Anzeige:
Anzeige:

Hauptnavigation & Suche:

Unternavigation:


Zurück zur Übersicht

Emerging Markets

2010 liegen die Chancen außerhalb der USA und Europas

© Foto: Vasilis Akoinoglou - Fotolia.com

Nimmt man die vorliegenden Projektionen und Einschätzungen beim Wort, werden die Emerging Markets im globalen Kapitalmarkt das interessanteste Investitionsziel bleiben, sie werden praktisch einhellig als Wachstumsmotor der Weltwirtschaft gesehen.

Die Schwellenländer profitieren von der weiterhin hohen Liquidität, den soliden Staatsfinanzen und hohen Währungsreserven“, fasst John Pollen, Fondsmanager bei Pioneer Investment seine Position zusammen. Ähnlich optimistisch ist man bei den Assetmanagern des US-Hauses J.P. Morgan (JPM), die „einen Aufschwung im Stil der 90er Jahre“ für die Schwellenländer erwarten und diesen Trend sogar für ein Schlüsselthema des neuen Jahres halten. Die JPM-Analysten erwarten neben einem Wachstumsvorsprung, der sich in erster Linie in Aktiengewinnen niederschlägt, auch fühlbare Währungsgewinne in den Schwellenländern, deren Währungen in der Krise schwach wurden.

Hier besteht über den normalen Aufwertungstrend hinaus ein gewisser Nachholbedarf. Fidelity-Manager Nick Price stößt ins gleiche Horn: Die Schwellenländer bieten aus seiner Sicht langfristig ein Wachstumspotenzial, „mit dem die Industrieländer nicht mithalten können“. Hinter der Betonung der grundsätzlich großen Perspektiven der Emerging Markets kommt fast überall eine kleine Einschränkung: Die Märkte werden recht volatil sein, da noch einige Risiken in den Nachwehen der globalen Krise erkennbar sind.

Es lohnt daher auch ein genauerer Blick auf die einzelnen Regionen:

Die afrikanischen Staaten südlich der Sahara („Schwarzafrika“) sollen nach IWF-Schätzungen im nächsten Jahr real fulminante 4,1 % zulegen, wobei die Erdölförderung nicht einmal besonders viel bringt, das „non-oil“ BIP soll sogar um 4,2 % wachsen. Überraschend positiv werden auch die Länder Nordafrikas, des mittleren Ostens und der zentralasiatischen Republiken der früheren Sowjetunion eingeschätzt: 4 % bis 5 % Wachstum erwartet der IWF in dieser für Anleger noch schwer zugänglichen Region.

Den Schwellenländern Asiens trauen die IWF-Volkswirte sogar ein reales Wachstum von satten 7 % zu. Der Löwenanteil wird auch 2010 wieder China zugerechnet (+ 9 %), aber auch die ASEAN-Staaten werden wohl wieder fühlbar wachsen mit 4 %.

Sichtbar schwächer sind die für Lateinamerika erwarteten Zuwächse, wo Brasilien (+ 3,5 %) und Chile (+ 4 %) den Geleitzug anführen. Argentinien und Ecuador sind mit nur 1,5 % Nachzügler, und Venezuela fällt mit einem (marginalen) Minus völlig aus dem Rahmen. Im Hintergrund stehen die bekannten politischen Bedingungen: Die erfolgreicheren Staaten zeichnen sich durch eine exportorientierte, marktkonforme Strategie aus. Zudem profitiert die Region auch jetzt noch davon, dass die Staaten beim Ausbruch der Krise meist in guter Verfassung waren: Kräftige Devisenreserven, vernünftig geführte Staatsfinanzen und standfeste Bankensysteme haben verhindert, dass die globale Krise regionale Zahlungsbilanzkrisen im alten Stil auslösen konnte. Insofern haben die altväterlichen Tugenden der Sparsamkeit und Vorsicht diese typischen Krisenkandidaten vor weiterem Ungemach bewahrt, wie der regionale Outlook des IWF betont.

Die schwächste Figur machen derzeit die osteuropäischen Staaten, die am heftigsten von der Krise erwischt wurden: Vor allem die in großem Umfang geübte Finanzierung in fremder Währung erwies sich als lebensgefährlicher Brandbeschleuniger. Die besonders betroffenen baltischen Staaten werden auch 2010 noch mit einem Minus (Litauen und Lettland mit -4 %) abschließen. Hintergrund dieses Desasters ist die verfrühte feste Bindung an den Euro, die eine gefahrlose Zinsarbitrage vortäuschte: Unternehmen und private Haushalte verschuldeten sich in großem Stil in Euro oder Schweizer Franken, auf die niedrigere Zinsen als in den lokalen Währungen zu zahlen war. Als die im Boom stark gestiegenen privaten und staatlichen Defizite nicht mehr weiter finanzierbar waren, kollabierte der Wachstumstrend, was den Zufluss aus dem Ausland schwächte und die Devisenkurse unter Druck brachte. Damit zog sich die Währungsschlinge um die betroffenen Volkswirtschaften zu: Die Devisenschulden wuchsen mit der Aufwertung der fremden Währungen bis zur Überschuldung und der laufende Schuldendienst war kaum noch darstellbar: Pleite.

Dieser Schock ist noch nicht verwunden – ausgenommen Estland, das die Bindung an den Euro durch ein so genanntes Currency Board untermauerte. In der Praxis war damit die Ausgabe heimischer Krone 1:1 durch entsprechende Währungsreserven gedeckt. Lohn dieser starken Belastung: Estland erfüllt derzeit bereits alle Kriterien für den angestrebten Beitritt zum Euro, was – wie Commerzbank-Analystin Barbara Nestor hervorhebt – umso erstaunlicher ist, als dieser Erfolg in der Krise und nicht etwa wie sonst üblich am Höhepunkt des Konjunkturzyklus erzielt wird. Das spricht für eine ausgesprochen solide Grundlage der Aufnahme in den Euro-Club. Hier liegt eine kleine Sonderchance für die Anleger: Es steht eine Heraufstufung der Länder-Bonität an, die mit einer Anlage in den umlaufenden Anleihen genutzt werden kann.

Aus unserer Sicht ergibt sich für interessierte Anleger eine Gewichtung, bei der vor allem Asien und Lateinamerika Engagements in Osteuropa generell vorzuziehen sind. Vor allem bei langfristiger Anlageorientierung sind Titel in lokalen Währungen interessanter als in Dollar oder Euro. Diese Vorteile müssen allerdings mit höheren Risiken – wie bei den Balten gesehen – erkauft werden.

Quer zu dieser regionalen Rangordnung stehen zwei zentrale Investmentthemen: Die Rohstoffe dürften zwar keine großen Steigerungen mehr sehen, sich aber auf hohem Niveau halten. Davon werden die Produzenten, die Staaten über Förderzinsen und die Unternehmen durch üppige Margen profitieren. Auf diesen Trend setzt man am besten mit einem Investmentfonds auf Aktien von Rohstoffproduzenten. Daneben hat sich in den Emergings ein deutlicher Konsumtrend durchgesetzt, mit dem die Entwicklungserfolge der letzten Jahre auch in Lebensqualität umgesetzt werden. Entsprechend ausgerichtete Einzelhändler und Konsumgüterproduzenten werden weiter davon profitieren. Auch bieten sich einige spezialisierte Investmentfonds etwa aus dem Hause CAAM an.

(Martin Klingsporn)


Zusatz-Informationen:

Aktuelle Ausgabe

Aktuelle Ausgabe

finanzwelt.tv

Film: Alle Filme ansehen

Abo-Bestellung

Bestellen Sie die nächste Ausgabe der finanzwelt.

Jetzt abonnieren

Newsletter

Abonnieren Sie ab jetzt unseren kostenlosen finanzwelt-Newsletter.

Newsletter abonnieren

Fußzeile: