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Rentenfonds

Auf der sicheren Seite

Mit festverzinslichen Papieren ist man auf der sicheren Seite bei der Vermögensanlage, lautet eine zentrale Weisheit der Finanzbranche. Die stimmt auch – meistens. Derzeit scheinen allerdings die Dinge so durcheinander geraten, dass nichts mehr sicher scheint.

Ein Blick in die Ergebnisstatistik 2008 der Investmentfonds kennt nur Klasse mit weißer Weste, also positiven Resultaten über alle Zeithorizonte: die in Euro anlegenden Rentenfonds. Selbst die global und damit ganz oder teilweise in fremder Währung aktiven Fonds fuhren 2008 Verluste ein. Der großen Panik, die sich nach und nach auf alle Finanzmärkte ausbreitete, hielten nur die Staatspapiere der großen Industrieländer stand. Die Intensität der Panik lässt sich am ehesten an der Explosion der Risikoprämien zwischen den erstklassigen und den immer noch guten Papieren erkennen.

Der Abstand zwischen den AAA-Anleihen und den BBB-Papieren verrät eine Menge über die Verfassung des Marktes: Die BBB-Papiere liegen am unteren Rand der Investmentqualität, sie zählen damit aber immer noch zu den „guten" Papieren, die praktisch alle Fonds ins Portfolio nehmen können. Erst darunter, ab BB (bei Moody's Ba) beginnt der spekulative Bereich mit nennenswerten Ausfallwahrscheinlichkeiten, in dem sich nur noch die Spezialisten für High-Yield-Anleihen tummeln. Die anderen Fonds dürfen sich in diesem Bereich meist nicht engagieren mit der Konsequenz, dass im Rating abrutschende Papiere komplett verkauft werden müssen, während aufsteigende angeschafft werden. Daher gibt es bei den Anleihen an dieser Grenze immer wieder starken Handel, der auf die Auf- oder Abstufungen mit entsprechend heftigen Kursbewegungen spekuliert.

Schaut man sich von dieser Seite her die Marktverfassung an, ist der Nachholbedarf der Papiere mit schwächeren Bonitäten klar erkennbar: Die allgemeine Risikoneigung vor allem der Banken hat sich deutlich verbessert, wie die zweite Prämie des Chart zeigt. Hier wird der Abstand der drei Monate laufenden Anlagen zwischen den Banken zum LIBOR-Satz zu den ebenfalls drei Monate laufenden Schatzwechseln („USchätzen") der Bundesregierung erfasst. Man sieht deutlich den Lehman-Haken in dieser Kurve. Als mit der Lehman-Pleite klar war, dass auch Großbanken pleitegehen können, verfünffachte sich diese Prämie über Nacht von 75 auf rund 350 Basispunkte (Bp), nachdem sie sich zuvor in den ersten Krisenmonaten schon verdreifacht hatte (von rund 25 auf 75 Bp). Mittlerweile haben die Lockerungsübungen der Notenbanken insoweit gefruchtet, dass der Geldmarkt sich entspannt hat. Entsprechend bildete sich dieser Risiko-Anzeiger weit zurück auf jetzt noch etwas mehr als 50 Bp, was schon fast wieder dem oberen Rand des Normalen entspricht.

Die Risikoprämien des Anleihemarktes stehen dagegen immer noch in den Größenordnungen der Lehman-Pleite. Der Brandherd „Bankenkrise" ist unter Kontrolle, das Feuer aber nicht. Es sind weitere Ängste und Fragen aufgetaucht - nicht zuletzt weil die staatlichen Feuerwehren in den USA und Europa so heftig gelöscht haben. Denn das Löschmittel war Bargeld, mit dem beiderseits des Atlantiks Finanzmärkte geflutet, Banken gerettet und Konjunkturprogramme finanziert wurden. Die Notenbanken sind mit ihren Leitzinsen praktisch bei null angekommen, Wirkung können sie jetzt nur noch durch die Notenpresse erzielen.

Die Zentralbanken kaufen bei den Geschäftsbanken Finanztitel in großen Mengen gegen frisches Geld auf. Die Banken sollen so liquide bleiben und gleichzeitig die Zinsen und Renditen mit längeren Laufzeiten niedrig bleiben. Vor allem die US-Notenbank versucht sich darin mit immer zweifelhafterem Erfolg (siehe Chart 2). Genau diese Renditen steigen aber inzwischen wieder: Im November konnte die FED mit der Ankündigung, Staatsanleihen anzukaufen, die Renditen halbieren, von knapp 4 % auf rund 2 % innerhalb weniger Tage. Seit Mitte Dezember hat sich der Wind gedreht, die US-Renditen sind steil auf derzeit etwa 3,25 % gestiegen. Dahinter steht zunächst der ganz normale Effekt gestiegener Nachfrage auf die Preise: Die Finanzminister sammeln nämlich derzeit frisches Geld mit neuen Anleihen bei den Investoren in einer nie zuvor da gewesenen Größenordnung ein. Damit treiben die Finanzminister den Preis nach oben. Hinzu kommt aber noch ein zweiter Effekt: Mit den immer größeren Schulden wächst auch die Furcht vor einer neuen Inflationswelle, weil sich die Regierungen die reale Schuldenbelastung auf diesem Weg vom Hals schaffen könnten. Bestärkt wird die Inflationsfurcht durch die derzeitige Praxis der US-FED, Staatsanleihen in Bargeld zu verwandeln. Solch eine Staatsfinanzierung führte zur deutschen Hyperinflation der 20er Jahre. Allerdings lässt die aktuelle Konjunkturschwäche auf absehbare Zeit kaum Inflation zu.

Damit bleiben drei Eckpunkte für die Anlagestrategie: 

  • Das allgemeine Niveau der Renditen ist immer noch sehr niedrig im historischen Vergleich, es wird mit der Normalisierung der Konjunktur anziehen. Das spricht für kurze bis mittlere Laufzeiten (max. 5-6 Jahre), um die Kursverluste bei steigenden Renditen zu begrenzen.
  • Die Inflationsfrage deutet in die gleiche Richtung: Kurzfristig besteht wenig Gefahr. Es ist aber völlig offen, in welchem Zustand die Staatsfinanzen und in welcher Verfassung die Politiker aus der Krise herauskommen.
  • Die Risikoprämien, vor allem der mittleren bis schwächeren Bonitätsklassen, sind übertrieben hoch und werden sich zurückbilden.

Damit zeichnen sich zwei interessante Anlagechancen ab: Zum einen sollten Anleihen aus dem Spektrum High-Yield und Unternehmen gut abschneiden. Eine zusätzliche, spezielle Chance bieten die immer noch vorhandenen übertriebenen Differenzen zwischen den verschiedenen Staatsanleihen aus dem Euroland. Mit Irland, Griechenland oder Spanien sollten da ebenfalls gute Erträge erzielbar sein.

Die ersten beiden Fonds sind stärker auf den Investmentgrade (AAA-BBB) ausgerichtet, der BlueBay-Fonds legt ausschließlich im spekulativen Bereich (unterhalb BBB) an.

(Martin Klingsporn)


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