Der Kommentar
Wirtschaftlich schwierige Zeiten und Zyk-len, die bestimmte Kapitalanlagen eher an den unteren Rand der Rentabilität drük-ken, bringen merkwürdige Stilblüten her-vor.
So im Fall des Ehepaars, dessen Eigen-tumswohnung finanziert durch die dama-lige Hypo und Vereinsbank Gegenstand eines Verfahrens vor dem Europäischen Gerichtshof war.
Im besagten Fall sei das Ehepaar von einem banknahen Vermittler zum Kauf „überredet” worden. Die Bank habe einer Finanzierung zugestimmt. Landgericht und Ober-landesgericht wiesen die Klage ab, weil das Verbrau-cherkreditgesetz Hypotheken und Darlehen ausdrücklich von den Widerrufsrechten ausnimmt.
Beim Bundesgerichtshof angekommen, machte dieser sich beim Europäischen Gerichtshof schlau.
Ergebnis:
Entgegen dem deutschen Recht ist man hier der Mei-nung, Anleger könnten bei sogenannten Haustürge-schäften jederzeit zurücktreten, wenn über die Rück-trittsmöglichkeit nicht informiert wurde.
Erste Überlegung: Im Prinzip müsste man mit diesem Thema sensibel und unter Berücksichtigung des Einzelfalls umgehen. Teile der Medien sehen dies jedoch anders. Hier gibt es endlich „Gerechtigkeit für geschädigte Anleger” sowie eine Chance für „geprellte Anleger” aus „Schrottimmobilien” heraus zu kommen. Diese undifferenzierte Diktion kennen wir seit Jahren.
Als Branchenblatt können wir uns zwar immer wieder hierüber aufregen und versuchen, durch entsprechende Informationen entgegen zu wirken. Oft fühlen wir uns jedoch wie der einsame Rufer in der Wüste. Von keiner Interessenvertretung der Branche auch nur einmal Rückenwind. Gleiches erlebten wir schon bei der Diskussion um die bei den BMF-Urteile zur Abschaffung der Vermittlungsprovisionen und sonstigen Gebühren als sofort abschreibbare Werbungskosten.
Zweite Überlegung: An Qualität kommt kein Marktteilnehmer mehr vorbei. Finanzwelt wird daher künftig seinen Fokus ausschließlich auf Qualitätsvertrieb und Qualitätinitiatoren legen. Die kommenden Ausgaben der Finanzwelt werden sich verstärkt mit den Anforderungen an den Vertrieb und die Anbieter der Zukunft beschäftigen
Michael Oehme, Chefredakteur







