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Indien – ein Riese, der positive Gefühle weckt

Asien-Immobilienfonds

Immer mehr Emissionshäuser kommen mit Asienfonds auf den Markt. Besonders Indien stößt auf eine starke Resonanz.

Überrascht und erfreut zeigte sich das Emissionshaus MPC Capital. „Nur rund eine Woche hat es gedauert, dann war der Immobilienfonds MPC Indien voll platziert“, konstatiert Ulrich Oldehaver, Vorstand der MPC Capital AG. In fünf Arbeitstagen konnte MPC für den Sachwert- Rendite Fonds Indien über 60 Mio. Euro einsammeln. Nach dem spektakulären Absatzerfolg plant der Marktführer für geschlossene Fonds zwei weitere Projekte in Indien. Zunächst aber wird der in mehreren asiatischen Ländern investierende MPC Sachwert-Rendite Fonds Opportunity Asien an den Start gehen, dessen Vertrieb eigentlich schon im vierten Quartal 2007 beginnen sollte. Wer aber speziell auf Indien setzen will und bei MPC zu kurz kam, muss auf die zweite, aber vielleicht auch dritte Chance warten. Gerade kam Sachsenfonds mit dem Indien 1 auf den Markt. „Das gesamte Volumen ist über Kontingente an wenige langjährige Vertriebspartner vergeben“, dämpft Hans Heinrichs, Chef von Sachsenfonds, die Hoffnung, hier etwas abzubekommen. Gleichzeitig kündigt DCM seinen Fonds Indien 1 an, und im Sommer will Sachsenfonds bereits den Indien 2 anbieten.

Warum ausgerechnet Indien? Ist nicht China der Wachstumsmotor der Weltkonjunktur? Und geht der Blick nicht zuerst einmal nach China, wo in diesem Jahr die Olympischen Spiele stattfinden, die dem Riesenland einen weiteren Entwicklungsschub geben dürften? Immerhin ist China die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt, hat die Bundesrepublik als Exportweltmeister überholt. Warum Indien, fragt auch DCM und lässt Bundeskanzlerin Angela Merkel zu Wort kommen: „Indien ist ein Land mit riesigen Chancen“, erklärte sie nach ihrem Besuch auf dem Subkontinent im November letzten Jahres. Während China be - reits eine gigantische Wirtschaftsmacht ist, gilt Indien als schlafender Riese, der gerade erst erwacht. „Das Land mit einer Milliarde Einwohnern wird endlich zum wirtschaftlichen Riesen“, prognostiziert Dr. Wolfgang- Peter Zingel vom Südasien-Institut der Universität Heidelberg. „Der Riese kommt in Fahrt“ steht auf dem Sachsen - fonds-Prospekt. Allerdings: Schon viele Jahre gilt Indien als Hoffnungs träger, ohne die Erwartungen erfüllen zu können. Aber jetzt scheint das anders zu sein.

Indien ist die drittgrößte Volkswirtschaft der Erde nach den USA und China. Die Bevölkerung wächst kräftig, 2025 wird Indien das bevölkerungsreichste Land der Erde sein. Indien hat eine aufstrebende Mittelschicht, die konsumfreudig ist (davon profitieren der Einzelhandel und die Nachfrage nach Wohnungen). Die Bevölkerung ist mit einem Durchschnittsalter von unter 25 Jahren sehr jung, ist gut ausgebildet, viele beherrschen die englische Sprache. Während China als die Werkbank der Welt gilt, ist Indien das Backoffice. Und: „Indien weckt positive Gefühle beim Anleger“, meint Claus Hermuth, Vorstandsvorsitzender DCM AG.
Während der MPC Fonds an drei Standorten in Indien Appartementanlagen errichtet, setzen Sachsenfonds und DCM auf alle Nutzungsarten: Wohnen, Büro, Einzelhandel und Hotels. Es wird nicht in Bestandsimmobilien investiert, sondern in Projektentwicklungen. Die Rendite wird über Wertsteigerung erzielt, die beim Verkauf realisiert wird, deshalb können keine jährlichen Ausschüttungen prognostiziert werden. Die Auswahl der Projekte/Zielfonds liegt in den Händen von Partnern, die über Erfahrungen und ein Netzwerk in Indien verfügen. Alle drei Indienfonds haben eine Zwischengesellschaft in Mauritius eingeschaltet. Die Rendite entsteht durch Verkauf der Zielfonds in Indien, und den Gewinn können Gesellschaften in Mauritius steuerfrei vereinnahmen. Der Verkaufserlös soll in Deutschland nicht der Abgeltungssteuer unterliegen, weil die Beteiligungen vor dem 1.1.2009 erworben wurden.
Eine Alternative für Indienfans bietet der Bayernfonds Asien 1, der rund 35 bis 40 % in Indien – auch in alle Nutzungsarten – investiert. Auch er bietet steuerfreie Ausschüttungen durch eine Genussscheinstruktur. Genussscheine profitieren wie Aktien von der Übergangsregelung bei der Abgeltungssteuer, die für Zertifikate nicht gilt. Die Gewinne aus Genussscheinen bleiben von der Abgeltungssteuer (25 % plus Solidaritätszuschlag) befreit, wenn diese vor dem 1.1.2009 erworben wurden. „Neben der starken Gewichtung Indiens ist das ein Alleinstellungsmerkmal unseres Fonds im Vergleich zu den zahlreichen Asien-Fonds, die derzeit auf dem Markt sind“, meint Andreas Heibrock, Mitglied der Geschäftsleitung der Real I.S.. Der Fonds, der im Herbst letzten Jahres aufgelegt wurde, hat bereits einige konkrete Projekte gezeichnet und kürzlich die Errichtung einer Appartementanlage in Hyderabad als Direktinvestment aufgenommen.
Eine entgegengesetzte Strategie im Hinblick auf Indien verfolgt der gerade neu aufgelegte Asien-Immobilienfonds IVG Balanced Portfolio Asia, der bevorzugt in Japan, Hongkong, Singapur und Südkorea und die aufstrebenden Länder China, Malaysia und Thailand investiert. Zwei Zielfonds dürfen in Indien investieren, das jedoch nicht die oberste Priorität ge - nießt. Insgesamt wurden fünf Zielfonds ausgewählt. „Die Auswahl der Manager der Zielfonds hat zentrale Bedeutung für die Performance eines Asien-Fonds, der neben Core plus und Value Added auch opportunistische Strategien verfolgt“, meint Georg Reul, Vorstandsmitglied der IVG und für den Geschäftsbereich Funds zuständig, zu dem die geschlossenen Fonds gehören. „Deshalb haben wir einen systematischen Evaluationsprozess durchgeführt, aus dem sich fünf international erfahrene und lokal vernetzte Manager als Partner ergeben haben.“ Die Auswahl der richtigen Partner mit einem guten Netzwerk vor Ort wird von allen Anbietern als besonders wichtig hervorgehoben. Einige der Partner tauchen bei mehreren Angeboten auf.

Bis zum letzten Jahr war Asien ein weißer Fleck auf der Landkarte der geschlossenen Immobilienfonds. Derzeit werden neun Asien-Fonds angeboten, und weitere dürften hinzukommen. „Asien ist ein sehr interessanter Markt und wird derzeit von uns sehr intensiv geprüft“, meint Wolfgang Müller, Geschäftsführer der BVT Unternehmensgruppe. Die Münchner tendieren zu einem Asien-Fonds, der in ausgewählte Länder investiert.

(Dr. Leo Fischer)


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