130/30-Investmentfonds
Auf der Suche nach dem verlorenen Alpha

„Hedgefonds light“ zeigen bisher schwache Performance.
Ihre Einführung galt als eine der wichtigsten Reformen des Investmentrechtes, hier und da wurde gar die Zukunftsfähigkeit des Finanzplatzes Deutschland von ihrer Reform abhängig gemacht: die 130/30- Fonds, die auch als „Hedgefonds light" bekannt sind. Ihren Namen verdanken sie ihrer speziellen Konstruktion, die zwei Portfolios enthält: Ein Long-Portfolio, in dem konventionell angelegt wird und ein Short- Portfolio mit Leerverkäufen, in dem Papiere mittels Derivaten verkauft werden. Diese Papiere werden gar nicht erst angeschafft, sondern nur geliehen, denn die Spekulation geht hier auf fallende Kurse. Die verkauften, zunächst nur geliehenen Papiere werden - wenn alles gut geht - später zu niedrigeren Kursen angeschafft und an den Ausleiher zurückgegeben.
Mit diesen Instrumenten ist - rein theoretisch - eine sogenannte Alphastrategie möglich. Gemeint ist damit: „Gute" Fondsmanager können mithilfe der Long-Short-Strategien der Hedgefonds dauerhaft den Markt schlagen, weil der simultane Verkauf (Short) schwacher Aktien und Kauf (Long) starker Aktien den Gewinn nach oben hebelt. Weiterer Vorteil der 130/30-Formel: Netto liegt die Investmentposition bei 100 %, ein durchschnittlicher Manager sollte also wenigstens das erzielen, was mit den normalen „Long-only"-Fonds erreicht wird. Der Unterschied liegt also zunächst nur in der Fähigkeit des Managements, über- und unterdurchschnittliche Papiere zu finden. Das Short-Portfolio erlaubt zudem Erträge auch in fallenden Märkten. Diese Fonds sollten also besonders in schwierigen Zeiten Vorteile haben.
Die große Sehnsucht der Manager von Publikums-Investmentfonds, auch ein wenig am Glanz der Hedgefonds-Gurus teilzuhaben, tat ein Übriges: Nachdem der Gesetzgeber 2004 den Weg freimachte, sprossen allenthalben 130/30-Fonds. Wer heute in den einschlägigen deutschen Quellen sucht, kann fast 150 Angebote finden, hinter denen etwa 30-40 Fonds mit verschiedenen Tranchen stehen. Eine Erfolgsgeschichte wird die ganze Sache dennoch nicht. Die Ergebnisse sind gerade auch in der jüngeren Zeit eher schwach (siehe Chart 130/30-Fonds), nur wenige Fonds bringen Ergebnisse oberhalb des Börsentrends. Und selbst diese relativ guten Fonds zeichnen sich nur durch relativ kleinere Verluste aus. Die Masse der Fonds weist Minusergebnisse von 40-50 % für die letzten 12 Monate aus, entsprechend dem Börsenverlauf. Angesichts des Anspruchs an die 130/30- Konzeption darf man das schon als Enttäuschung bezeichnen. Die Konzeption hält nicht, was ihre Propagandisten einst versprachen. Aber: Wann, wenn nicht in der aktuellen Lage, sollen diese Fonds denn ihre Stärken ausspielen?
Entsprechend dieser unbefriedigenden Performance fallen auch die Zuflüsse aus: Die meisten 130/30-Fonds dümpeln mit Volumina im einstelligen Millionenbereich dahin. Auf einer so schmalen Basis lassen sich dauerhaft weder ein vernünftiges Fondsmanagement finanzieren noch ausreichende Margen für eine Investmentgesellschaft erzielen. Das ganze Segment ist reif für eine Konsolidierung, wie auch Anke Hallmann, Sprecherin der DWS, zugesteht.
Sie sieht allerdings auch Gründe für die generell schwache Performance der 130/30-Fonds: Diese Gruppe ist direkt in eine schwierige Börsenphase hinein gestartet. Das 130/30-Konzept bietet aber nur einen Hedgefonds light und eben nicht die vollen Möglichkeiten, konsequent auf fallende Börsen zu wetten. Mit einem 130/30- Fonds „kann man sich nicht vom allgemeinen Trend abkoppeln, man kann ihn allenfalls dämpfen", so Hallmann. Tatsächlich sieht es zumindest für die DWS-Fonds sogar noch ein bisschen schlechter aus (siehe Chart DWS 130/30): Das DWS-Flaggschiff, der bekannte Vermögensbildungsfonds, ist selbst in der Krise (von Juni 2007 bis heute) besser gelaufen als der DWS-Fonds Deutsche Aktien 130/30. Der Vergleich mit dem (hier nicht berücksichtigten) 130/30 Global Equity ergibt qualitativ das gleiche Ergebnis: Dem zusätzlichen Aufwand für die komplexere Strategie steht ein Ertragsnachteil gegenüber - in einer für 130/30-Fonds vorteilhaften Konstellation.
Offenbar gibt es eben doch nicht so viele Fondsmanager mit der wundersamen Fähigkeit, „Alpha" - also durch Stockpicking über dem Markttrend liegende Renditen - zu generieren. Und erst mit diesem Alpha lohnen sich der zusätzliche Aufwand für das erweiterte Research und das erhöhte Risiko. Für Arlette van Ditshuizen, die bei der niederländischen Robeco den noch sehr kleinen Fonds 130/30 European Equities verhältnismäßig erfolgreich managt, ist das Research der Schlüssel zum Erfolg. Hinzu kommt aber auch eine bemerkenswerte Sicht auf die Asset Allocation, wenn sie den Vorteil der 130/30- Konstruktion so beschreibt: „Bei ‚Longonly'- Portfolios können optimale Untergewichtungen nicht realisiert werden, weil die maximale Untergewichtung gleich dem Indexgewicht ist. Kleiner als null kann es nicht werden. Mit den Short-Positionen können wir diese Grenze umgehen."
Im Gegensatz zu diesem sehr stark an der klassischen Portfolio-Selection orientierten Ansatz steuert Anas Chakra seinen FAST Europe Fund bei Fidelity nach einem konsequenten Bottom-up-Ansatz. Auch die sektorale Allokation „ergibt sich aus der Auswahl der Einzeltitel", wie er schreibt. Die Konstruktion des Short-Portfolios geschieht dabei völlig getrennt vom Long-Portfolio, bei der ein ausschließlich auf die Shortside ausgerichteter Analyst dem Management zuarbeitet. Dieser relativ erfolgreiche Fonds ist allerdings nur institutionellen und erfahrenen privaten Anlegern zugänglich, die Mindestanlage ist zudem auf 50.000 Dollar festgeschrieben.
Wie der Vergleich zeigt, können unterschiedliche Strategien zum Ziel führen, die jedoch immer auf ein umfassendes quantitatives Research gestützt sind. Das ist aber nur dann ohne ausufernde Kostenquoten darstellbar, wenn die Fonds genügend Volumen erreicht haben. Insofern ist die Fondsgröße bei diesen Fonds stärker noch als bei anderen ein wichtiges Qualitätsmerkmal, das neben der Ergebnis-Rennliste beachtet werden sollte.
(Martin Klingsporn)







