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Kolumne

Ach, wär´n Sie doch in Miltenberg gewesen ...

Miltenberg. Kennen Sie Miltenberg? Ich kannte es nicht, bis ich dorthin zu einer Veranstaltung des Finanzhauses Fürst eingeladen wurde …

Gastredner waren Prof. Dr. Bernd Raffelhüschen, der unnachahmliche, eindringliche Renten-Experte, und Dr. Klaus Jung, der wohl älteste deutsche Investmentfonds-Promoter, Urgestein und Grandseigneur der deutschen Anlagenverkäufer.

Mitten in den Wäldern des Frankenlandes fand ich nach einigen Irrungen meines Leihwagen-Navis schlussendlich die moderne Veranstaltungshalle. Sie war gestopft voll mit 600 meist jungen bis „mittelalterlichen“ Investoren oder interessierten Zuhörern. Es ging um Kapitalanlagen in diesen Krisentagen, die Rentenzukunft der Nation, deshalb Prof. Raffelhüschen, und die Kunst und den Sinn des Investmentfonds-Sparens in seiner reinen klassischen Form. Deshalb Dr. Jung.

Als die Moderatorin Dr. Klaus Jung auf die Bühne bat, stand ein kleiner, weißhaariger Mann auf, der vorher im Publikum saß, etwa 1,70 m groß, schlank, kurze weiße Haare. Die steilen Stufen die Treppe hinauf zur Bühne nahm er fliegend, jeweils zwei auf einmal. Geballte Energie. Er begann zu sprechen.

„Jeder von uns hat finanzielle Ziele, ob er noch schön jung ist wie Sie (das Publikum), mittleren Alters oder so alt ist wie ich. Jeder hat finanzielle Ziele. Sie werden aber Ihre finanziellen Ziele nicht erreichen, weil Sie es sich nicht richtig machen.“

Dr. Jung hat schnell Betriebstemperatur erreicht. Er unterstreicht seine Sätze mit eindringlichen Gesten, er läuft auf der Bühne hin und her, er schreibt den Flipchart voll, er wiederholt Kernsätze oder er schweigt und schaut ins Publikum. Die Zuhörer sind gefesselt. Der Vortrag kommt an. Zum wohl 1.000sten Mal wiederholte er heute die immer gleiche Botschaft: „Der Investmentfonds ist die Idee schlechthin.“ Dr. Klaus Jung hat dieses Referat in 50 Jahren seiner Berufstätigkeit als Anlageberater zur Reife entwickelt. Besser, präziser und eindringlicher kann niemand Lösungen der Kapitalanlageproblematik übermitteln.

Ich bin nach Miltenberg gefahren, um Dr. Jung live bei seinem Vortrag zu erleben. Ich kenne ihn seit 1976. Seine Erfolge, sein Absturz 1985, als er seine Vertriebsgesellschaft, die Dr. Jung AG, pleitegehen sah, und sein steiler Aufstieg zum erneuten Erfolg sind mir bestens bekannt. Spätestens seit Dr. Jung mir vor sechs Monaten den Vorschlag machte, über sein Leben und seine Unternehmer-Kollegen, die ihm begegneten und die unsere Branche groß machten, ein Buch zu schreiben. Seit dieser Zeit recherchiere und spreche ich mit faszinierenden Unternehmern.

Einige Namen möchte ich erwähnen:

  • Erwin Walter Graebner: Der Erfinder des Bauherren-Modells in den 70er Jahren.
  • Dr. Jürgen Amann: Der erfolgreichste Unternehmer Deutschlands, der Bauherren- Modelle vermarktete.
  • Dr. Dieter Quast: Einer der umsatzstärksten Abschreibungs-Immobilien- Promotoren der 70er und 80er Jahre.
  • Dr. Herbert Ebertz: Er hat die Dorint Hotel Gruppe entwickelt. Niemand hat wohl in den letzten 30 Jahren eine größere Zahl von Anlageimmobilien und Fonds an private Investoren vermittelt und für alle diese Objekte die persönliche Haftung übernommen.
  • Horst Rahe: Der Eigentümer des wohl schönsten kleinen Hotels in Hamburg, das „Jacob“ an der Elbchaussee. Der Boss der arosa Hotel-Gruppe, internationaler Reeder.
  • Udo Keller: Gründer der tecis AG, Hamburg, eines Maklervertriebes, und eine Vertriebslegende. Millionär schon mit Mitte 20. Keller hat den größten Preis für den Verkauf einer Vertriebsorganisation erzielt, der, pro Mitarbeiter gerechnet, weltweit je erzielt wurde: 250.000 Euro pro Mitarbeiter hat der AWD für tecis gezahlt.

Dr. Klaus Jung hat mit diesen und vielen anderen grandiosen Unternehmern zusammengearbeitet. Unglaubliche Erkenntnisse, nie veröffentlichte private Leitfäden und Motivationsinhalte wurden in meinen Interviews von diesen Persönlichkeiten preisgegeben. FINANZWELT wird darüber in den nächsten Ausgaben berichten.

Kommen wir zurück nach Miltenberg. Der Vortrag von Dr. Klaus Jung dauert 37 Minuten. Am Ende seines Pep-Talks erzählt er den staunenden Zuhörern, dass die Tatsache, dass wir künftig alle länger arbeiten müssen – also über 67 hinaus – ihn als 78- Jährigen nicht interessiere. Er habe sowieso neue Pläne. Er werde ein weiteres Mal und mit einer neuen Idee durchstarten.

Jung baut gerade eine neue Vertriebsstruktur auf. Sie hat den Arbeitstitel „50+“. Über 50-jährige Berater, die den Investmentfonds- Gedanken großartig finden, führt er in dieser neuen Vertriebsorganisation zusammen. Solchen Drive wünsche ich uns allen. Das Buch über Dr. Jung und seine Begegnungen mit großen Unternehmern der Anlagebranche wird noch ein wenig auf sich warten lassen.

Nicht warten lassen möchte ich Sie auf den Kern der Botschaft des Vortrages von Dr. Jung. Er schaffte das, was kaum ein Redner schafft, der erläutern soll, wie es mit der Wirtschaft in der Zukunft aussehen wird. Er liefert die Antwort des eigentlich Unmöglichen.

O-Ton Dr. Klaus Jung:
Frage 1: „Ich frage Sie: Klappt das in der Zukunft, so wie in der Vergangenheit?

(Jung meint die hohen jährlichen durchschnittlichen Gewinne von Investmentfonds seit Mitte der zwanziger Jahre)

Ich bin davon felsenfest überzeugt. Warum?
Ich frage Sie alle weiter:

Können Sie sich vorstellen, dass es heute Unternehmer gibt, die mit guten Produkten gutes Geld verdienen?

Antwort: Klar, die gibt es!

Frage 2: Gibt es in drei oder fünf Jahren gute Unternehmer, die gutes Geld mit guten Produkten verdienen?

Antwort: Ja, die gibt es!

Frage 3: Kann man sich auch vorstellen, dass es in 10, 15 oder 20 Jahren Unternehmen gibt, die mit guten Produkten gutes Geld verdienen? Vielleicht Unternehmer, die wir noch gar nicht kennen? Denken Sie mal zurück – wie lang gibt es Bill Gates?

Antwort: Klar. Diese Unternehmer wird es immer geben! Es kommt doch nur darauf an, dass das Fondsmanagement, d. h. die Experten der Fonds, möglichst zum richtigen Zeitpunkt in diejenigen Unternehmen investieren. Alle großen Investmentfonds-Manager von Templeton, Pioneer, DWS, Fidelity und andere haben das bewiesen. Wir hatten 12 saftige Krisen (s. Kasten) in den letzten 80 Jahren. Gleichwohl hat es geklappt, jeweils in jeder Dekade dieser Zeit aus 10.000 Euro 38.000 Euro zu machen.“

Soweit der O-Ton Dr. Jung. Diese unglaublich einfache Darstellung hat bestehende Beweiskraft. Sie gilt auch heute in der wohl größten aller Krisen. Freuen Sie sich auf weitere Episoden aus der Jung Vita, aus einem halben Jahrhundert Kapitalanlagen.

Übrigens Miltenberg: Jetzt kenne ich Miltenberg und sage, es ist wunderschön dort. Dunkle Wälder, verträumte Dörfer und historische Ortschaften. Der Besuch hat sich gelohnt.

(Dieter E. Jansen)


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