Rückgang?
Alles Schlechte hat auch sein Gutes!?
Was die Streichung der steuerlichen Verluste 2005 nicht vermochte, schaffte die Finanzkrise: Im laufenden Jahr wird der Absatz von geschlossenen Fonds zum ersten Mal deutlich zurückgehen.
Geschlossene Fonds haben nichts mit Subprimekrediten zu tun und haben auch nicht im krisengeschüttelten US-Eigenheimmarkt investiert. Gleichwohl haben die Subprimekrise und die dadurch verursachte Finanzkrise auch die geschlossenen Fonds erreicht. MPC, einer der Marktführer, hat den Schiffsfonds MPC Offen Flotte 2 vom Markt genommen, weil die zum Jahreswechsel 2009/2010 auslaufenden Charterverträge aus heutiger Sicht auf dem ursprünglich prognostizierten Niveau nicht erneuert werden können. Bereits vorher hatte KGAL, im letzten Jahr die Nummer eins, wegen der Finanzkrise den Verkauf von zwei geschlossenen Fonds gestoppt.
Schon in den ersten 6 Monaten war der Absatz um rund 14 % zurückgegangen – nach der Statistik von Feri Rating Services AG. Und an Stelle einer Aufholjagd im letzten Quartal, wie sie in früheren Jahren zu erleben war, ist diesmal ein regelrechter Einbruch zu befürchten. Gewinn- und Umsatzwarnungen kommen vor allem von den börsennotierten Anbietern MPC Capital, HCI und Lloyd Fonds. Mit neuen Fonds versuchen die großen Emissionshäuser mit breiter Produktpalette ein bisschen gegenzuhalten. Aber es überwiegt die Skepsis. „Im derzeitigen Umfeld ist aus unserer Sicht nicht mehr von einer nachhaltigen Erholung der Finanzmärkte und damit auch der Nachfrage nach geschlossenen Fonds im Verlauf des traditionell starken vierten Quartals auszugehen“, meint Michael F. Seidel, Finanzvorstand bei der Lloyd Fonds AG.
Kreditstop. Zahlreiche Fonds, die geplant waren, werden gar nicht erst auf dem Markt erscheinen, weil die Banken keine Kredite geben. „Für 520 Mrd. Dollar sind Schiffe bestellt, aber für 300 Mrd. Dollar fehlt die Finanzierungszusage der Bank“, erklärte Klaus Fickert, geschäftsführender Gesellschafter von König & Cie., auf der DKM Ende Oktober in Dortmund. Selbst zugesagte Finanzierungen werden zuweilen von einem Tag auf den anderen zurückgezogen. Das erlebte auch SHB. „Wir konnten aber innerhalb eines Tages von einer anderen Bank die Kreditzusage erhalten“, erklärt Vorstandschef Achim Wilhelm-Wittschier. Schon im Frühjahr beklagten die Initiatoren die restriktive Kreditgewährung der Banken, aber offenbar hat sich die Situation im Herbst noch einmal verschärft. Es hieß, die HSH Nordbank, der größte Schiffsfinanzierer der Welt, hat die Bücher bereits geschlossen. Und die Meldungen über den Riesen-Kapitalbedarf des Instituts zeigen, dass dazu offenbar auch aller Grund besteht.
Allerdings wird dem Markt der Schiffsfonds auch eine große Sorge genommen. Die Orderbücher der Werften quollen über und wenn alle Aufträge ausgeführt worden wären, wäre es unweigerlich zu einer Überbauung gekommen. Diese Gefahr scheint jetzt erheblich geringer. „Es hat Stornierungen gegeben, bereits vor Monaten wurden große Schiffe in kleinere Schiffe gewandelt oder Optionen auf Bauplätze nicht gezogen“, erläutert Tobias König, der Chef von König & Cie. In der öffentlichen Meinung wird nicht zu Unrecht den Banken die Hauptschuld an der Finanzkrise gegeben. „Das bietet den freien Finanzdienstleistern Chancen, ins Geschäft zu kommen“, meint Alexander Betz, Vorstandsvorsitzender der eFonds Group in München. „Die Bankenberater trauen sich derzeit den Anlegern kaum unter die Augen, weil diese mit anderen Bankprodukten erhebliche Verluste erlitten haben“, meint Hans-Peter Wolter von der FORMAXX AG. Es ist sicher kein Zufall, dass die Bankvertriebe die Absatzchancen für geschlossene Fonds nach einer Umfrage von Feri schlechter einschätzen als die freien Vertriebe.
Gerade in der derzeit schwierigen Situation bieten sich mental starken Beratern gute Chancen. Per Saldo erwarten nach der Feri-Umfrage mehr Initiatoren ein schlechteres Geschäft im 2. Halbjahr als ein besseres (siehe Tabelle Absatzerwartungen). Aber es gibt bei allen Produktlinien auch optimistische Erwartungen für das Jahresendgeschäft. Emissionshäuser wie Real I. S. und Dr. Peters haben bereits im ersten Halbjahr ein neues Rekordergebnis erzielt, Dr. Peters dank der neuen Produktlinie Flugzeugfonds und den spektakulären Verkaufserfolgen der A380-800- Fonds. „Wir bringen noch in diesem Jahr mindestens zwei Flugzeugfonds, die voll finanziert sind“, kündigt Firmenchef Jürgen Salamon an. Aber darunter ist keine A 380-800.
„Es kommt die Zeit, einzukaufen,“ meinte Fickert auf der DKM-Podiumsdiskussion. Das sieht auch Horst Güdel, Vorstand des Private Equity Marktführers RWB AG. „Das durchschnittliche Bewertungsniveau bei Private Equity Transaktionen ist bereits um etwa 20 % gesunken. Auch für das Jahr 2009 erwarten wir weiter sinkende Einstiegspreise im Unternehmensbeteiligungsgeschäft und gehen daher von sehr attraktiven Investitionsmöglichkeiten aus, die so auch von unseren Anlegern rege genutzt werden."
Gar nicht so schlecht schätzen auch die Anbieter von US-Immobilienfonds ihre Absatzchancen ein – jedenfalls besser als die Kollegen mit Produkten, die in Europa und Deutschland investieren. Wie BVT setzt Deutsche Structured Finance auf Wohnimmobilien. „Hier sind Core-Immobilien zu finden, weil es eine dauerhafte Nachfrage nach Wohnimmobilien gibt und die Preise nicht durch Spekulation verzerrt sind“, meint Janine Schellhorn, Geschäftsführerin von Deutsche Structured Finance. Auf Wohnimmobilien setzt auch die US-Treuhand mit dem neuen Fonds UST XXI New Jersey, eine Projektentwicklung von Eigentumswohnungen am Ufer des Hudson Rivers mit Blick auf Manhattan. Wieder mit den Garantien der US-Partner, die sich bislang bei allen US-Treuhandfonds bewährt haben. „Selbst wenn die Projektentwicklung per Saldo keinen Gewinn abwirft, erhalten die Anleger in fünf Jahren eine Gesamtausschüttung von 164 %“, erläutert Volker Arndt, Geschäftsführer der US Treuhand. Einen ähnlich konzipierten Sicherheitsfonds, ebenfalls eine Projektentwicklung (Umbau einer Büroimmobilie in Chicago in ein Hotel) hatte der Initiator im August innerhalb von drei Wochen platziert – der Fonds wurde dreifach überzeichnet.
(Dr. Leo Fischer)







