Ich führe, also bin ich!
Über die Rolle der Führungskraft in Krisenzeiten
Immer mehr und immer lauter wird zur Zeit der Ruf nach Lösungen, Veränderungen und klaren Zielen für die moderne, qualitätsorientierte Finanzdienstleistung.
Macher, Visionäre und Impulsgeber werden händeringend gesucht, um schnelle, effektive und dauerhafte Konzepte im Markt erfolgreich zu etablieren.
Führung, Führung, Führung – das ist es, was gesucht wird. Doch was ist die Aufgabe einer echten Führungskraft? Führen heißt nicht, antreten zum abkassieren, sondern Verantwortung übernehmen. In der gegenwärtigen vermeintlichen Rezession ist es wichtig, dass Führungskräfte mit fester Überzeugung und klarer Stimme nicht nur Missstände anprangern oder Visionen und Leitbilder aufzeigen, sondern zeigen, wie es geht. Reden ist Silber, Handeln ist Gold.
Bei ruhiger See wünschen sich alle einen Kapitän, der freundlich und vertrauensvoll an Deck die Hände schüttelt. Bei stürmischer See erwartet die Mannschaft, dass der Kapitän am Ruder steht und das Schiff durch die Gefahren hindurch in den sicheren Hafen steuert. Wenn alles gut läuft, ist straffe Führung überflüssig. Dann genügt ein ordentlicher Verwalter. Doch wenn es anfängt zu kriseln und die kleinen Kumuluswölkchen am Himmel sich bedrohlich zu dunklen Wolkenballen zusammenbrauen, gilt es, sich zu rüsten für den heraufziehenden Sturm. Dann ist es Aufgabe der Führungskraft, ihren Verkäufern Schutz vor Regen, Hagel und Wind zu bieten und ihnen Mut zu machen, dass die Sonne bald wieder scheinen wird – auch wenn der Himmel im Augenblick pechschwarz ist.
Mut kann nur derjenige glaubhaft vermitteln, der selbst Mut besitzt. Dazu gehört auch der Mut, die Wirklichkeit so zu sehen, wie sie ist. Das gilt für die Beurteilung der Lage ebenso wie für die Einschätzung der eigenen Fähigkeiten. Keiner ist perfekt. Keiner kann alles allein. Jeder braucht Hilfe. Alle sind voneinander abhängig. Einigkeit macht stark. Das heißt im Klartext: zusammenarbeiten, zusammen sprechen und sich gegenseitig unterstützen. Es wäre Zeitverschwendung, das Rad ständig von Neuem erfinden zu wollen. Von wem die rettende Idee kommt, die aus der Misere führt, ist völlig wurscht. Entscheidend ist, da rauszukommen.
Gute Führungskräfte nutzen das Wissen und die Erfahrung der Menschen, die sie umgeben. Niemand erwartet, dass der Kapitän alles allein macht: das Schiff steuert, die Segel setzt, die Ankerketten einholt und noch den Wind bläst, während die Matrosen untätig herumlungern.
Die Menschen wollen mitdenken, mitgestalten und zeigen, was sie können. Das spornt an und stärkt das Selbstbewusstsein. Sie wünschen sich Führungskräfte, die sie in die Entscheidungsprozesse miteinbeziehen und ihnen Leistungsbereitschaft abfordern. Wenn mehr Führungskräfte sich mehr für Ihre Mitarbeiter interessieren, ihr Potenzial erkennen und nutzen würden, käme es erst gar nicht zur Krise. Es würde bei einem lauen Sommerlüftchen bleiben.
Auch wenn in einer Krise schnelles Handeln angesagt ist, nehmen sich erfolgreiche Führungskräfte die Zeit, um im offenen Dialog miteinander die Ursachen für die Probleme herauszuarbeiten und gemeinsam Lösungen zu erarbeiten. Sie wissen, dass Verkäufer keine Faulenzer, Weicheier oder Drückeberger sind, sondern Menschen mit Gefühlen, mit dem Bedürfnis nach Anerkennung und Belohnung für die eigene Leistung, mit Freuden und mit Sorgen nicht zuletzt um das Wohlergehen ihrer Familie. Auch wenn zehn von hundert nicht mit anpacken wollen, konzentrieren sie ihre Energie lieber auf die aktiven Mitspieler als auf die passiven Zuschauer auf den Tribünen.
Die zu treffenden Entscheidungen sind möglicherweise mit tiefen Einschnitten verbunden und wenig populär, aber Hauptsache wirksam. Wenn nichts geschieht, die Segel nie repariert und die fälligen Wartungsarbeiten an Masten und Rumpf ständig aufgeschoben werden, schwimmt das Schiff zwar noch eine Weile weiter. Doch es bedarf nicht einmal eines Sturmes, sondern nur einer leichten Brise, um das Schiff endgültig mit Mann und Maus auf den Grund der See sinken zu lassen.
Bei einigen Finanzdienstleistern ächzt der Kahn. Die schäumende und tosende See wirft das Schiff mal auf die eine, mal auf die andere Seite. Einer muss es wagen, über die Takelage bis auf die Spitze des Großmastes heraufzuklettern, um die Segel neu zu setzen. Wer soll dazu den Mut aufbringen? Das ist kein Job für einen Hilfsmatrosen. Die Führungskraft selbst ist gefordert. Denn das ist ihre Aufgabe.
Durchhalteparolen auszugeben, eine extra Portion Rum zu versprechen oder Seemannsgarn zu spinnen vom Land, wo Milch und Honig fließt, beeindrucken keinen, der das Brausen des Sturmes an den eigenen Ohren spürt.
Der Verkäufer hört die Hiobsbotschaften nicht nur im Rundfunk, liest sie in der Presse oder sieht sie im Fernsehen oder im Internet. Er erfährt es tagtäglich höchst persönlich und merkt es im eigenen Portemonnaie, wenn beim Kunden das Vertrauen schwindet.
Die Branche der Finanzdienstleistungen braucht Führungskräfte, die das verlorene Vertrauen beim Kunden wiedergewinnen. Das ist nur möglich durch eine neue Ehrlichkeit. Die Menschen merken ganz genau, wenn Anspruch und Wirklichkeit nicht übereinstimmen.
Führungskräfte, die demgegenüber vorleben, was sie predigen, setzen bei Ihren Mitarbeitern ungeahnte Kräfte frei. Wer sich für andere einsetzt, für den werden auch andere einspringen. Menschen, die sich miteinander verbinden, können Berge versetzen.
Ein Kapitän, der diese sieben Punkte beachtet, genießt den Respekt der Mannschaft.
Eine Führungskraft, die sich zwar kleidet wie ein Kapitän, aber nur groß die Klappe aufreißt, ohne etwas zu bewirken, erinnert an Donald Duck im Matrosenanzug. Er ist amüsant. In seiner Tollpatschigkeit mag man ihn auch irgendwie. Seine Hilflosigkeit weckt ein wenig Mitleid. Aber wirklich ernst nimmt ihn niemand.
Gott sei’s gelobt, ist Donald Duck nur eine Comicfigur. Die Führungskräfte in der Finanzdienstleister-Branche haben nicht das geringste Interesse daran, wie Freund Donald zur Heiterkeit beizutragen. Sie wollen sich selbst respektieren und von anderen respektiert werden. Sie haben erkannt, dass Führen heißt, Verantwortung zu übernehmen. Das „Tüpfelchen auf dem i“, das über Erfolg oder Niederlage entscheidet, heißt: Mut zum Handeln!
Sie wollen, Sie wagen und Sie können! Tun Sie es!
(Jörg Laubrinus)







