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Neue Leute und neue Strukturen

Änderungen bei Ebertz & Partner

Herbert Ebertz zieht sich nach 30 Jahren aus dem aktiven Geschäft zurück, zusammen mit seinem langjährigen Partner Karl Bartels überlässt er das Initiatorengeschäft bei Dr. Ebertz und Partner (E&P) dem zwei Jahrzehnte jüngeren Dirk Iserlohe, der bisher schon als Partner dabei war und zukünftig als Sprecher der Geschäftsleitung das Kommando im Kölner Haus übernimmt. E&P kann mit rund 9 Mrd. Euro immer noch das größte platzierte Volumen aller deutschen Initiatoren vorweisen.

Die Firmengruppe Ebertz und Partner wird zukünftig von einer Holding (GmbH & Co. KG) gesteuert, deren Kapital zu 60 % bei Dirk Iserlohe und zu 40 % bei neu gewonnenen Investoren liegt, die allerdings im Kreis der Ebertz-Anleger rekrutiert wurden und nicht etwa aus dem Private Equity Geschäft stammen. Zweiter Mann und hauptsächlich für die Finanzen und die internen Abläufe verantwortlich ist Guido Riepe, der bisher bei der Deka im Fondsmanagement tätig war.
Gesteuert von der Holding sollen die Töchter das operative Geschäft abwickeln. Vorne steht die E&P Real Estate, die das Kern-Geschäftsfeld Immobilien und geschlossene Immobilienfonds beackert. Ihr sind zwei weitere Gesellschaften untergeordnet, die sich um die Entwicklung und das Management von Objekten kümmern. Daneben steht die SenVital, die Alten- und Pflegeheime managt.

Von besonderem Interesse sind die Dorint Hotels und Ressorts, die die verbleibenden Teile des Ebertz-Engagements in der Hotellerie bei der Dorint AG übernehmen. Herbert Ebertz (bzw. die alte E&P OHG) war Hauptaktionär der „alten“ Dorint AG, bis im Zuge größerer wirtschaftlicher Probleme der größten deutschen Hotelkette eine Partnerschaft mit dem französischen Hotelkonzern Accor eingegangen und bald darauf auch wieder gelöst wurde. Im Zuge dieser Trennung wurde der Hotelbestand aufgeteilt, der Ebertz (E&P) zufallende Anteil ist hier eingebracht. Damit bleibt zumindest bei diesem Teil der E&P-Einfluss als moderierender Faktor erhalten zwischen Hotelbetreibern und den E&PFonds, die die Häuser halten. Die Schwierigkeiten bei Dorint hatten, zumindest nach Einschätzung außenstehender Beobachter, in den letzten Jahren offenbar auf die Emissionstätigkeit bei E&P zurückgeschlagen, so dass Immobilienprojekte zunehmend an institutionelle Investoren statt via Fonds ans Publikum verkauft wurden. Dirk Iserlohe widersprach dieser Darstellung allerdings und betonte, dass E&P gerade auch in schwierigen Zeiten durchaus respektable Platzierungsergebnisse er z i e l t h a b e . Beide Geschäftsfelder hätten von Anfang an zum Geschäftsmodell bei E&P gehört. Die Abstützung des neuen Konzeptes auf private Anleger, statt der eigentlich näher liegenden Nutzung von Private Equity Fonds, scheiterte nach E&P-Angaben daran, dass diese institutionellen Investoren die Handlungsfreiheit der E&P-Strategen eingeschränkt hätten. Zum einen wäre bei dieser Variante die Kapitalmehrheit bei Externen gelandet, zum anderen hätte dieses Kapital nur zeitlich begrenzt zur Verfügung gestanden.

Derzeit managt E&P etwa 80 Fonds, die zusammen mit weiteren Immobilienprojekten ein Investitionsvolumen von 3 Mrd. Euro darstellen. Über die Hälfte davon sind Hotels, hinzu kommen zu etwa gleichen Teilen gewerbliche Objekte (Einzelhandel und Büro) sowie Pflegeeinrichtungen. Dieser Schwerpunkt bei den Management-Immobilien soll auch zukünftig erhalten bleiben.

Die neuen Köpfe werden auch bei E&P auf neue Wege führen, die unverwechselbare Handschrift von Herbert Ebertz wird verschwinden: Lange Zeit gab es bei E&P weder Prospekte noch Leistungsbilanzen im konventionellen Sinn. Stattdessen setzte Ebertz auf ein respektables, heute geradezu altväterlich wirkendes Instrument: Die unbeschränkte persönliche Haftung der Verantwortlichen. Von den bisher bei E&P aufgelegten über 140 Fonds und Private Placements ging doch auch keiner in die Insolvenz, obwohl sich E&P wie fast die gesamte Branche in der Euphorie der Wiedervereinigung Anfang der 90er Jahre in der Ex-DDR mit Fonds engagierte, die heute als Problemfälle gelten. Das schlechteste Ergebnis ist den vorliegenden Informationen zufolge ein kompletter Ausfall der Ausschüttungen, ein Totalverlust trat aber bis jetzt nicht ein.
Dabei wird es zumindest bei den bestehenden Fonds bleiben, Herbert Ebertz und Karl Bartels stehen als natürliche Komplementäre weiterhin mit ihrem Vermögen für die von ihnen aufgelegten Fonds ein. Für deren Anleger ändert sich nur insoweit etwas, als die Administration der Fonds durch E&P Real Estate verbessert wird, wie Iserlohe auf Anfrage bestätigte.

Ob das auch bei neuen Fonds so gehandhabt wird, ist offen. Iserlohe selbst haftet der Tradition folgend bei einer Reihe von Fonds persönlich und betonte auf Nachfrage: „Ich habe kein Problem damit, auch in Zukunft für unsere Fonds persönlich zu haften.“ Die Frage werde in der Ge schäftsführung entschieden.

Sicher ist aber, dass sich zumindest die Papiere zu den Fonds ändern werden: Obwohl die traditionell hohen Mindestzeichnungssummen E&P von der Prospektpflicht freistellen, sollen die Exposés zukünftig mindestens dem BAFin- Standard entsprechen, angestrebt wird aber nach Angaben Iserlohes, eine Prospektierung entsprechend dem Standard S4 des Instituts der Wirtschaftsprüfer zu liefern. Ergänzend soll es dazu auch Leistungsbilanzen geben, die die Anforderungen des DFI-Standards erfüllen, wie etwa mit den Vorgaben des Initiatorenverbandes VGF konkretisiert. Die unüblich hohen Mindestsummen der Beteiligungen sollen allerdings erhalten bleiben mit Beträgen in der Größenordnung um 200.000 bis 250.000 Euro. Mit dieser Vorgabe stellt E&P sicher, dass sich kaum je ein Kleinanleger mit mangelnder Risikotragfähigkeit in die Klientel verirrt. Damit wird den besonderen Risiken solcher Beteiligungsmodelle Rechnung getragen.

(Martin Klingsporn)


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