Chancen für den Anlagevertrieb?
Ökologische Beteiligungen
Geschlossene Fonds mit Windrädern, Solaranlagen, Biogas- und Biodieselproduktionen sowie Erdwärmenutzung (Geothermie) setzen sich bei Anlegern zunehmend durch und bieten somit Anlagevermittlern eine interessante Alternative. Doch der Biotrend hat auch seine Schattenseiten. So klagen denn seit Jahren viele Anleger in Windfonds über fehlende Ausschüttungen, es kommen Prospekte auf den Markt, die nach Meinung der Fondsanalysten Stefan Loipfinger oder Philip Nerb das Papier nicht wert sind, auf dem sie geschrieben wurden. In den kommenden Ausgaben wird FINANZWELT daher auf die einzelnen Beteiligungsmöglichkeiten eingehen. Den Anfang macht ein Beitrag über den politischen Hintergrund ökologischer Anlagen.
Jeder Tankstellenbesuch macht es deutlich: Eine Alternative zum Öl könnte nicht nur umweltpolitisch interessant sein, sondern gleichzeitig die Volkswirtschaften entlasten. So haben die immer neuen Ölpreisrekorde in den Jahren 2000 bis 2004 die Volkswirtschaften der Europäischen Union 400 Milliarden Dollar gekostet. Das rechnete der Wirtschaftswissenschaftler Shimon Awerbuch der britischen University of Sussex den Teilnehmern der Jahreskonferenz Erneuerbare Energien im Frühjahr diesen Jahres in Berlin vor.Dieser Betrag sei höher als die Ausgaben, um das EU-Ziel für Erneuerbare Energien für das Jahr 2020 zu erreichen. Es sieht vor, den Anteil von Wind-, Wasserkraft, Bio- und Solarenergie sowie Geothermie am EU-Energiemix auf 20 Prozent zu erhöhen. Bei einer dauerhaften Verdoppelung des Ölpreises geht Awerbuch zudem von ernsthaften Schäden für die Volkswirtschaften der Industrieländer aus. Alleine in Deutschland würde das Volkseinkommen bei einem Ölpreis jenseits von 100 Dollar je Barrel um mehr als 8 Prozent sinken – das entspricht einem Betrag von jährlich etwa 200 Milliarden Euro.
Hohe Investitionen in Erneuerbare Energien. Da kommt es gerade recht, dass die Erneuerbare-Energien-Wirtschaft vor drei Monaten ein Investitionspaket mit einem Umfang von 200 Milliarden Euro auflegte. Diese Summe wollen die mehr als 5.000 Unternehmen der Branche bis 2020 in Deutschland investieren. „Das ist 15 Mal mehr, als die gerade angekündigten Investitionen in neue Kohlekraftwerke – um nur ein Beispiel zu nennen", erklärt Johannes Lackmann, Präsident des Bundesverbandes Erneuerbare Energie. Es scheint also gar nicht abwegig, dass nach dem Boomjahr 2005 – immerhin flossen gemäß Loipfinger-Studie rund 430 Millionen Euro Eigenkapital in Fonds der Kategorie „Erneuerbare Energien“ – das von den Anbietern geschlossener Fonds avisierte Ziel von 300 Millionen Euro erreicht werden kann. Trotz des Wegfalls der letztmaligen Nutzung von Steuervorteilen. „Die Investitionen werden sich mehr als rechnen. Denn sie ersparen der deutschen Volkswirtschaft immer teurere und immer risikoreichere Energieimporte", erläutert Lackmann darüber hinaus.
So werden Jahr für Jahr Öl, Gas, Kohle und Uran im Wert von mehr als 50 Milliarden Euro nach Deutschland eingeführt – mit steigender Tendenz. Diese Rohstoffe sind damit einer der teuersten Posten auf der Liste aller Einfuhren nach Deutschland. „Ohne die Erneuerbaren Energien wäre die Rechnung der ausländischen Energielieferanten alleine 2005 um drei Milliarden Euro höher ausgefallen", sagt Lackmann. Bis 2020 will die Branche jährlich Energieimporte im Wert von 20 Milliarden Euro einsparen helfen. Allein 2,5 Milliarden Euro will WPD in den Ausbau der Offshore-Windenergie investieren. Notwendig dafür seien allerdings vernünftige Rahmenbedingungen, meint WPD-Vorstand Dr. Klaus Meier. „Für den Offshore-Bereich gibt es die politischen Vorgaben, aus Gründen des Naturschutzes nicht in küstennahen und flachen Gewässern zu bauen. Die heutigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen reichen jedoch nicht aus, um den dringend notwendigen Startschuss für die ersten Projekte in Nord- und Ostsee zu geben. Hier sind neue Initiativen nötig, um die führende Stellung der deutschen Windindustrie auch im Offshore-Bereich zu sichern."
Das scheint mehr Zukunftsmusik. Derzeit kämpfen die Anbieter von Windkraftanlagen in Fonds noch um mehr Anerkennung im Vertrieb und gegenüber den Anlegern. So erreichte nicht einmal die Hälfte der Angebote die prospektierten Zahlen, wie die Fondszeitung und das Analyseunternehmen Pro Compare auf der Basis der Leistungsbilanzen herausgearbeitet haben. Auch die Biokraftstoffindustrie hat ehrgeizige Ziele. Hier kommen derzeit die meisten Angebote neu auf den Markt (siehe Tabelle). Hinzu kommen mehrere Initiatoren, die sich intensiv mit dem Thema Geothermie beschäftigen. Es scheint, dass das Thema Ökologie zumindest eines geschafft hat: Die Akzeptanz als Investitionsmöglichkeit mit der Aussicht auf Ertrag. Vor diesem Hintergrund wird sich FINANZWELT in fortfolgenden Serien mit den einzelnen Produktgruppen beschäftigen und die Anbieter vorstellen.
Interview mit Klaus D. Müller, Initiator der BEV Biogas Fonds.
FINANZWELT: Warum ein Fonds mit Biogas?
Müller: Der Anteil an Biogas zur Stromerzeugung hat sich in den letzten Jahren verfünffacht. Das Erneuerbare Energien Gesetz gibt zudem die Sicherheit, dass der Ökostrom zu festen Preisen abgenommen werden muss. Hierdurch ist es möglich, Biogasanlagen wirtschaftlich zu betreiben.
FINANZWELT: Sie bieten bereits Ihren dritten Fonds an, haben dies aber recht unauffällig umgesetzt. Woran liegt das?
Müller: Zukunftsinvestitionen wie die in Biogas verlangen zunächst das nötige Verständnis für die Sinnhaftigkeit dieser Anlage. Hier ist noch viel Aufklärungsarbeit zu leisten. Ich möchte Ihnen aber widersprechen, dass wir „unauffällig“ geblieben sind. Für Anlageberater, die sich mit Biogasfonds beschäftigen, zählen die BEV Biogas Fonds schon als erste Adresse.
FINANZWELT: Bei Ihrem dritten Fonds bieten Sie eine Innovation und kommen dem Wusch nach kürzeren Laufzeit entgegen ...
Müller: Der BEV Biogas Fonds III bietet über eine Laufzeit von 21 Jahren einen kalkulierten Rückfluss von 331 Prozent auf das eingezahlte Kapital ohne Agio. Es besteht aber auch die Rückgabemöglichkeit der Fondsanteile im Rahmen eines Sonderkündigungsrechtes bereits nach zehn Betriebsjahren zu 95 Prozent des Nennbetrages. Dies soll Anlegern eine höhere Flexibilität garantieren.
FINANZWELT: Hat der Wegfall von Steuervorteilen Ihnen sehr geschadet?
Müller: Im Grund wurden diese doch nur umgelegt! Zwar gibt es keine anfänglichen Verluste mehr – dafür profitieren die Anleger unserer aktuellen BEV Beteiligung von steuerfreien Ausschüttungen in den ersten acht Jahren. Das ist doch auch ein großer Vorteil gegenüber vielen anderen Anlageformen.
(Michael Oehme)







