Zweitmarkt US-Lebensversicherungen
Amis leben länger!

Aufgrund ihres gewaltigen Prämien-Anteils (2006: ca. 530 Mrd. US-Dollar) sind die USA der weltweit größte Markt für Lebensversicherungen. Nur herrschen dort andere Spielregeln!
Weit über die Hälfte aller USLebensversicherungsverträge werden vorzeitig gekündigt und bieten Investoren somit gutes Marktpotenzial.
„Nun stirb endlich", so oder so ähnlich könnte mancher Anleger von „gebrauchten" US-Lebensversicherungen denken. In der Regel werden in den USA zur Risikoabsicherung reine Risikolebensversicherungen abgeschlossen. Hierbei unterscheidet der Amerikaner meist zwischen Todesfallversicherungen mit Sparanteil (universal life, whole life) oder ohne Sparanteil (term life) sowie zwischen Versicherungspolicen mit begrenzter Laufzeit (Term Life Insurance) und solchen, die für die gesamte Lebensdauer des Versicherten bestehen (Permanent Life Insurance).
Grundsätzlich gilt: Der Versicherer zahlt, wenn die versicherte Person stirbt! Nicht alleine die verarmten kranken Menschen sind es, die ihre Police verkaufen. Denn US-Lebensversicherungen dienen grundsätzlich nicht der eigenen Altersvorsorge, sondern nur der Absicherung individueller Risiken, somit hat der Versicherungsnehmer bei Veränderung seiner persönlichen Lebenssituation häufig kein Interesse mehr an der Aufrechterhaltung seines Vertrages. Da der Rückkaufswert über den Zweitmarkt in der Regel erheblich höher liegt, als der Verkauf/die Stornierung direkt beim Versicherer, entsteht hier der Anschein einer Win-Win-Situation.
Pfiffige Investoren erwerben somit über Beteiligungsangebote die betroffenen Policen vom US-Bürger, werden als Begünstigter eingetragen, übernehmen die Prämienzahlungsverpflichtungen und erhalten bei Eintritt des Versicherungsfalls (Tod des Versicherten) die Versicherungssumme ausbezahlt. Der Kaufpreis liegt dabei regelmäßig unter der Versicherungssumme (Discount). Die Differenz aus Todesfallsumme und Kaufpreis zuzüglich weiter gezahlter Prämien beeinflusst also wesentlich die Rendite dieses Geschäftsmodells.
Wichtig bei der Kalkulation waren die Lebenserwartungsgutachten bzw. die Prognose der Frühsterblichkeiten. Doch: Spätestens seit dem Film „Super Size Me" wissen wir zwar, dass Amerikaner Fast Food lieben und sich dadurch vermehrt ungesund ernähren, aber dennoch scheinen sie nicht kalkulierbar zu sterben. Zumindest lange nicht kalkulierbar genug für die Fonds, die US-Policen den amerikanischen Bürgern abgekauft haben. Die Folge der Langlebigkeit sind schrumpfende Renditen, weil der Fonds die Prämie der Versicherten länger zahlen muss und sie die Ablaufleistungen - bei US-Policen einzig bei Tod oder wenn der Versicherte das Glück hat, 100 Jahre alt zu werden - durchschnittlich später bekommen. Ein Faktum, warum einige Fonds nicht nach Plan liefen und ihre Rendite senken bzw. komplett rückabwickeln mussten.
Nun scheint sich das Blatt zu wenden. „In den letzten vier Monaten haben drei maßgebliche Gutachter ihre Sterbe-Tafeln so angepasst, dass sich nun längere Lebenserwartungen für die Versicherten ergeben.
Teilweise sind dabei Veränderungen um rund 20 % zu beobachten. Dies heißt jedoch nicht zwingend, dass in der Vergangenheit alle Gutachten falsch oder zu kurz waren", erklärt Thomas Laumont, Vorstand des Bundesverbands Vermögensanlagen im Zweitmarkt Lebensversicherungen e. V. Einige Fondsanbieter haben zudem Sicherheitsbausteine in ihr Policenangebot eingebaut. Ein Beispiel dafür sind die US-Lebensversicherungsfonds der CERTUS Life Cycle AG. Zu jeder Versicherung wurde eine zusätzliche Absicherung erworben, ein Guarantee Bond. Dies ist die Garantie eines Versicherungsunternehmens, die Versicherungssumme unabhängig vom realen Ableben des Versicherten an einem fixen Datum auszuzahlen. Durch diese Konstruktion sind sämtliche Zahlungsströme bekannt: Kaufpreis, Kaufdatum, Prämienhöhe, deren Zahlungszeitpunkte sowie die Rückflusshöhe und deren spätester Zeitpunkt. Mit dieser Kalkulationssicherheit ähnelt das Papier sehr einem Zerobond. „Dies ist eine Produktkombination, die sich bereits in zwei Fonds bewährt hat", meint Bernd Sibold, Vorstand der CERTUS Life Cycle AG aus Freiburg.







