Loipfinger-Studie
2002 war ein erfolgreiches Jahr
Unverzichtbar ist sie geworden, die alljährliche Studie über die (Umsatz-)Entwicklung der Produkte des geschlossenen Fondsmarktes. Zeigt sie doch sehr dezidiert auf, welche Produktlinien zu den Gewinnern und Verlierern zählen und welche Anbieter – wie erfolgreich oder -los auch immer – auf welches Pferd gesetzt haben, um schließlich Tendenzen für die laufende Produktentwicklung abzuleiten. FINANZWELT präsentiert die ersten Zahlen und lässt Branchenkenner zur Entwicklung im laufenden Jahr zu Wort kommen.
Zunächst einmal ist er sauer, der nicht nur nach unserer Meinung qualifizierteste Branchenanalyst für geschlossene Fonds. Denn die Idee der von ihm über Jahre aufgebauten Marktstudie über Beteiligungsmodelle – vormals steuersparender Kapitalanlagen – wird zwischenzeitlich vielfach kopiert. "Dabei ärgert mich nicht – so Loipfinger – dass andere einen Hauch schneller am Markt sind als ich, sondern dass es einfach unterschiedliche Qualitätsansprüche gibt.”
Das Ergebnis in diesem Jahr dürfte die Branche aufatmen lassen und widerspricht deutlich der schlechten Stimmung gerade zum Jahresende (siehe Grafik zur Umsatzentwicklung).Es zeigt sich aber auch, dass weder das Totreden noch Totschreiben einiger Branchen wie Schiffe oder Medien „gefruchtet ”hat. Zwar war es Branchenprofis bewusst, dass alleine die umfängliche Übergangsregel Fonds mit Steuervorteilen bis zum Jahresende 2003 schützt, wenn diese vor dem 1.September letzten Jahres in den Vertrieb gingen. Dennoch befürchteten viele, dass sich die Verunsicherung seitens der Anleger, ob Steuervorteile künftig noch möglich seien, zum Kaufhemmnis avancieren könnten. Offensichtlich gelang es jedoch den Beratern und Vermittlern –mit Unterstützung der aufgeklärten Presse –ihre Kundschaft nicht nur zu informieren, sondern auch zu überzeugen, dass geschlossene Fonds weiterhin einen sinnhaften Part in einem ausgewogenen Portfolio haben sollten.
In jedem Fall waren die Ergebnisse besser als erwartet- und dies eigentlich übergreifend für Immobilien-, Schiff-, Windkraft-, Medien- und Private Equity-Fonds. So haben die Anbieter von US-Immobilienfonds noch einmal deutlich zugelegt und die Anbieter von Fonds mit deutschen Objekten mussten nur einen geringen Rückgang in Kauf nehmen. Die große Angst der Anbieter, Immobilienfonds mit deutschen Objekten seien im Vertrieb eigentlich nicht mehr zu platzieren, dürfte damit ein wenig genommen sein, denn auch die Objekte des vergangenen Jahres wurden sicher nicht mehr mit dem Steuerargument verkauft.
Wie sich die künftige Besteuerung auswirken könnte, bleibt indes abzuwarten und es ist nach wie vor zu hoffen, dass es nicht zu einer Anwendung dieser Besteuerungsvorgabe kommt. Der verhaltene Optimismus ist auch in dem Statement von Branchenkenner Werner Rohmert zu spüren. Geringer Rückgang auch bei den Hollandfonds und dem sonstigen Ausland. Gerade in den Niederlanden hat in den letzten Jahren eine verstärkte Nachfrage dazu geführt, dass die Kauf- und Mietrenditen merkbar gesunken sind. Hier machte sich die Größe respektive die räumliche Begrenztheit des niederländischen Marktes negativ bemerkbar, meinen Insider. Vom Umsatz her halten konnten sich die Anbieter unternehmerisch konzipierter Medienfonds.
Dies gilt auch für die Schiffeinitiatoren, wenngleich aus deren Reihen –siehe das Dobert-Statement –Schlimmeres erwartet wurde. Oder trifft hier nur der bekannte Ausspruch zu, dass Klagen das Grußwort der Kaufleute ist? Wirklich klagen, wenn sie es denn wollten, könnten die Banken. Denn die von ihnen bzw. ihren Töchtern aufgelegten leasingorientierten Medienfonds scheinen nun wirklich langsam zum „Auslaufmodell ” zu werden. Gerade einmal die Hälfte des vergangenen Jahres konnten für diese über den Bankschalter hinweg geworben werden. Dies hängt natürlich an dem fehlenden Produktangebot aufgrund der steuerrechtlichen Unsicherheit.
Auch die Windmühlen –politisch eigentlich der Gewinner des letzten Jahres -konnten nur unwesentlich zulegen. Ihr Anteil liegt bei knapp 5 Prozent. Das verwundert ein wenig, denn indkraftfonds können aufgrund ihrer hohen Fremdfinanzierung meist hohe Steuervorteile gewähren. Vielleicht lassen aber auch hier fehlende Möglichkeiten und somit zu wenig Angebote keine höheren Umsätze zu. So gehen Fachleute davon aus, dass zumindest in Deutschland die besten Windstandorte längst vergeben und meistenteils bereits bebaut sind. Entgegen vielen Erwartungen zulegen konnten aber auch die Anbieter von Private Equity Fonds. Offensichtlich ist es einigen Gesellschaften doch gelungen, Anleger für ein antizyklisches Verhalten zu begeistern und auch dafür, dass die Börsensituation nur bedingt Einfluß nimmt auf die Ertragschance dieser jungen Anlageklasse.
"Unter dem Strich, ”so Loipfinger," glaube ich auf Basis des letzten Jahres, dass es auch dieses Jahr wieder laufen wird und kann mir gut vorstellen, dass die erwarteten 10 Milliarden Euro Eigenkapital auch wirklich in die Taschen der Anbieter von geschlossenen Fonds fließen werden.”
Er könnte auch dieses Mal wieder recht behalten, denn eines steht ohne Zweifel fest: Die auf Basis seines Zahlenmaterials erarbeiteten Perspektiven sind seit Jahren äußerst realistische Szenarien und dürften so manchem Initiator, Berater und Vertrieb, aber auch den entscheidenden Gremien in der Finanzverwaltung eine wichtige Hilfe sein. So hat Loipfinger bereits letztes Jahr voraus gesagt, dass die deutsche Fiskalpolitik das Kapital ins Ausland drängt, was durch die aktuellen Zahlen mehr als bestätigt wird. In der Konsequenz heißt die Fortschreibung der Loipfinger-Zahlen aber auch, dass es im laufenden Jahr keine gravierende Veränderung der Anteile des großen Kuchens "Geschlossene Fonds ”geben wird, er setzt allerdings voraus, dass der so genannte Vermittlungsnebenkostenerlass dann vielleicht doch nicht so tief greift und die geplante Änderung des Medienerlasses der Branche ausreichend Spielraum für neue Konzepte lässt.
Weiterhin bleibt natürlich zu beachten, ob der Run vieler Anbieter ins Ausland wirklich ohne Blessuren bleibt. Für die Lobby, die gerade im letzten Jahr verstärkt angefangen hat, die Interessen der Anbieter zu vertreten, bleibt in jedem Fall noch einiges zu tun.
(Michael Oehme)







