Waldfonds
Anlage auf dem Holzweg?
© Foto: Christoph Dudek - Fotolia.comInvestitionen in Wald und Holz erfreuen sich derzeit großer Beliebtheit. Die Emittenten versprechen hohe Renditen. Aber wie viel kann tatsächlich mit Holz verdient werden und mit welchem Risiko ist diese Assetklasse ausgestattet? finanzwelt ging diesen Fragen nach.
„Naturgemäße Dauerwaldbetriebe bieten gute Renditen, und das seit 90 Jahren.“ Dies formuliert der Naturschutzbund Deutschland (NABU) und schlägt vor, dass die Bürger sich daran beteiligen sollen: „Der öffentliche Wald dient allen und ist deswegen auch am besten in der Hand der Bürger aufgehoben, nämlich in einer Bürgerwald-AG.“
Wald erwirtschaftet gute Renditen, das behaupten auch Initiatoren geschlossener Fonds. Vier deutsche Emissionshäuser, die solche Investments anbieten, sprechen von einem „grundsoliden Anlagesegment“. Die derzeit angebotenen Fonds investieren weltweit, von Rumänien bis Brasilien. Die Fragen, die sich Anleger stellen, lauten: Wie viel wird tatsächlich mit Holz verdient und wie wird sich die Nachfrage nach Holz entwickeln?
Wir wollten dies herausfinden und baten zunächst die
Initiatoren um ihre Stellungnahme.
Der Fonds „Waldinvest I“ der Münchener Aquila Gruppe hat im Februar 2009 ein Portfolio von industriell genutzten Waldparzellen im Süden Brasiliens erworben. Die Preise für Waldgrundstücke sanken dort in 2009 um ca. 4,5 %, so der Zwischenbericht der Fondsgesellschaft. Im Jahr 2010 werden die Märkte demnach weiter unter dem Einfluss der globalen Krise stehen, wenn auch eine leichte Erholung der Schnittholzpreise gegenüber 2009 zu spüren sei. Laut Aquila wird geschätzt, dass erst ab dem Jahr 2011 die weltweite Holznachfrage und die Volumina der Jahre vor der Krise wieder erreicht werden können.
„Wir gehen davon aus, dass die Nachfrage nach Holz und damit auch die Holzpreise weiter steigen werden. Beliefert wird nicht nur die Bauindustrie, sondern auch die Energieindustrie, deren Bedarf derzeit hoch ist.“ Das Hamburger Emissionshaus Nordcapital GmbH ist also optimistisch. Der „Waldfonds 2“ investiert in Mischwälder in Rumänien. Laut Nordcapital liegen die aktuellen Waldpreise dort bis zu 75 % unter westeuropäischem Preisniveau. „Alle Faktoren sprechen trotz des temporären Nachfragerückgangs durch die Wirtschaftskrise für steigende Holzpreise“, bestätigt Jamestown, die US-Immobilien-Spezialisten aus Köln. Deren Fonds „Timber 1“ investiert in Forstgrundstücke im Süden der USA. Jamestown erwartet für Southern Pine Schnittholz, dass der in 2006 begonnene Preisrückgang zu Ende geht. „Die einerseits wieder anspringende Nachfrage durch den Wohnungsbau und das andererseits angewachsene Inventar an Schnittholz lassen eine langsame Preiserholung erwarten“, so das Unternehmen. Bei Southern Pine Industrieholz erwartet Jamestown einen steigenden Bedarf für die Herstellung von Papier und Pappe im Zuge einer weltweiten Konjunkturerholung.
Die KGAL GmbH & Co. KG, Emissionshaus aus Grünwald, hat derzeit einen neuen Waldfonds in der Planung. Der Vorgängerfond „Timber Class 1“ investierte in Wälder in den US-Bundesstaaten Texas, Louisiana, Georgia und Alabama. „Anhand der vorliegenden Daten zu Waldtransaktionen zeigt sich, dass sich die Preise für Waldgrundstücke auch in der Krise bislang weitestgehend stabil entwickelt haben“, erklärte KGAL. Auch für die Zukunft könne mit einer stabilen Entwicklung der Preise für Waldflächen, insbesondere auch vor dem Hintergrund sich immer deutlicher abzeichnender Inflationsängste, gerechnet werden. „Bei den Holzpreisen hat die Immobilienkrise in den USA insbesondere im Bereich Bauholz die Preisentwicklung negativ beeinflusst. Allerdings weisen die letzten Preisdaten für den Südosten der USA in allen Holzsortimenten eine Stabilisierung, teilweise aber bereits auch wieder deutliche Steigerungen auf. Mittel- bis langfristig ist bei den Holzpreisen aufgrund der positiven Nachfragefaktoren mit einer weiteren Erholung zu rechnen“, so das Unternehmen weiter.
Zusammengefasst ist feststellbar, dass die Einschätzungen der Emittenten zu den Märkten nicht eindeutig sind.
Um unsere Fragen weiter zu verifizieren, haben wir uns an
Wald- und Holzverbände gewandt und nach internationalen Preisstatistiken für Holz und Wald gefragt. Das Ergebnis war
eindeutig: Es gibt keine internationalen Preisstatistiken und
damit keine Statistiken, die fundierte Prognosen eerlauben.
Deshalb fragten wir erneut die Emittenten, auf welchen Daten
oder Statistiken die von ihnen geäußerten Erwartungen beruhen.
Nordcapital gab an, sich auf Gutachten der Universität Göttingen sowie auf die Annahmen eines eigens beauftragten Gutachters zu stützen.
Ähnlich äußert sich die Aquila Gruppe: „Wir stützen uns bei unseren Erhebungen auf die Expertise des vor Ort ansässigen Forstmanager – beim ‚Aquila Waldinvest I’ ist das Timber Value – und auf den Investment Adviser all unserer Waldinvestments, den europäischen Marktführer International Woodland Company (IWC).“
KGAL verweist auf „eine Vielzahl professioneller Marktbeobachter mit langer Tradition und umfassendem regionalen Know-how und Datenmaterial, auch aus dem Umfeld der Universitäten bzw. derer forstwirtschaftlichen Institute in den USA“.
Die Erwartungen von Jamestown basieren auf der aktuellen Studie von „Resource Information Sytems Inc.“ (RISI), einem Informationsdienst für den weltweiten Holzmarkt. RISI erstellt auch Studien für die Preisentwicklung von Kiefernholz im Süden der USA.
Die Emissionshäuser berufen sich also auf Universitäten, Analysten und sonstige Experten. Gesicherte Aussagen zur Entwicklung der Holzpreise gibt es dort aber auch nicht. Mit großer Offenheit kommentiert KGAL diese Tatsache: „Da insbesondere bei Prognosen über die kurzfristige Preisentwicklung einzelner Holzaggregate externe Faktoren, wie beispielsweise die Baukonjunktur, einen entscheidenden Einfluss haben, sind diese mit einer doch erheblichen Unsicherheit behaftet. Vor diesem Hintergrund sollte eine Investition in Wald flächen auch stets als mittel- bis langfristiges Investment gesehen werden. In Zeiten niedriger Holzpreise kann das Holz quasi kostenlos gelagert werden und wächst werterhöhend weiter“, so das Fazit des Emissionshauses.
Dem ist nichts hinzuzufügen. Die Substanz Wald ist sicher, die Höhe der Renditen eher weniger. Die Prospekte verbreiten viel Optimismus, die Prognosen könnten besser abgesichert sein.
(Dieter E. Jansen, Kim Brodtmann)







