Sicherer als ihr Ruf?
Assetklasse Private Equity
Nach drei Jahren Flaute herrscht bei den Private-Equity-Fonds eine neue Aufbruchstimmung. Die Fonds melden ein deutlich gestiegenes Trans-aktionsvolumen und die Verwalter berichten von erfolgreichen Exits außerhalb der Börse. In den USA und Großbritannien gab es die ersten erfolgreichen Börsengänge von Firmen, die mit Wagniskapital finanziert wurden. Die Zeiger der Private-Equity-Uhr stehen auf Einstieg.
Allerdings: Noch halten sich die privaten Anleger zurück.
Außerbörsliche Beteiligungen - Private Equity - waren in Deutschland lange Zeit unbekannt. Erst die Börseneuphorie Ende der 90er Jahre und die damit verbundene Welle der Neuemissionen machten diese in den angelsächsischen Ländern schon länger hoch geschätzte Anlageform auch in Deutschland bekannt. "Noch hat Private Equity nicht den großen Durchbruch im Rahmen alternativer Unternehmensfinanzierung geschafft", räumt Gerhard Baumeister von Wunderlich und Partner ein, die einen speziellen Mittelstandsfonds herausgebracht haben. "Aber die Zeit ist reif, der Markt birgt großes Entwicklungspotenzial", glaubt Baumeister. Nicht zuletzt auf Grund der Kurserholung an den Aktienmärkten ist eine Aufbruchstimmung bei den Initiatoren von Private-Equity-Fonds zu erkennen.
Nur bei bei den Venture-Capital-Beteiligungen (VC) spielt der Ausstieg via Going Public und damit der Trend an der Börse eine wichtige Rolle. Aber von Bedeutung ist die Börse auch für die allgemeine Stimmung. "Die positive Entwicklung an den Aktienbörsen hat zu einer generellen Verbesserung des Anlageklimas geführt", konstatiert Robert List, Geschäftsführer der BVT.
Die konjunkturelle Abschwächung und die Baisse an den Aktienmärkten hatte allerdings auch ihr Gutes. Es kam zu einer Marktbereinigung unter den Private-Equity-Gesellschaften. Die durchschnittliche Qualität der Portfoliounternehmen hat sich verbessert. Denn Engagements wurden sorgfältiger geprüft und bewertet. Damit einher erfolgte ein Rückgang der Preise. "Nach der abgeschlossenen Konsolidierung sind die Perspektiven für Neuinvestitionen ausgesprochen gut", meint Axel Jensen, Geschäftsführer der MPC Asset Consulting und fügt hinzu: "Der Private-Equity-Markt ist bereinigt und wir haben ein hervorragendes Einkaufsklima." Das zeigt im Übrigen auch die Private-Equity-Uhr des Managementpartners Global Vision AG.
In Deutschland haben sich zudem die steuerlichen Rahmenbedingungen erheblich verbessert. Nach dreijährigem Hick-Hack, der mit dem Kursrutsch an den Aktienmärkten zeitlich zusammenfiel, veröffentlichte das Bundesfinanzministerium endlich im Dezember 2003 den Private-Equity-Erlass, der eine sichere steuerliche Grundlage für die Private-Equity-Fonds schuf. Es ist nun klargestellt, unter welchen Voraussetzungen die Finanzverwaltung Private-Equity-Fonds als vermögensverwaltende Kommanditgesellschaften behandelt. Nur dann kommen die Anleger in den Genuss steuerfreier Gewinne aus dem Verkauf der Beteiligungen.
"Die Branche konnte sich beim Erlass in fast allen strittigen Punkten mit ihren Anliegen durchsetzen und ist erleichtert", meint Jeremy Golding, Chef von Golding Capital Partners, dem Manager der HCI-Private-Equity-Fonds. "Die Abgrenzung zwischen gewerblich und vermögensverwaltend ist klar definiert", erläutert Reiner Hambrecht, Geschäftsführer der SVF AG. "Mit dem Erlass können die Private- Equity-Fonds gut leben", resümiert Ludwig Nickl, Geschäftsführer der Global Vision AG. Allerdings weist Horst Güdel, Vorstand der RWB AG, die ausschließlich geschlossene Private-Equity-Fonds anbietet, darauf hin, dass der ganze Fonds als gewerblich infiziert werden könnte, wenn eine ausländische Beteiligung oder ein ausländischer Fonds die im Erlass aufgestellten Regeln nicht einhalte.
Langfristig ergeben sich hervorragende Wachstumsperspektiven für Private Equity, weil sich die Banken wegen der verschärften Eigenkapitalrichtlinien (Basel II) immer stärker aus der Kreditvergabe an Unternehmen zurückziehen, sodass diese verstärkt zu Private Equity als Finanzierungsalternative greifen. "Und immer mehr Unternehmen trennen sich im Rahmen von Restrukturierungen von ihren nicht zu den Kernkompetenzen zählenden Bereichen, eine Entwicklung, die an die 80er Jahre in den USA erinnert“, meint Dr. Dieter Brender, Vorstand der Global Vision AG. Damals erlebte Private Equity in den USA eine erste Blüte. "Wir rechnen mit einer dynamischen Marktentwicklung im Segment Private Equity", fasst Harald Christ, der Chef von HCI, die gute Grundstimmung in der Branche zusammen.
Ursprünglich war das Segment Private Equity vor allem den institutionellen Anlegern vorbehalten. Denn für ein Engagement in Fonds, die 20 oder 30 Engagements eingingen, waren Mindestanlagen von drei bis fünf Millionen Dollar erforderlich. Erst die Dachfondskonstruktion, bei der sich ein Fonds an bis zu 30 Private-Equity-Fonds beteiligt, die wiederum in rund 300 Einzelbeteiligungen investieren, ermöglicht dem Privatanleger ein Engagement in diesem attraktiven Sektor, der in der Vergangenheit nachweislich deutlich höhere Renditen brachte als börsennotierte Aktien. Eine Faustregel spricht von 15 bis 20 Prozent.
“Private Equity gilt immer noch als eine sehr riskante Anlageklasse”, stellen Tom Wiedig und Pierre-Yves Mathonet in ihrer Studie "The Risk Profiles of Private Equity" fest, die diese für den European Investment Fund (EIF) durchführten, welche im Auftrag der Europäischen Union als Katalysator für Venture Capital fungiert. Aber auch wenn die Assetklasse Private Equity als solche durchaus riskant ist, können Anlagen in dieser Anlagekategorie sogar null Verlustrisiko aufweisen. Das Geheimnis liegt in der erwähnten Dachfondskonstruktion, die überhaupt erst dem privaten Anleger den Einstieg in Private Equity ermöglichte.
Wiedig und Mathonet weisen nach, dass die Wahrscheinlichkeit eines Verlusts bei einem Direktinvestment in nicht börsennotierte Beteiligungen 30 Prozent beträgt. Ein Fonds, der über einen Zielfonds in ein breites Portfolio von nicht börsennotierten Beteiligungen investiert, kann dieses Risiko auf ein Prozent reduzieren. Und ein Dachfonds (fund of funds), der in eine Vielzahl von Private-Equity-Fonds mit einigen Hundert Einzelengagements investiert, kann dieses Risiko praktisch auf null drücken. Natürlich werden damit auch die Chancen nivelliert. Immerhin liegen die Renditechancen bei 15 bis 20 Prozent, während ein Einzelengagement durchaus auch einmal 100 und mehr Prozent bringen kann.
"Besonders attraktiv ist die Risiko-Rendite-Relation bei Small- und Mid-Cap-Buyout-Fonds", konstatiert RWB- Chef Güdel, dessen Fonds sich auf dieses Segment spezialisiert hat. "Denn Small- und Mid-Cap-Buyouts profitieren von den dort herrschenden Marktineffizienzen." Die Folge: Die Einstiegspreise sind hier deutlich geringer als bei den Mega-Buyout-Fonds und damit ergibt sich ein höheres Renditepotenzial. Ein weiterer Vorteil von Unternehmen mit Umsätzen von 25 bis 250 Millionen Euro: "In diesem Segment ist die Anzahl an potenziellen Zielunternehmen um ein Vielfaches größer als im Mega-Buyout-Bereich", konstatiert Güdel.
Noch sind die Platzierungszahlen von Private-Equity-Fonds in Deutschland ausgesprochen bescheiden. Im Jahr 2000 konnten die Private-Equity-Fonds immerhin 600 Millionen Euro einsammeln (Quelle: Stefan Loipfinger), im letzten Jahr waren es gerade noch 250 Millionen. Der Gesamtmarkt der geschlossenen Fonds (Immobilien, Schiffe, Windkraft, Film und Sonstige) umfasste 2003 ein platziertes Eigenkapital von über zehn Milliarden Euro.
"Private Equity ist trotz der hohen Renditechancen vielen privaten Investoren noch zu wenig bekannt und womöglich suspekt", glaubt Felix Goedhardt, der Chef der equitrust AG, die die Private-Equity-Fonds von Nordcapital managt, die als einziger Anbieter eine Bankgarantie gibt, derzeit aber keinen Fonds in der Platzierung hat.
Offenbar haben die Deutschen aber ein ambivalentes Verhältnis zu Private Equity. Eine Forsa-Umfrage ergab: 62 Prozent der Deutschen glauben, dass die zehn reichsten Mitbürger ihren Reichtum u.a. auch Engagements in nicht börsennotierten Beteiligungen verdanken. Nur Immobilien, Aktien, Anleihen und Investmentfonds wurden häufiger genannt. Die Lebensversicherung und alle geschlossenen Fonds rangieren hinter Private Equity.
(Dr. Leo Fischer)







