Initiatoren
Angeschlagene Champions

Zu den problematischen Punkten in Sachen Transparenz am Beteiligungsmarkt gehören die Jahresabschlüsse und Geschäftsberichte der Initiatoren und Emissionshäuser.
Diese Informationen sind wohl unstrittig wichtig, weil die Verkäufer der Beteiligungen als wichtige Geschäftsführer der Fonds auch nach der Platzierung des Kapitals starken Einfluss auf das Wohl und Wehe der Beteiligungen haben. Da wäre es gut zu wissen, wie es um den mit wichtigen Vollmachten ausgestatteten Partner steht und wo seine Interessen liegen. Die meisten Anbieter halten sich vornehm zurück und sind auch rechtlich nicht zu besonders viel Aufklärung verpflichtet. Lediglich die börsennotierten Häuser, in der Hauptsache die beiden Hamburger Gesellschaften MPC Capital und Lloyd Fonds, müssen die Hosen ganz öffentlich herunterlassen. Deren Geschäftsberichte geben zum Ende der Bilanzsaison an den Börsen wenigstens einen kleinen Einblick in die Verfassung der Kerngesellschaften der Branche.
Gemessen an den Geschäftsberichten für 2008 war das letzte Jahr im Vergleich zum Vorjahr verheerend. Der Einbruch der Platzierungen traf die beiden ziemlich hart, bei Lloyd Fonds brachen die Umsatzerlöse um fast die Hälfte ein, von 90,1 Mio. auf 48,1 Mio. Euro. Und bei der größeren MPC fielen die Erlöse von knapp 214 Mio. Euro auf etwa 122 Mio. Solche Erlöseinbrüche gehen an die Substanz, das Eigenkapital schrumpfte bei beiden.
Die MPC Capital AG weist per Ende 2008 noch 50,7 Mio. Euro Eigenkapital aus, was bei knapp 245 Mio. Bilanzvolumen eine Eigenkapital-Quote von rund 21 % ergibt. Das ist im Verhältnis zu Lloyd Fonds mit 58,9 % Eigenkapital zwar nicht üppig, aber auch nicht besonders problematisch. Das Problem dabei: Die MPC-Zahlen sind mit einem schweren Vorbehalt belastet - auch wenn die Wirtschaftsprüfer die Bilanz testiert haben. Denn das Testat verweist (wie üblich) ausdrücklich auf den Bericht des Vorstands und der hat es in sich. Knackpunkt: Die MPC Capital AG hat einen so großen Anteil an der ebenfalls in Hamburg beheimateten HCI AG übernommen und scheint sich daran heftig zu verschlucken.
Wenn die veröffentlichten Zahlen und Erläuterungen des Geschäftsberichts beim Wort genommen werden, müssten alle Warnlampen dunkelrot blinken. Denn von einstmals rechnerisch rund 140 Mio. Euro für die 40,8 %-Beteiligung an der HCI stehen per Ende 2008 nur noch rund 61 Mio. Euro zu Buche. Rechnerisch wurden die HCI-Aktien im MPC-Bestand laut Geschäftsbericht mit einem Kurs von 6,25 Euro angesetzt. Der Haken an der Sache: Die Aktien werden derzeit am Markt aber nur mit 1,55 Euro bewertet, zum Stichtag waren es auch nur 1,90 Euro. Bei Ansätzen zu Marktwerten müssten etwa 42,7 Mio. Euro „warme Luft" vom ausgewiesenen Eigenkapital abgezogen werden, womit gerade noch um 8 Mio. Euro „echtes" Eigenkapital übrig blieben, was rechnerisch zu einer Eigenkapital-Quote um 3 % geführt hätte. Das sieht eher weniger beeindruckend aus, was für eine AG wohl heißt, dass sie sich nah an der bilanziellen Überschuldung entlang bewegt. Die im Februar abgeschlossene Kapitalerhöhung mit einem Bruttoerlös von rund 48 Mio. Euro erscheint im Licht dieser Zahlen als eine Partie auf Sein oder Nichtsein. Allerdings wurde das Eigenkapital mit dieser Operation auf die per Ende 2008 ausgewiesene Größenordnung zunächst wieder aufgefüllt.
Gerade für ein Haus wie MPC Capital ist eine komfortable Kapitaldecke in der aktuellen Lage eine Existenzfrage: Die nötige Vorfinanzierung der Beteiligungsprodukte ist bei den Banken in der gegenwärtigen Lage nur dann zu haben, wenn ein ordentliches Eigenkapital vorgewiesen werden kann. Reine Hoffnungswerte wie der Bilanzkurs der HCI Aktien bei MPC reichen den Banken nur im Boom als Sicherheit. „Die Pipeline ist zum Problem geworden", umschrieb Lloyd Fonds-Chef Thorsten Teichert das Problem. Mit der Pipeline sind die Vorratsobjekte und -bestellungen gemeint, aus denen laufend neue Beteiligungsangebote gestrickt werden. Teicherts Schiffspipeline bestand bei Vorstellung des Jahresabschlusses aus 26 Schiffen, die 2010 bis 2012 zulaufen sollen und ein Investitionsvolumen von etwa 1,9 Mrd. USD (derzeit 1,3 Mrd. Euro) darstellen, was verteilt auf 3 Jahre eine Platzierung von etwa 150-200 Mio. bei den Anlegern ergibt, was sich unter den rund 250 Mio. Euro bewegt, die Lloyd Fonds 2007 allein mit Schiffsbeteiligungen einwerben konnte.
Marktbeobachter zweifeln indes, ob alle bestellten Schiffe tatsächlich auf den Markt kommen. Denn der Chartermarkt ist im Zeichen der Krise tief eingebrochen. Das Ladungsaufkommen ist so weit zurückgegangen, dass vor allem Containerschiffe aufliegen mangels Beschäftigung. Solche Marktverhältnisse haben ganz schnell tiefgreifende Konsequenzen: Da die Finanzierungsvereinbarungen in der Regel verbindliche Untergrenzen für das Eigenkapital der Schiffsgesellschaften vorsehen, wird der Preisverfall am Schiffsmarkt zum Problem: Denn mit den sinkenden Preisen schrumpft das Eigenkapital proportional und rutscht irgendwann unter die rote Linie, bei der die Bank aus der Finanzierung aussteigen kann.
Ein Blick in die bereits vorliegenden Berichte zum I. Quartal 2009 zeigt, dass die Krise weiter große Löcher reißt: Die Umsatzerlöse gingen noch mal stark zurück, bei MPC von 29 auf 11,8 Mio. Euro (-60 % gegen I. Quartal 2008) und bei Lloyd Fonds von 11,4 auf 3,5 Mio. Euro (-70 %). Die Platzierung bei den Anlegern brach sogar um über 90 % ein (von 78,8 Mio. Euro auf 7,2 Mio.), was zwangsläufig auch fühlbare Verluste mit sich bringt. Bei MPC ging es noch deutlich steiler bergab: Die Platzierung fiel von 123 Mio. auf 11,1 Mio. Euro mit der absurd wirkenden Konsequenz, dass der ausgewiesene Konzernverlust mit 23,9 Mio. Euro mehr als doppelt so hoch ausfällt wie die Umsatzerlöse mit 11,8 Mio. Euro. Geht man davon aus, dass die Geschäfte dem allgemein erwarteten Trend folgend erst zum Jahreswechsel wieder positive Ergebnisse bringen, hängt das Überleben bei MPC von der nächsten Kapitalspritze ab.
Legt man die bei diesen beiden Flaggschiffen der Branche sichtbaren Trends zugrunde, dürfte die im Februar 2010 fällige Feri/Loipfinger-Marktstudie unter dem Thema „Marktbereinigung" stehen.
(Martin Klingsporn)







