WAS KOMMT NACH DEM STEUERSPAREN?
„Der § 15b EStG tut der Branche gut“ – mit dieser markigen Aussage könnte Claus Hermuth, der sowohl dem Initiatorenverband VGF als auch der Münchner Initiatorin DCM AG vorsteht, in der Branche anecken. Schließlich gilt bei vielen gerade die Steuerersparnis als das wichtigste Vertriebsargument...
Indes kommt niemand um die wirtschaftlichenZwänge der leeren Kassen
herum, mit denen der Fiskus fertig werden
muss. Konsequenz: Die Zeit der
Steuersubventionen geht zu Ende, in
denen Deutschland trotz höchster nominaler
Steuersätze mit schöner Regelmäßigkeit
die niedrigsten effektiven
Steuerbelastungen aufweist. Da ist es
allemal klüger, mit Hermuth gemeinsam
die harten neuen Zeiten zähneknirschend
zu loben als gegen Windmühlenflügel
anzukämpfen.
Anlass für diese strategischen Überlegungen
war eine von der FINANZWELT
gemeinsam mit der Zeitschrift „Consultant“
veranstaltete Diskussionsrunde
zum Thema „Zukunft der geschlossenen
Fonds”. Die von den finanziellen Nöten
des Fiskus ausgehenden Veränderungen
rückten die bisher fest in die Branche
integrierte Berufsgruppe der Steuerberater
in den Mittelpunkt der Diskussion,
weil mit dem Verlust der Steuervorteile
auch die steuerliche Beratung der Kundschaft
an Bedeutung verliert. Vor diesem
Hintergrund muss sich die Branche auf
eine Verlagerung der Vertriebswege einstellen,
weil die Steuerberater hier tendenziell
Funktionen einbüßen. Das enorme
Wachstum der Berufsgruppe (die Zahl
verdreifachte sich reichlich seit Anfang
der 60er Jahre von knapp unter 25.000 auf
77.000 zum Jahreswechsel 2004/ 2005)
dürfte nicht zuletzt auf die Vertriebsfunktion
zurückzuführen sein, der Beratungsbedarf
im engeren Sinne allein
kann kaum die Ursache für dieses enorme
Wachstum sein. Rechnerisch ist jeweils
ein Steuerberater unter je 1100
Bundesbürgern (vom Säugling bis zum
Greis) zu finden. Man darf daher daran
zweifeln, dass es für alle ausreichend
Beschäftigung gäbe, müssten sie sich
darauf beschränken, die Steuererklärungen
ihrer Mitbürger anzufertigen.
Bei alledem bleibt festzuhalten, dass die
Steuerberater allenfalls für eine Umverteilung
der Steuerlasten zwischen den
Bürgern sorgen können. An der Tatsache,
dass alle Bürger zusammen am Ende alle
Rechnungen des Fiskus begleichen müssen,
können sie nichts ändern. Der Netto-
Effekt ihrer eigentlichen Tätigkeit ist also
gleich Null. Und den Teilnehmern aus
der Branche scheint es zweifelhaft, ob
die Steuerberater den konsequenten
Schwenk weg von der Steuerorientierung
hin zur Vermögensberatung
schaffen können. Stellvertretend für die
Initiatoren stellte Rüdiger Wolff, Vorstand
der Hamburger Rothmann & Cie.
AG fest, dass „nur fünf Prozent der
Steuerberater in der Lage sind, Vermögensberatung
als Geschäftsfeld entsprechend
zu bearbeiten“. Karl Hamberger,
selbst Steuerberater und Partner
bei Ernst & Young, stützte die Einschätzung
Wolffs mit dem Hinweis, dass
die meisten Steuerberater schon aus Zeitmangel
heraus zu keiner kompetenten
Vermögensberatung fähig seien. Allerdings
könnten die Steuerberater gewissermaßen
als Türöffner wirken, weil sie
durch ihre Seriosität das Vertrauen ihrer
Mandanten erworben haben.
Trotz der Einschränkungen sieht daher
auch Werner Ackermann, Vertriebschef
der in Hamburg domizilierenden Lloyd
Fonds AG, die Steuerberater weiter in
einer wichtigen Schlüsselstelle für den
Kontakt zum Kunden und vertrat die
Ansicht, dass „die starke Bindung zwischen
Steuerberater und Vertrieb auch
in Zukunft bleibt“. Denn es seien noch,
so seine Sicht der Dinge, auch nach dem
Wegfall der reinen Steuermodelle steuerliche
Fragen zu klären, etwa im Zusammenhang
mit dem Doppelbesteuerungsabkommen.
Darin traf er sich mit
Wolf-Georg Rhode, Steuerberater der
Kölner Kanzlei PNHR Pelka Niemann
Hollerbaum Rhode, der nicht zuletzt aufgrund
des Beratungsbedarfs im Hinblick
auf die steuerliche Gestaltung der Erbschaften
die Steuerberater an der
Schnittstelle zu den Finanzdienstleistern
sieht, weil sie eben den besten Überblick
über die Vermögenslage der Kundschaft
hätten. Darüber hinaus konzentriere
sich die Vermögensberatung zukünftig
dann eben einfach auf den Nettorenditeerfolg
des Mandanten.
Rolle für die Steuerberater. Eben hier
sieht auch Peter Stingl, Vertriebsleiter
der Münchner Emittentin Sachsenfonds,
weiterhin eine Rolle für die Steuerberater.
Die seien vorsichtig und „machen
aus 100.000 Euro auch 50.000“, weil sie
lieber in zwei Fonds investierten statt
nur in einen. Den Weg in die Zukunft
wies der bei der Münchner HypoVereinsbank
für den Vertrieb geschlossener
Fonds zuständige Thomas Zimmermann.
Schon heute wären nur noch 20
Prozent der von der Bank vertriebenen
Modelle von der kommenden Änderung
des § 15b EStG betroffen. Dennoch geht
auch er weiterhin davon aus, dass die
gewachsene Struktur der Kooperation
zwischen Steuerberatern und Finanzdienstleistern
Bestand haben wird und
verwies dabei auch auf die bestehenden
Kooperationen seines Hauses mit Steuerberatern.
Für die bliebe zunächst immer
die Frage zu klären: „Passt das Modell
zum Vermögen des Mandanten?“
Mit der Perspektive auf Produkte ohne
Steuervorteile konnte sich auch Wolff
ganz im Sinne der eingangs zitierten
Bemerkung Hermuths einlassen: „Ich
bin froh, wenn die Zeit der Steuerstundungsmodelle
endlich vorbei ist und
wir uns alle auf renditeorientierte Anlagen
konzentrieren können.“ Hermuth
erwartet von diesem Umstand, dass
endlich der Wandel vom „Grauen“ zum
Freien Markt geschafft wird. Eckpunkt
der zukünftigen Produktgestaltung sei
eine dem Risiko entsprechende Verzinsung.
Er forderte zugleich vom Vertrieb,
Beteiligungsmodelle nicht als risikofrei
hinzustellen.







