Hauptnavigation & Suche:

Unternavigation:


Zurück zur Übersicht

Spezialfonds

Alternative Verpackung für alternative Energien

© Foto: Kelly Young - Fotolia.com

Wer seine Investments auf die alternativen oder eneuerbaren Energien zielt, kann sich entweder direkt mit Beteiligungen an Windkraft-, Biogas- oder Solartechnik-Projekten engagieren oder aber den Weg über die Börse gehen und in die Hersteller der Technik investieren.

Auf diese beiden Grundformen setzen Zweitmarktfonds für Beteiligungen und Investmentfonds für Aktien. Daraus ergibt sich eine klare Teilung: Die Hersteller kauft man über die Börse, die Projekte über den Beteiligungsmarkt. Die Regensburger Lacuna AG hebt sich davon ab: Sie bietet das Investment in Projekte mithilfe einer Zertifikatstruktur, die auf einem Spezialfonds aufbaut.

Grundlage der Konstruktion ist der Spezialfonds Lacuna SIF-Sustainable Energy, der nach Luxemburger Recht aufgelegt wurde. In diesem SIF werden die konkreten Investitionen in die Erzeugung erneuerbarer Energien (EE) getätigt und gehalten. Die privaten Anleger beteiligen sich indirekt am Fonds mit Hilfe eines endlos laufenden Zertifikates, das diesen Fonds als Basiswert nutzt. Die Ausgabeerlöse des Zertifikates gehen ins Fondsvermögen und werden dort wieder zur Finanzierung der konkreten EE-Projekte benutzt. Bei dieser Konstruktion steht dem Zertifikat wirtschaftlich auch ein tatsächlicher Wert und nicht (wie bei vielen Bank-Zertifikaten) nur das Versprechen der Emittenten gegenüber. Hintergrund dieser zweistufigen Konstruktion ist das Investmentrecht, das EE-Projekte als Assetklasse für Publikumsfonds praktisch ausschließt. Die Einstufung als Spezialfonds hat zur Folge, dass „… nur institutionelle und besonders erfahrene Anleger sich am Fonds beteiligen dürfen“, wie Ingo Grabowsky vom Vertrieb der Lacuna AG erläutert. Eine Vertriebszulassung als Publikumsfonds ist nach den geltenden Regeln praktisch ausgeschlossen. Der Zugang ist daher auch über die Mindestanlagesumme 125.000 Euro klar beschränkt.

Vor diesem Hintergrund ist die komplexere Struktur zu sehen: Die Lacuna AG hat ihren Spezialfonds, in dem sie die Projekte sammelt. Die Anleger investieren indirekt in den Fonds über das Zertifikat, das gewissermaßen als Stellvertreter für einen direkt auf den Fonds bezogenen Anteil fungiert. Neben den Zertifikatanlegern gibt es auf Fondsebene jetzt auch bereits einen institutionellen Anleger, der aus der Finanzbranche kommt und direkt am SIF beteiligt ist. Darüber hinaus ist die Lacuna AG selbst mit 1. Mio. Euro Eigenkapital am Fonds beteiligt. Die Emission des Zertifikates hat die Luxemburger Alceda Star SA mit ihrer Konstruktion übernommen, die das Emittentenrisiko weitgehend ausschaltet.

Das Verfahren zur Bewertung des Fondsvermögens und daraus abgeleitet des Zertifikates entspricht dann im Wesentlichen dem, was von den offenen Immobilienfonds her bekannt ist: Das Portfolio wird in zwölf möglichst gleichgewichtige Tranchen zerlegt, von denen je eine im Monat einer regelmäßigen Bewertung unterzogen wird. Mit dieser Teilung sollen die Schwankungen geglättet und die bei den grob gestrickten Portfolios denkbaren Möglichkeiten zur Manipulation begrenzt werden. Verantwortlich für diesen heiklen Teil des Geschäftes sind ein Wirtschaftsprüfer und die Depotbank.

Damit ist hier freilich auch grundsätzlich das gleiche Liquiditätsproblem gegeben, wie bei den offenen Immobilienfonds: Die Anlage in den EE-Projekten ist nicht sonderlich liquide. Wenn allzu viele Anleger gleichzeitig ihr Investment kündigen, gibt es schnell einen Stau. Allerdings haben die Zertifikat- Konstrukteure der Alceda hier auch ordentlich vorgebaut: Das grundsätzlich endlos laufende Zertifikat kann von ausstiegswilligen Anlegern nicht nur einfach an der Börse weiter verkauft werden, es gibt das Kündigungsrecht mit dem Anspruch auf anteilige Auszahlung. An dieser Stelle ist allerdings statt der täglichen Rückgabe wie bei den Anteilen an offenen Fonds bei der Lacuna eine vier Monate laufende Kündigungsfrist eingebaut, die es dem Management erlauben soll, im Falle eines Falles einen geordneten Verkauf zustande zu bringen.

Der Mitte 2009 gestartete Fonds weist nach Lacuna-Angaben bisher lediglich ein Volumen von knapp 2 Mio. Euro auf, was wohl in erster Linie daran liegt, dass noch kein konkretes Projekt wirklich defintiv ins Portfolio genommen wurde, wie Vertriebschef Grabowsky erläuterte. Das werde sich im 1. Quartal 2010 aber ändern, denn das erste Projekt, eine Photovoltaik(PV)-Anlage mit 2 MW sei unterschriftsreif ausgehandelt. Insgesamt hat die Lacuna nach eigenen Angaben 10 MW PV-Anlagen in Spanien sowie weitere 8 MW PV-Anlagen in Deutschland in der Pipeline, zu denen Windanlagen mit 30 MW und Biogas- Anlagen mit 1,4 MW kommen. „Sobald die ersten Projekte da sind, können wir richtig durchstarten“, erläutert Grabowsky.

Aus Anlegersicht könnte das Zertifikat bzw. der dahinter liegende Fonds höchst interessant werden, wie sich aus einer Studie des der Lacuna als Berater verbundenen Regensburger Betriebswirts Gregor Dorfleitner herausstellt. Der Finanzierungsspezialist hatte auf der Basis einer Stichprobe mit 20 Wind-, 8 Biogas- und 5 PV-Fonds den Markt der EE-Projekte untersucht und anhand von Geschäftsberichten die relevanten Daten zur Bewertung konstruiert und ausgewertet. Er hatte sich dabei weitgehend auf das altehrwürdige, aber alltagstaugliche µ-? Modell von Markowitz gestützt, wobei er zu sehr positiven Aussichten für das Lacuna Angebot kam. Der EE-Markt weist demnach eine geringe Korrelation mit den anderen Assetklassen auf und eröffnet damit hohe Diversifikationspotenziale. Die Einbeziehung ermöglicht also Porfolios mit tendentiell höheren Renditen bei geringeren Risiken, die Effizienzgrenze wird entsprechend verschoben. Die von Dorfleitner gelieferten Zahlen sind erstaunlich positiv, haben aber einen Haken: Die Rentabilität eines geschlossenen Fonds lässt sich erst dann definitiv beurteilen, wenn er vollständig abgerechnet und aufgelöst ist, wie jeder erfahrenere Anleger weiß, von dem schon mal Nachschüsse oder die Rückführung von Ausschüttungen gefordert wurden. Trotz dieser kleinen Einschränkung ist am grundsätzlichen Ergebnis nicht viel zu deuteln: Die Lacuna liefert mit ihrem Zertifikat einen interessanten Baustein für gute Portfolios.

(Martin Klingsporn)


Zusatz-Informationen:

Aktuelle Ausgabe

Aktuelle Ausgabe

finanzwelt für unterwegs: Die neue finanzwelt-App bringt Ihnen die wichtigsten News des Tages auf Ihr Handy.

finanzwelt-App

finanzwelt.tv

Film: Alle Filme ansehen

Abo-Bestellung

Bestellen Sie die nächste Ausgabe der finanzwelt.

Jetzt abonnieren

Newsletter

Abonnieren Sie ab jetzt unseren kostenlosen finanzwelt-Newsletter.

Newsletter abonnieren

Fußzeile: