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Datum: 02.11.2011

Auf der Suche nach „sicheren“ Häfen

Sicherheit wiegt schwer in volatilen Zeiten. Sind die nordischen Staaten in diesem Zusammenhang ein geeigneter Zufluchtsort? finanzwelt bat Claus C. Carøe, Lead Portfolio Manager bei Sparinvest und Fondsmanager des Sparinvest Long Danish Bonds (WKN A0LFW9), um Stellung.

finanzwelt: Die Schuldenkrise offenbart, welche Staaten  derzeit eine gute Wirtschaftspolitik fahren. Welche Gründe sprechen für Skandinavien?

Claus C. Carøe: Die öffentlichen Haushalte der skandinavischen Länder sind im Vergleich zum Rest Europas in einer deutlich besseren Verfassung. Dennoch sind die Anleihemärkte der vier Länder Norwegen, Dänemark, Schweden und Finnland sehr unterschiedlich. So erwirtschaftet Norwegen laufend Überschüsse aus seinen Öl-Einnahmen und hat daher nur einen sehr kleinen Anleihemarkt. Der dänische Rentenmarkt verfügt dagegen über eine sehr solide heimische Investorenbasis, die sich stabilisierend auswirkt. Das Gegenteil ist in Finnland der Fall: Der Markt dort wird durch eine sehr große nicht-einheimische Investorenbasis geprägt. Denn Finnland ist in der Euro-Zone das Land mit dem niedrigsten Schuldenstand im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt. Der Einfluss, den internationale Anleihe-Investoren durch Verkaufsabsichten trotz ansonsten guter Fundamentaldaten auf den finnischen Markt ausüben, wurde 2011 sichtbar. Last but not least Schweden. Das Land kann – dank der eigenen Währung – seine eigene Geldpolitik verfolgen und ist hier sehr klug vorgegangen: Schweden zählt in Europa zu den Staaten mit dem höchsten Wirtschaftswachstum.

 

finanzwelt: In der Anlageregion Skandinavien lohnen Schweden, Norwegen und Dänemark einen näheren Blick. Lassen sich die drei Staaten einfach zusammenfassen oder gibt es gravierende Unterschiede?

Claus C. Carøe: Vor allem mit Blick auf den “risiko-freien” Part eines Portfolios sind die Länder einen Blick wert – weniger als kurzfristiges Investment. Man muss jedoch bedenken, dass die drei Wirtschaftsräume sehr unterschiedlich strukturiert sind. Norwegen ist das Saudi-Arabien Skandinaviens, Schweden ist bezogen auf seine Industrie der Global Player und Dänemark ist der Lieferant von Komponenten und Dienstleistungen an die EU und die gesamte Welt. Mit Blick auf die Anleihemärkte sollte man sich zudem bewusst machen, dass die Wechselkursschwankungen zwischen dem Euro und der Schwedischen und Norwegischen Krone verglichen mit der zu erwartenden Rendite beachtlich sind. Daraus ergibt sich, dass die norwegische und schwedische Zinskurve zeitweise erheblich (in Höhe und Form) von der europäischen beziehungsweise deutschen abweichen wird. Wohingegen die dänische Zinskurve tendenziell der deutschen ähnelt – abgesehen von einem kleinen Spread. Anleger sollten dies im Hinterkopf behalten, je nachdem, ob sie dies als Chance – im Fallen Schwedens und Norwegens – oder als Sicherheitsfaktor – bezogen auf Dänemark – betrachten.

 

finanzwelt: „Solide Finanzen ohne Euro-Risiko“, dies könnte zumindest für Schweden und Norwegen zutreffend sein. Ist der Währungsaspekt ein Bonus (->Staatsanleihen)?


Claus C. Carøe: Während der Euro-Krise war es für Länder wie Schweden und Norwegen überhaupt kein Nachteil, seine eigene Währung zu haben. Das gleiche gilt auch für Dänemark – allerdings haben die Dänen ein Abkommen mit der Europäischen Zentralbank, in dem sich das Land verpflichtet, den Wechselkurs der Dänischen Krone zum Euro stabil zu halten. Davon zeugen auch die dänischen Währungsreserven, die sich auf einem Allzeithoch von 450 Milliarden Dänische Kronen befinden. Die Gründe: Zum einen das große Interesse ausländischer Investoren, zum anderen die Tatsache, dass dänische Institute ihre Anleihen-Investments in den Heimatmarkt zurückführen.

Zusammengefasst: Ja, alle drei Länder fungierten wie deutsche Bundesanleihen im 3. Quartal als „Safe Haven“, während Anleger recht solide europäische Anleihen von Staaten wie Frankreich, Holland und Finnland verkauften. Vor allem Schweden und Norwegen waren von den Euro-Risiken nicht betroffen. Man sollte jedoch nicht die Augen vor anderen Risikofaktoren verschließen: So ist die norwegische Wirtschaft enger mit dem US-Dollar verflochten als viele andere europäische Länder – und zwar nicht nur wegen der Öl-Industrie, sondern auch aufgrund historischer Gründe wie Handelsstrukturen, Schifffahrtsindustrie und der geografischen Lage am Rande Europas. Derartige Risiken wurden 2011 jedoch weniger beachtet, denn im Fokus stand die Euro-Krise.

 

Das Interview führte Alexander Heftrich


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