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Vom unscheinbaren Nischenprodukt zum Shooting Star

Alternatives Investment mit Second-Hand-Policen

Geschlossene Fonds, die am Zweitmarkt für Lebensversicherungen anlegen, haben sich zur erfolgreichsten Produktinnovation der letzten Jahre entwickelt. Den Anfang machte die Münchner BVT im Herbst 2002 mit einem Fonds, der in US-Risikolebensversicherungen investierte. Fast gleichzeitig kam MPC, Hamburg, mit einem Fonds auf den Markt, der deutsche Gebrauchtpolicen erwarb. Und die neueste Kreation sind Fonds, die in britische Gebrauchtpolicen anlegen. Im Einzelnen handelt es sich jedoch um unterschiedliche Produkte, in die die Fonds investieren sowie verschiedene Konzepte.

Die deutsche Kapitallebensversicherung enthält zwei Komponenten, einen Sparanteil und eine Todesfallversicherung. Die Police wird ausgezahlt entweder im Todesfall oder im Erlebensfall. Die Kapitallebensversicherung dient also zum einen zur Absicherung der Angehörigen, wenn der Ernährer der Familie stirbt. Gleichzeitig kann sie aber genutzt werden, um ein Vermögen etwa für die eigene Altersversorgung aufzubauen.
Obwohl die Renditen in den letzten Jahren unter dem Einfluss der Aktienbaisse und der niedrigen Zinsen an den Rentenmärkten deutlich zurückgegangen sind, zählt die Lebensversicherung immer noch zu den beliebtesten Altersvorsorgeinstrumenten der Bundesbürger. Die aktuellen Renditen von etwas über vier Prozent (bezogen auf die Kapitalanlagen) bieten für sich genommen wenig Phantasie, um einen Fonds zu zeichnen, der deutsche Gebrauchtpolicen erwirbt. Die Phantasie liegt im günstigen Einkauf auf dem Zweitmarkt in Lebensversicherungen, die in den guten Jahren Speck angesetzt haben (die Überschussbeteiligungen lagen vor wenigen Jahren noch bei über sieben Prozent) und in der Hebelung der Rendite durch eine hohe Fremdkapitalfinanzierung.

>Hohes Stornopotential

Derzeit bestehen rund 91 Millionen Lebensversicherungsverträge", erläutert Lutz Schroeder, Vorstand der Cash.life AG, München "aber nur jede zweite erreicht das Laufzeitende." Der überwiegende Teil der zweiten Hälfte wird an die Lebensversicherungsunternehmen zurückgegeben – mit einem hohen Verlust für den Versicherungsnehmer. Er erhält im Falle der Kündigung weit weniger, als es den gezahlten Prämien und den Zinsen entspricht.
Sieben bis 15 Prozent mehr als im Stornofall zahlt die cash.life, ältester und marktführender Einkäufer von gebrauchten deutschen Lebensversicherungen, die auch für den Fonds MPC Rendite-Fonds Leben Plus IV die Policen beschafft. Ein Geschäft machen Verkäufer wie Käufer der Police. Der Fonds führt die Lebensversicherung weiter, zahlt die Prämien und kassiert zum Laufzeitende oder im Todesfall die Versicherungssumme. Der Verkäufer behält einen Todesfallschutz. Das heißt, stirbt die im Vertrag versicherte Person, dann zahlt cash.life die um alle Aufwendungen (wie Kaufpreis und bis dahin bezahlte Beiträge) reduzierte Todesfallsumme an die Erben aus.

>Unterschiedliche Aktienquoten

Ähnlich wie die deutsche Lebensversicherung ist die britische Lebensversicherung konzipiert, die Versicherungssumme wird zum Laufzeitende oder beim Tod der Versicherten ausgezahlt. In der Vergangenheit haben die britischen Lebensversicherungen im Durchschnitt eine rund drei Prozent bessere Rendite gebracht als die deutschen Lebensversicherungen. Das liegt zum einen daran, dass die Briten keine Garantieverzinsung kennen und bei der Wahrnehmung von Anlagechancen keine Rücksicht darauf nehmen müssen, dass sie jedes Jahr eine bestimmte Mindestverzinsung bringen müssen. In Deutschland müssen die Lebensversicherungen auf die Kapitalanlagen mindestens eine Rendite von 2,75 Prozent (bis Ende 2003: 3,25 Prozent) erzielen.
In der Vergangenheit resultierte ein wesentlicher Teil der besseren Performance aber auch aus der Tatsache, dass die britischen Lebensversicherungen praktisch unbegrenzt in Aktien investieren dürfen, die nicht nur in den Boomjahren 1999 und 2000, sondern im langfristigen Vergleich (15 und 20 Jahre) eine höhere Rendite brachte als festverzinsliche Wertpapiere. Erst durch die Aktienbaisse seit 2000 haben sich die Relationen verschoben - vor allem im Zehn-Jahres- und Fünf-Jahresvergleich. In Deutschland ist die Aktienquote auf 35 Prozent begrenzt. Durch die Aktienbaisse sind die Überschussbeteiligungen der britischen Lebensversicherungen auch deutlich zurückgegangen - in ihren besten Zeiten kamen diese auf Renditen von 15 bis 16 Prozent - und es ergeben sich derzeit günstige Einkaufspreise für britische Second-Hand-Policen.

>Gefragte Policentypen

Großbritannien bildet den ältesten Zweitmarkt für Lebensversicherungen. "Seit über 150 Jahren werden TEPS, also Traded Endowment Policies, in Großbriannen gehandelt", konstatiert Dr. Torsten Teichert, der Vorstandschef von Lloyd-Fonds AG, Hamburg. „Anders als in Deutschland sind die Lebensversicherungsgesellschaften in Großbritannien verpflichtet, Versicherte, die kündigen wollen, auf die Möglichkeit eines Verkaufs am Zweitmarkt hinzuweisen,“ erläutert Thomas Gerald Foth, Vorstand der Rothmann und Cie TrustFonds AG und Kenner des britischen Versicherungsmarktes. Dadurch ist der Nachschub an Policen gleichsam gesichert. Denn am Zweitmarkt erhält der Stornowillige auf jeden Fall mehr als von seiner Versicherung.
Von den deutschen und britischen Kapitallebensversicherungen sind die Risikolebensversicherungen zu unterscheiden, in welche die US-Zweitmarktfonds anlegen. Bei den US-Risikolebensversicherungen wird die Versicherungssumme nur fällig, wenn der Versicherte stirbt. Praktisch keine Rolle spielt der Erlebensfall, es sei denn, der Versicherte wird 100 Jahre alt.

>Fokus auf Senior-Settlements

Für den Versicherten besteht daher die einzige Möglichkeit, zu Lebzeiten Geld aus einer Risikolebensversicherung zu machen, indem er sie am Zweitmarkt verkauft. In den USA entwickelte sich nicht zuletzt auf Grund der Aids-Krise Ende der 80er Jahre ein lebhafter Zweitmarkt. Denn für Aidskranke war der Verkauf der Police am Zweitmarkt die einzige Chance, um die teueren Medikamente zu finanzieren und sich vielleicht noch bisher unerfüllte Wünsche zu erfüllen.
Diese so genannten Viatical Settlements (Policen von Todkranken) spielen aber bei den Fonds keine Rolle. Investiert wird in Senior Settlements, also am Zweitmarkt erworbene Policen mit einer Laufzeit von zwei bis etwa neun Jahren. Für den Ankauf in Frage kommen ausschließlich Policen von Versicherten, die 65 Jahre und älter sind.

>Günstige Einkaufspreise

Gleichwohl spielt die richtige Einschätzung der Lebenserwartung der Versicherten für die Rendite eine erhebliche Rolle. Bei Kauf der Police am Zweitmarkt, über die so genannten Settlementgesellschaften oder Provider, muss bei der Ermittlung des angemessenen Kaufpreises die Lebenserwartung des Versicherten richtig eingeschätzt werden. Denn die Summe, die ausgezahlt wird, steht (anders als bei der deutschen und britischen Kapitallebensversicherung) fest, unsicher ist der Zeitpunkt der Auszahlung. Daher ist die richtige Einschätzung der Lebenserwartung der Versicherten durch die medizinischen Gutachter entscheidend dafür, dass die Renditeerwartungen aufgehen. Die Kaufpreise sind so kalkuliert, dass eine Gesamtkapitalrentabilität von mehr als 20 Prozent erreicht wird, wenn die erwartete Lebenserwartung der tatsächlichen entspricht.

>Rendite an Markteffizienz gekoppelt

Kritiker wenden ein, dass es sich streng genommen um eine Wette auf den Tod der Versicherten handelt. Aber das ist das Prinzip der Lebensversicherungen, die allerdings gegen die Gesamtheit der Versicherten wetten, nicht gegen einzelne. Andere stellen in Frage, ob der Markt für Policen, die eine mehr als 20-prozentige Gesamtkapitalrendite bringen, groß genug ist. Die Zweitmarktfonds profitieren derzeit allesamt von der Ineffizienz des Marktes. Höchste Renditen sind immer bei Marktineffizienzen zu erzielen. Aber tendenziell nehmen die Marktineffizienzen ab, je größer die Zahl der Marktteilnehmer wird.

(Dr. Leo Fischer)


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