Flugzeugfonds
A380-800 verleiht Flügel!

Auch der Flugverkehr leidet unter der Krise, die aber bislang wirtschaftlich nicht auf die
Leasing-Fonds durchschlägt. Aber der Absatz von Flugzeugfonds könnte neue Schubkraft durch den A380-800 vertragen.
Dem A 380-800 war es im Wesentlichen zu verdanken, dass die Flugzeugfonds im ersten Halbjahr 2008 einen Höhenflug erlebten, der nur in den Hochzeiten des Steuersparens übertroffen wurde. 474,6 Mio. Euro sammelten diese in den ersten 6 Monaten ein.
Aber auch die Flugzeugfonds mussten inzwischen der Wirtschaftskrise Tribut zollen. „Im ersten Halbjahr 2009 platzierten die Flugzeugfonds nur noch 171,5 Mio. Euro“, stellt Wolfgang Kubatzki, Leiter Rating & Valuation bei Feri EuroRating Services fest. Allerdings gab es 2009 noch keinen Fonds mit dem Verkaufsschlager A380- 800, der 2008 den Absatz der Flugzeugfonds so stark beflügelte. „Innerhalb von einer Stunde und 46 Minuten war der erste A380-800-Fonds ausplatziert“, erklärt Jürgen Salamon, geschäftsführender Gesellschafter der Dr. Peters Gruppe, die mit diesem Flugzeug zum Marktführer aufstieg.
Nun hofft die Branche im Verkauf wieder auf die Schubkraft des Airbus A380-800, des größten und modernsten Passagierflugzeugs der Welt. Vier Fonds sind angekündigt, die in den A380-800 investieren. Zwei von Dr. Peters und je einer von Doric Asset Management und Hansa Treuhand.
Überraschend ist vor allem der Einstieg von Hansa Treuhand ins Geschäft mit Flugzeugen. Das 1983 gegründete Unternehmen zählt zu den ältesten und renommiertesten Anbietern von Schiffsfonds. „Schiffsfonds werden nach wie vor das Kerngeschäft der Hansa Treuhand bleiben“, erklärt Vorstand Sönke Fanslow. Der Hansa Treuhand-Fonds Sky Cloud wird wie die ersten vier A380-800-Fonds der Dr. Peters Gruppe von der Doric Asset Management verwaltet, die auch unter eigenem Label einen ähnlichen Fonds anbietet. Die Flugzeuge sind für die Fluggesellschaft Emirates bestimmt, der Anleger hat die Möglichkeit, ein reines Euro-Engagement einzugehen.
Das wird noch getoppt vom DS Flugzeugfonds X, der eine A380-800 für die Air France finanziert. „Es ist die erste Maschine dieses Typs, die für eine europäische Fluggesellschaft bestimmt ist“, betont Salamon und fügt hinzu: „Die Leasingraten und die Ausschüttungen erfolgen in Euro und der größte Teil des Kaufpreises wird in der europäischen Währung abgerechnet. "
Wie Hansa Treuhand hat auch Dr. Peters seine Hauptwurzeln im Geschäft mit Schiffsfonds. Die Gruppe verwaltet die größte Schiffsflotte in Deutschland. Dass Initiatoren, die im Schiffsbeteiligungsmarkt verankert sind, jetzt auf Flugzeuge setzen, hat einen gut nachvollziehbaren Grund. „Schiffe, die wie Flugzeuge für 12 Jahre fest an Unternehmen mit guter Bonität vermietet werden können, gibt es derzeit nicht“, unterstreicht Fanslow.
Allerdings ist auch die Luftfahrt von der weltwirtschaftlichen Krise betroffen. Der Luftverkehr ist stark zurückgegangen und die Unternehmen werden in diesem Jahr einen Rekordverlust einfliegen. Aber der Markt ist ein anderer als der für Schiffe. Die geleasten Flugzeuge bieten gegenüber altem Fluggerät deutliche Vorteile. „Der A380-800 verbraucht weniger Kerosin, fliegt leiser als die Vorgänger und ist voll ausgelastet“, erklärt Matthias Böhm, Geschäftsführer Doric Asset Management. Und während eine Riesen-Pipeline von (spekulativen) Bestellungen den Markt der Schiffe belastet, sind die Flugzeuge, die von den Fonds finanziert werden, von den Luftverkehrsgesellschaften erworben worden, weil sie diese benötigen.
Neben den Großflugzeugen mit großer Reichweite gibt es aber noch attraktive Marktnischen. LHI und GSI etwa setzen auf Ersatz-Triebwerke. Gerade hat GSI seinen dritten Triebwerksfonds wie geplant geschlossen. „Auch Triebwerke werden nicht spekulativ gebaut, sondern stehen immer in einem festen Verhältnis zu den zugehörigen Flugzeugen“, erläutert Gerhard Krall, geschäftsführender Gesellschafter der GSI Fonds GmbH & Co. KG . „Das gibt dem Markt in Rezessionsphasen wie dieser Stabilität, verhindert aber auch in Boomzeiten, dass die Mieten durch die Decke gehen“. Bei allen Vorteilen, die die Großflugzeuge von Airbus auf den langen Strecken bieten, sind die Regionaljets von Bombardier wie der Q400 auf den kurzen Strecken bis 1.000 km wirtschaftlicher. In diese investieren die Fonds von HEH und KGAL. Leasingnehmer der von HEH finanzierten Q400 ist Flybe, die größte Regionalfluggesellschaft Europas. „Die Cologne ist bereits der neunte Fonds der Flybe-Serie und alle Fonds schütten prognosegemäß oder besser aus“, erläutert Gunnar Dittmann, geschäftsführender Gesellschafter der HEH Hamburger EmissionsHaus GmbH & Cie. KG. In drei Dash 8-Q400 (für Croatia Airlines) investieren der Sky-Class51 und in fünf (für Flybe) der Sky-Class52 von KGAL, die gerade ausplatziert wurden. „Die Dash 8-Q400 fliegt um ca. 30 % sparsamer und benötigt auf den kurzen Strecken dieselbe Flugzeit wie ein Jet", schildert KGAL-Geschäftsführer Gert Waltenbauer die Stärken des Turboprop-Flugzeugs.
Bereits seinen dritten Flugzeugfonds nach dem Einstieg in dieses Marktsegment im Sommer 2008 hat DCM aufgelegt. Als einziger Initiator bietet DCM eine Beteiligung an einem Frachtflugzeug an. Leasingnehmer ist die AeroLogic, die für die DHL International GmbH (Deutsche Post) und die Lufthansa Cargo (Tochter der Lufthansa) fliegt. DCM kann darauf verweisen, dass der Frachtverkehr in der Vergangenheit stärker als der Passagierverkehr gewachsen ist. Er könnte allerdings in der Rezession auch stärker zurückgehen. „Aber nach allen Krisen wie Golfkrieg (1991), Asienkrise (1998), der Einbruch nach dem 11. September 2001 oder SARS (2003) hat sich der Flugverkehr sehr schnell wieder erholt. Dies gilt für den Passagier- und insbesondere für den Frachtflugbereich“, betont Claus Hermuth, Vorstandsvorsitzender der DCM AG.
(Dr. Leo Fischer)







