Aktienfonds
Auf der Suche nach dem kleinen Unterschied

finanzwelt hat die Entwicklung der Top-10-Aktienfonds näher untersucht.
Ein Blick auf die 10 Top-Investmentfonds, die mit ihrem Gesamtvolumen von über 40 Mrd. Euro als Marktführer im Segment „Aktien international“ in Deutschland gelten dürfen, zeigt fast durchgängig eher unerfreuliche Ergebnisse: Lediglich einer von ihnen hat tatsächlich Geld verdient im Horizont von 12 Monaten. Und doch zeigt die letzte Zeile der Tabelle: Alle haben ihren Bonus verdient und selbst das schwächste Ergebnis darf von den Managern des M&G Global Basics als Erfolg gefeiert werden: Auch sie haben mit einem Minus von „nur“ 22,2 % immer noch den Index geschlagen, für den ein Minus von 24,8 % zu notieren ist.
Ob es allerdings dauerhaft reicht, solche „Erfolge“ vorzuweisen, um die Kundschaft von der Abwanderung in das ETF-Segment abzuhalten, darf bezweifelt werden.
Ein näherer Blick auf die Verläufe zeigt denn auch, dass das Ergebnis bei Carmignac kein Zufall ist, sondern Folge einer glücklichen strategischen Entscheidung. Wir haben in unserem Chart neben dem Carmignac-Fonds noch den DWS Akkumula berücksichtigt, der beim Performance-Vergleich immerhin als Zweiter durchs Ziel ging. Als weiterer Bezugspunkt dient der MSCI World Index als allgemein übliche Benchmark für global anlegende Aktienfonds. Als Startpunkt haben wir den Juli 2007 gewählt, denn in diesen Wochen kamen die ersten Meldungen über Schieflagen von Hedgefonds, die in verbrieften Hypotheken aus dem Subprime-Segment angelegt hatten: Die Krise nahm ihren Anfang und zog erst einmal alle Kurse in den Keller, dem Abwärtssog konnte sich nichts und niemand entziehen. Spannend wird es erst im Oktober 2008: Dort wechselt der Trend des Carmignac-Fonds auf einen positiven Pfad, während der MSCI World und der indexorientierte Akkumula bis März nochmal jeweils rund 10 Prozentpunkte verlieren.
In diesen Wochen fährt das Management um Edouard Carmignac den entscheidenden Vorteil ein: Sie richten ihre Anlage an zwei zentralen Grundtrends aus und positionieren sich neu. Gut ein Drittel geht in Gold, Liquidität und defensive Sektoren wie etwa Versorger. Der „offensive“ Teil des Depots wird auf erkannte Trends ausgerichtet. So setzte die Carmignac-Truppe weiter auf das Thema Schwellenländer, wobei zwei Schwerpunkte erkennbar waren: Osteuropa, Brasilien, China und Indien blieben im Fokus, der Devise folgend „die großen Schwellenländer verfügen über interne Wachstumsmotoren“, die in der Krise für neuen Schub sorgen werden, was auf die binnenmarktorientierten Titel zielte. Daneben wurde der Rohstofftrend früh erkannt und genutzt. Ergänzend wurden europäische Small- und Midcaps ins Depot genommen, sofern sie sich unter Wachstumsgesichtspunkten empfehlen konnten.
Die zuletzt bekannt gewordenen Stellungnahmen deuten allerdings mittlerweile auf eine gewisse Vorsicht: Chefvolkswirt Frédéric Leroux geht zwar davon aus, dass der Tiefpunkt der Krise überwunden sein dürfte, bleibt aber bei der eher defensiven Allokation mit knapp einem Drittel absichernder Positionen in Gold und Liquidität. Vor allem in den USA fehle es an wichtigen Voraussetzungen, bevor der Aufschwung sichtbar werden könne: „In diesem Kontext sehen wir den globalen Aufschwung erst als solide verankert, wenn es zu einem deutlichen Anstieg der Lagerbestände kommt und sich auch der Welthandel erholt: Zwei Bedingungen, die für den erneuten Anstieg der Investitionen bedeutend sind“, heißt es etwa bei Investmentmanager Eric le Coz, der allerdings „nicht besonders beunruhigt ist“: Auch die USA würden sich im Laufe der nächsten Monate dank des Konjunkturprogramms und der wieder flott gemachten Banken deutlich erholen. Diese Hinweise darf man wohl so verstehen, dass eine auch in den USA deutlicher erkennbare Erholung zu einer Revision des Portfolios hin zu einer offensiveren Aufstellung folgen wird.
Diese bewusst jenseits der Standard-Strategien gewählte Aufstellung ist offenbar ein Erfolgsrezept, das vom Carmignac-Team verwaltete Kundenvermögen stieg innerhalb von 7 Jahren von knapp 790 Mio. Euro auf 15,2 Mrd. Euro, also fast das Zwanzigfache, wobei die Gesellschaft offenbar weitgehend unabhängig von einer Bankenmutter arbeitet: Das Kapital liegt nach Angaben des Unternehmens vollständig bei den Mitarbeitern des Hauses. In dieser Unabhängigkeit sehen die Carmignac-Leute auch die Voraussetzung für ihren Stil, der ohne irgendwelche Indizes als Benchmark auskommt: In ihrem Universum existieren letztlich nur interessante und weniger interessante Märkte und die klare Vorgabe, Gewinne zu erzielen. Ebenfalls bemerkenswert sind die Angaben zu den Kunden: Demnach sind 65 % des Volumens durch „unabhängige Berater“ platziert worden, während Banken lediglich mit einem Anteil von 19 % und institutionelle Kunden mit 10 % geführt werden. Die direkt von Carmignac betreuten Privatkunden machen die restlichen 6 % der Kundschaft aus. Sofern die – im Geschäft mit französischen Häusern allerdings hohen – Kulturschranken übersprungen werden können, ist Carmignac sicher ein höchst interessanter Partner für freie Vertriebe, die auch bei den Investmentfonds Wert legen auf Qualität und ernst zu nehmende Alleinstellungsmerkmale.
(Martin Klingsporn)
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