Der Ölpreis stieg im vergangenen Jahr fulminant
Ölige Angelegenheit
zur Freude aller Finanzberater, die ihren Kunden Energiefonds als Beimischung empfohlen haben.
Fundamentale Ungleichgewichte zwischen Angebot und Nachfrage, niedrige Lagerbestände, aber auch Streiks auf Bohrinseln, alte wenig produktive Ölfelder, Hurrikanes wie „Iwan” über den Ölfeldern vom Golf von Mexiko, die unsichere Lage in...
Was sind denn jetzt die Gründe? Schuld an allem sollen vor allem China, aber auch zunehmend Indien und deren Rohstoffhunger sein. Da ist sicher etwas dran. Doch es gibt noch weitere Gründe, die den Ölpreis in den vergangenen Monaten in die Höhe trieben. Die Organisation Erdöl exportierender Länder Opec tut sich immer schwerer, die steigende Nachfrage durch ein entsprechend steigendes Angebot zu befrieden. Mit dem Ergebnis, dass die überschüssigen Kapazitäten kontinuierlich schmelzen. „Nicht das Angebot, sondern vielmehr die Angst ist derzeit die treibende Kraft beim Ölpreis. Schätzungen gehen davon aus, dass ein Barrel Öl bei den gegenwärtigen Vorkommen etwas über 30 Dollar kosten sollte. Das bedeutet, die restlichen 20 bis 25 Dollar des Ölpreises ist Angstprämie”, sagt Paul Gorman, Rohölexperte bei Pioneer Investments. Mit dieser Angst konnte man im vergangenen Jahr gutes Geld verdienen. Gutes Geld, in dem man in etwa einem Teil seines Portfolios in Top-Energie--fonds wie dem Merrill Lynch World Energy Fund A2, dem Fortis L Fund-Equity Energy Europe oder dem INVESCO GT Energy Fund A investierte. Denn Wertzuwächse von 40,21, 37,25 und 35,67 Prozent auf Jahressicht können sich durchaus sehen lassen.
Alternative Energiefonds An einem hohen Ölpreis verdienen jedoch nicht nur Energiewerte, sondern auch die Anbieter von alternativen Energiekonzepten. „Alternative Energieformen werden in Zukunft vor allem von drei Trends beeinflusst - die Höhe der Ölund Gaspreise, Energiesicherheit und Umweltbewusstsein. Die aktuell hohen Preise für fossile Energieträger fördern vor allem Maßnahmen zur effizienteren Nutzung von Energie”, sagt Dieter Küffer, der Fondsmanager des SAM Smart Energy Fonds - sein Fonds konnte in den vergangenen sechs Monaten knapp 10 Prozent an Wert zulegen. Doch es ging noch besser. Der Merrill Lynch New Energy Fund A2 erzielte im gleichen Zeitraum sogar einen Gewinn von knapp 19 Prozent, beim Activest EcoTech C waren es noch knapp 15 Prozent.
Klaus Breil, der Fondsmanager des Adig NewPower Fonds ist der Auffassung, dass der Ölpreis deswegen so hoch sei, weil seit über 10 Jahren Investitionen ausgeblieben sind, die dringend notwendig gewesen wären, um eine bessere Angebots- und Nachfragesituation zu haben. „Sicherlich ist der Investitionszyklus bereits angelaufen, dennoch gehen wir davon aus, dass dieser noch Jahre dauert und auch bei einem niedrigeren Ölpreis als jetzt - wir rechnen mittelfristig mit einem Ölpreis von 45 Dollar – weiter investiert wird”, sagt er. Sein Fonds, der die gesamte Wertschöpfungskette moderner Energieformen und Energietechnologien abdeckt, investiert derzeit deswegen mit einem Anteil von 50 Prozent schwerpunktmäßig in den Energiesektor. Doch auch andere Sektoren wie die Solar- und Windenergie oder die Brennstoffzelle spielen eine Rolle. Der Adig NewPower legt derzeit etwa 8,5 Prozent seines Fondsvermögens in Unternehmen der Solarenergie, 4,5 Prozent in Windkraftunternehmen und drei Prozent in Brennstoffzellenentwickler an.
Doch Vorsicht! Alternative Energiefonds konnten zwar aufgrund des Ölpreisanstieges überdurchschnittliche Renditen erzielen, diese Fonds sind jedoch keineswegs risikoarm. Betrachtet man die 3-Jahres-Performance per anno, liegen alle Fonds im Minus. Der Merrill Lynch New Energy Fund verlor in diesem Zeitraum sogar jedes Jahr knapp 17 Prozent. Zudem sind Alternative Energiefonds im Durchschnitt volatiler und auch der durchschnittliche, auf sechs Monate bezogene maximale Verlust ist größer als bei reinen Energiefonds – in der Spitze waren es über 60 Prozent.
Aber das ist alles Schnee von gestern und erklärt nicht die Fragen von morgen: Fällt der Ölpreis wieder deutlich oder müssen wir in Zukunft generell mit höheren Ölpreisen rechnen? Bei diesen Fragen zeigen sich einige Experten überraschend positiv und begründen dies mit verschiedenen Argumenten. Robeco verweist auf eine wieder erstarkende Opec. „Wir sind der Meinung, dass die Opec die Preise wieder kontrollieren wird. Auf lange Sicht gehen wir davon aus, dass sich die Produktion der Nicht-Opec Länder stabilisieren, während sich die Produktion der Opec Länder, speziell im Mittleren Osten, stark erhöhen wird. Das könnte dazu führen, dass sich die Marktanteile der Opec an der Gesamtproduktion von aktuell 36 Prozent bis zum Jahr 2030 auf 53 Prozent erhöhen”, sagt Robeco Fondsmanager Hoozemans.
Also, erhöhtes Angebot, fallender Ölpreis? Craig Pennington, Global Energy Portfolio Manager bei Schroders sieht zudem eine Entwarnung von der Nachfrageseite, die in den kommenden Jahren einen rückläufigen Ölpreis zur Folge haben sollte. „Das US-Departement of Energy rechnet weiter mit einer sehr bullischen Entwicklung der Nachfrage und prognostiziert für die nächsten drei Jahre einen zusätzlichen Ölverbrauch von zwei Millionen Barrel pro Tag. Diese Ansicht teilen wir nicht. Wir meinen, dass sich das weltweite Nachfragewachstum abschwächen wird”, sagt er. Pennington bezieht sich bei seiner Aussage auf die auf Jahresbasis hochgerechnete Quartalsnachfrage, die mit 5,5 Prozent ihren Höhepunkt im zweiten Quartal des vergangenen Jahres hatte. Danach fiel sie auf 3,5 und 2,6 Prozent im ersten Quartal 2005. „Auch die im Januar und Februar in China hochgerechnete Nachfrage von lediglich 5,5 Prozent zeigt uns einen Rückgang”, erklärt der Fondsmanager weiter. Also, sinkende Nachfrage, sinkender Ölpreis?
Dennoch, trotz des Optimismus dieser Experten, haben sich wichtige Parameter wie steigende Produktionskosten oder die stetige Abnahme überschüssiger Kapazitäten im Vergleich zu früher geändert. Das hat dazu geführt, dass sich für einige Fachleute auch die Parameter in den Modellrechnungen, die die Bandbreite des Ölpreises prognostizieren, geändert haben. Diese Modellrechnungen unterlegen, dass Öl in den in den vergangenen 80 Jahren einen Swingfaktor von vier aufwies. Zur Erklärung: Der Ölpreis bewegte sich in den 80er und 90er Jahren zwischen einem Preis von 10 bis 40 US-Dollar, also mit einem Swingfaktor von vier. Im Moment spreche jedoch viel dafür, sagen diese Experten, dass sich das Preisband, bei gleichem Swingfaktor, von 10 auf 25 und damit von 40 auf 100 (25 mal 4) geändert hat. In diesem Band sollte sich dann der Ölpreis längerfristig bewegen, wobei die Höchstnotierungen von 100 US-Dollar exogene Schocks darstellen und keinesfalls die Regel sind.
Energiefonds können somit als Beimischung, nicht nur wegen der negativen Korrelation zu anderen Assetklassen durchaus sinnvoll sein. Man sollte jedoch nicht bei einem Ölpreis von 50 Dollar je Barrel einstiegen, sondern auf Korrekturen warten und langfristig orientiert sein.







