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Herausforderungen der PKV

Überall nur Kosten!

© Foto: k-xperience - Fotolia.com

Die Gesundheitsausgaben steigen rapide an. Wie reagiert die PKV?

Laut einer aktuellen Studie des Statistischen Bundesamts wurden in Deutschland in 2008 insgesamt 263,2 Mrd. Euro für die Gesundheit ausgegeben. Das waren 9,9 Mrd. Euro oder 3,9 % mehr als noch im Jahr zuvor. Auf den einzelnen Einwohner bezogen heißt dies, dass jeder Einzelne Gesundheitsausgaben in Höhe von 3.210 Euro in 2008 „produziert“ hat (Vgl. 2007: 3.080 Euro). Somit haben die Gesundheitskosten 10,5 % des Bruttoinlandsproduktes ausgemacht – wobei der Kostentrend aufgrund der wirtschaftlichen Verhältnisse auch weiterhin steigen wird.

Die Gesundheitsausgabenrechnung erfasst neben den relevanten Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) auch alle weiteren gesundheitsbezogenen Aufwendungen, die von anderen Ausgabenträgern wie beispielweise der privaten Krankenversicherung (PKV) oder den privaten Haushalten selbst geleistet werden. Größter Ausgabenträger im Gesundheitswesen war im Jahr 2008 die GKV. Sie trug mit 151,5 Mrd. Euro rund 57,5 % der gesamten Gesundheitsausgaben. Im Vergleich zum Vorjahr sind ihre Ausgaben um 6,1 Mrd. Euro und damit um 4,2 % gestiegen. Den stärksten Zuwachs jedoch verzeichnete mit + 6,2 % die PKV. Ihre Ausgaben erhöhten sich um 1,4 Mrd. auf 24,9 Mrd. Euro. Damit entfielen im Jahr 2008 gut 9,5 % der Gesundheitsausgaben auf dieses Versicherungssystem. Steigende Gesundheitsausgaben sind sowohl für die GKV als auch die PKV problematisch.

Im Unterschied zur GKV begegnet die PKV der Herausforderung steigender Gesundheitskosten nicht mit Leistungskürzungen, sondern steht – unabhängig von der Entwicklung der Gesundheitskosten – vollumfänglich zu den vereinbarten Leistungen. Dennoch: Auch die PKV steht unter dem Druck, die Leistungsausgaben in den Griff zu bekommen, und versucht dies durch Mengenrabatte und direkte Verhandlungen mit Leistungserbringern. Die Süddeutsche Krankenversicherung hat ebenso auf die steigenden Kosten reagiert und unterstützt mit ihrem Stiftungslehrstuhl das noch junge, aber dynamische Feld der Versorgungsforschung. Es hat Effizienzsteigerungen im Gesundheitssystem zum Ziel, was direkt mit Einsparmöglichkeiten für die Krankenversicherer verbunden ist.

Der MÜNCHENER VEREIN setzt auf andere Wege zur Kostenreduktion: „Im Rahmen unseres `Case Managements´ begleiten unsere Spezialisten Kunden bei schweren Erkrankungen, wie bspw. einem Schlaganfall. Ziel ist es, den Kunden zur schnellen Genesung unmittelbar der optimalen Behandlung und Betreuung zuzuleiten und den gesamten Behandlungsprozess bis hin zur Reha reibungslos zu organisieren. Dies hilft dem Kunden und spart gleichzeitig Kosten. Ein weiteres Beispiel ist das Hilfsmittelmanagement“, so Markus Reis, Leiter Produktmanagement MÜNCHENER VEREIN Krankenversicherung. „In Kooperation mit externen Dienstleistern unterstützen wir den Kunden bei der Beschaffung von Hilfsmitteln und bieten ihm einen sehr guten Service – ohne Einschränkung der Behandlungsqualität sind so erhebliche Einsparungen zu erzielen“, beschreibt Reis die Kostenreduktion weiter.

Schwer nachvollziehbar ist allerdings, dass ein und dieselbe Behandlung für einen Privatversicherten im Vergleich zu einem GKV-Mitglied oft deutlich teurer ist. „In der PKV haben wir es seit Jahren mit erhöhten Steigerungsraten zu tun. Das kann für uns nicht länger hinnehmbar sein. Wir müssen deshalb darauf drängen, dass künftige Gebührenordnungen für Ärzte und Zahnärzte mehr Spielräume für angemessene und leistungsgerechtere Honorierungen schaffen. Insgesamt sollten wir in fairer Partnerschaft mit den Leistungserbringern stärker Einfluss auf Qualität, Mengen und Preise von Arzneien und Heilbehandlungen nehmen können“, erklärt Dr. h. c. Josef Beutelmann, Vorsitzender der Vorstände Barmenia Versicherungen. Medizin-Experten bestätigen, dass 4/5 der privatärztlichen Leistungen derzeit zum 2,3-fachen Gebührensatz abgerechnet werden – somit dem höchsten Satz, den ein Arzt verlangen kann, ohne Zusatzkosten ausführlich zu begründen. Hier gilt es für die PKV, stärkeren Einfluss zum Wohle der Versichertengemeinschaft zu nehmen.

Um diesen Ausgabenzuwachs zu verdeutlichen, lässt sich eine aktuelle Studie des wissenschaftlichen Instituts der Privaten Krankenversicherung (WIP) hinzuziehen. Laut der Analyse erhalten Privatversicherte im Vergleich zu gesetzlich Versicherten anteilig wesentlich häufiger Originalpräparate statt eines billigeren Nachahmerpräparats (Generikum). Nicht verschreibungspflichtige Medikamente spielen bei Privat versicherten eine größere Rolle als in der GKV, wo sie vielfach nicht mehr erstattet werden. Mehr als ein Drittel (36,6 %) aller Verordnungen entfallen auf derartige Präparate. Aufgrund der unterdurchschnittlichen Preise dieser Medikamente tragen sie aber nur 14,8 % zu den Arzneimittelausgaben der PKV bei. Die Studie des WIP bestätigt zudem frühere Untersuchungen, wonach Privatversicherte anteilig häufiger innovative Medikamente erhalten als gesetzlich Versicherte. Umsatzstärkstes Medikament in der PKV ist der Cholesterinsenker Sortis, der in der GKV aufgrund der dort vom Patienten zu entrichtenden Zuzahlungen keine größere Bedeutung mehr hat.

Während der Staat die gesetzlichen Krankenkassenkosten aufgrund der Gesundheitsausgaben alleine in diesem Jahr mit mehr als 15 Mrd. Euro unterstützt, dürfen die privaten Anbieter die Zeche selber zahlen. Da die Leistungen in der PKV für die gesamte Vertragslaufzeit garantiert sind, müssen die Gesellschaften den medizinischen Fortschritt mitversichern, d. h., das langfristige Risiko der hohen Gesundheitsausgaben für die PKV liegt in möglichen Beitragsanpassungen, die dem Kunden nur schwer vermittelt werden können. In der GKV erfolgen Beitragserhöhungen verdeckt, in der PKV sind sie hingegen auf den Cent genau bezifferbar. Das Geschäftsmodell der Vollversicherung könnte daher für Neukunden unattraktiv wirken. „Genau in diesem Risiko liegen aber auch die Chancen. Die GKV ist genauso von Ausgabensteigerungen betroffen wie die PKV. Leistungskürzungen erhöhen die Bereitschaft zum Abschluss von Zusatzversicherungen oder zum Wechsel von freiwillig GKV-Versicherten in die private Vollversicherung“, erklärt Klaus Henkel, Vorstandsvorsitzender Süddeutsche Krankenversicherung a.G. Das gemeine Volk sieht das laut einer bundesweiten forsa-Umfrage (Auftraggeber HanseMerkur) ein wenig kritischer. So wäre gerade einmal ein Drittel der 1.002 Befragten wechselbereit. Eindeutig war aber das Ergebnis, dass sich gerade die jüngeren Befragten eher einen Wechsel in die PKV vorstellen können. Klarer Trend: Je älter die Befragten, umso wechselresistenter sind sie.

Fazit: Das, was heute als medizinisch notwendig angesehen wird, lässt sich nicht mehr vergleichen mit dem Stand von vor z. B. 20 Jahren. Im Gegensatz zur GKV schränkt die PKV den Versicherungsschutz nicht ein – im Gegenteil. Zudem ist es Aufgabe der PKV, für ihre Kunden entsprechende Alterungsrückstellungen zu bilden. Daher führen höhere Ausgaben auch zu höheren Beiträgen in der PKV. Und so benötigen auch die Unternehmen der PKV Möglichkeiten, die Kosten im Rahmen zu halten, und verlangen zu Recht nach mehr Einflussauf das System.

(Marc Oehme)


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