund bleiben. Darum verstehen sich Functional Foods als Nahrungsergänzung, nicht als Nahrungsersatz.
(Dipl.oec.troph. Sabine Echterhoff)







