Alle Jahre wieder ...
… kommt die 30-Milliarden-Sau

finanzwelt ging einer Meldung des Bundesverbraucherschutzministeriums nach.
Pünktlich zum Ende des Jahres 2008 wurde wieder die allen Beobachtern der Finanzdienstleistungsbranche seit Jahren bekannte Sau durchs Dorf getrieben: „Bundesbürger verlieren 30 Mrd. Euro jährlich durch Falschberatung." Das behauptete in einer Pressemitteilung vom 22. Dezember 2008 das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz.
Was danach geschah, ist bekannt: Nahezu alle Medien - finanzwelt hat über 190 ermittelt - greifen diese Meldung auf und klagen unsere Branche entsprechend an. So heißt es bei der Süddeutschen Zeitung: „Verraten und verkauft: Die Deutschen verlieren pro Jahr zwischen 20 und 30 Mrd. Euro durch schlechte Finanzberatung."
„Schlechte Beratung bei Finanzprodukten." Auch der „Spiegel" übernahm die Meldung für einen seitenlangen Artikel unter der Überschrift „Die Vertrauensblase" in der Ausgabe Nr. 3 vom 12. Januar 2009. In keiner dieser Meldungen allerdings ist nachzulesen, wie sich denn die 30 Mrd. Euro zusammensetzen oder ob diese Information überhaupt korrekt ist. Hinterfragt wird diese Behauptung jedenfalls nirgendwo. finanzwelt allerdings wollte wissen: Wer wurde falsch beraten? Wer hat das Geld verloren? Welche Beratungsbereiche sind betroffen? Wer hat diesen Betrag gezahlt? Anleger, Unternehmen? Setzen sich die 30 Mrd. aus Kursschwankungen, entgangenen Renditen, pleite gegangenen Fonds oder anderen Anlageformen zusammen?
Das Ministerium verlangt strengere Auflagen für Kapitalanlagevermittler. In einer Studie, im Auftrag des Ministeriums, wird die Behauptung aufgestellt, dass „die Vermögensschäden aufgrund mängelbehafteter Finanzberatung ... entstanden sind". Hierbei berufen sich die Autoren der Studie wiederum auf eine Pressemitteilung der Universität Witten/Herdecke. Diese Pressemitteilung ist allerdings datiert vom 18. November 2005 und somit bereits über drei Jahre alt. Darin bezieht man sich auf ein Gutachten des Dozenten Dr. Michael Westendorf.
Westendorf, einziger öffentlich bestellter und vereidigter Gutachter und Finanzberater in Nordrhein-Westfalen mit Schwerpunkt Finanzierung, zeige in dem Gutachten auf, dass durch fehlerhafte Beratungsleistungen für Klienten in Deutschland Jahr für Jahr der zitierte Schaden entstanden ist. Keine Details, nichts.
In einem Telefonat mit finanzwelt teilte Matthias Kleine, Mitarbeiter von Dr. Westendorf beim IFQ Institut, mit, dass die genannte Summe aus unterschiedlichen Quellen resultieren würde, auf die Schnelle könne man dazu aber keine weiteren Angaben machen. Dies könne auch so zitiert werden. Für weitere Anfragen stünde Dr. Westendorf erst wieder nach seinem Urlaub Anfang Februar zur Verfügung. Aus unseren Recherchen in den vergangenen Jahren zu diesem Anlass wissen wir, dass auch der Autor dieser Studie eine zufriedenstellende Aufklärung, wie sich die 30 Mrd. Euro zusammensetzen, nicht liefern wird. finanzwelt bleibt aber am Ball.
(Dieter E. Jansen)







