Der ärmste Kontinent mausert sich derzeit zur neuen Investmentstory.
Ausgerechnet Afrika

Die realen Wachstumsraten lagen im Durchschnitt der 80er Jahre bei 1,7 %, in den 90ern waren es 2,3 % und im laufenden Jahrzehnt werden bis jetzt 4,8 % verzeichnet. Ansätze zu diesem vorausgesetzten Wachstumsspurt sind also erkennbar.
Mit dem besseren Wachstum ging eine Verbesserung der Finanzstrukturen einher: Budget-Defizite wurden beschnitten und die Staatsverschuldung zumindest relativ zum Einkommen abgebaut und die Position gegenüber dem Ausland verbessert durch eine stärkere Exportorientierung. Reichlicher fließende Erlöse ergeben tendenziell sinkende Leistungsbilanzdefizite und damit auch weniger Abhängigkeit von der Finanzierung durch das Ausland.
Die Chancen zeigt eine Langfristprojektion aus dem Research von Goldman Sachs, die den Durchschnitt der realen Wachstumsraten bis 2050 bei 6 % jährlich ansetzt, was in etwa auf eine Verzehnfachung der Wirtschaftsleistung hinausläuft. Der aus Anlegersicht spannendste Teil dieser Erfolgsgeschichte werden zunächst die Infrastruktur-Investitionen sein, die für den gleichen Zeitraum bis 2050 auf etwa 1.000 Mrd. USD (eine Billion in europäischer Lesart) geschätzt werden. Davon soll ein Drittel auf Nigeria entfallen, das bevölkerungsstärkste und dank der Ölreserven potenziell auch reichste Land der Region. Diese Investitionen umfassen die Versorgung mit Strom, kabel- und funkbasiertes Telefonieren einschließlich Internet sowie Flug- und Straßentransport. Wasserversorgung und Abwasserentsorgung bleiben ebenso ausgeblendet wie die typisch öffentliche Infrastruktur, wie Schulen oder medizinische Versorgung, die ja auch interessante zusätzliche Märkte bilden.
„Südafrika ist das Tor zum afrikanischen Kontinent, einer wirtschaftlich noch weitgehend unerschlossenen Region mit wenig Wettbewerb“, rückt Nick Price,Fondsmanager beim Investmentfonds- Anbieter Fidelity International, den wichtigsten afrikanischen Markt in den Mittelpunkt.
Die Kap-Republik hat sich in den letzten Jahren durchaus positiv entwickelt, die Wachstumsraten lagen bei gut 5 %, die Inflation wurde dabei weitgehend im einstelligen Bereich gehalten und das Budget wies sogar minimal Überschüsse aus. Die hohe Arbeitslosigkeit wurde langsam von über 26 % (2004) auf 22,9 % (2008) zurückgeführt. Aktuell ist das Wachstum deutlich zurückgegangen, für 2008 werden etwa noch 4 % geschätzt. Grund ist die weltweite Nachfrageschwäche, die durch eine bis 2007 noch restriktive Geldpolitik verstärkt wurde. Zudem wurde vor allem die Minenproduktion durch Engpässe bei der Elektrizitätsversorgung gebremst.
Allerdings zeigt eine aktuelle Studie des IWF, dass Südafrika auch trendmäßig langsamer wächst als von der Größe und Ausstattung her vergleichbare Emerging Markets. Kern des Problems ist den Ergebnissen der IWF-Ökonomen zufolge die schwache Kapitalbildung, die auf eine klägliche Sparleistung der privaten Haushalte zurückgeführt wird. Diese Schwäche bremst den technischen Fortschritt: Je schneller der bestehende Kapitalstock erneuert wird, desto schneller setzen sich Innovationen durch. Während andere Emerging Markets auf Investitionsquoten bis 30 % vom BIP kommen, erreichen sie am Kap nur etwa die Hälfte.
Auf Seiten der Unternehmen reflektiert die Investitionsschwäche offenbar die starke Orientierung auf die Binnennachfrage: Da auf den Binnenmärkten der Emerging Markets die internationale Konkurrenz häufig schwach vertreten ist, ergeben sich nur dürftige Anreize, über laufende Investitionen das technologische Niveau schneller zu steigern. Diese spärliche Investitionsneigung fällt mit einer geringen Sparleistung der privaten Haushalte zusammen.
Dahinter dürften vor allem die zuletzt gewachsenen politischen Unsicherheiten stehen. So hat schon Ex-Präsident Thabo Mbekis allzu lange Duldung der Machenschaften Robert Mugabes in Zimbabwe Befürchtungen vor einem vergleichbaren Weg am Kap geweckt. Diese Befürchtungen haben sich aktuell noch verschärft, weil die Verfahren gegen den neuen starken Mann Jacob Zuma wegen Korruption weiter geführt werden, sodass Südafrika demnächst möglicherweise mit einem unter Anklage stehenden Präsidenten leben muss. Schon solche Konstellationen verunsichern Investoren und Sparer. Weitere Verunsicherung bringt die aktuelle Spaltung des regierenden ANC, die von starken Spannungen zwischen Gegnern und Freunden Zumas begleitet wird. Allerdings eröffnet sich damit auch eine realistische Chance auf einen demokratischen Machtwechsel durch das Wählervotum.
Die Anleihen Südafrikas (siehe Chart) haben ziemlich heftig reagiert und weisen jedenfalls relativ zum Rating (Baa1) überproportionale Risikozuschläge aus, die zu Renditen aus dem spekulativen Bereich führen.
Trotz dieser Risiken ist Afrika eine der wenigen positiven Investment- Stories, die es im aktuellen Umfeld gibt. Ansätze für einen organisierten Kapitalmarkt in gewohnter Form gibt es allerdings nur in Südafrika, Ägypten und Marokko. Gerade unter solchen Umständen haben Investmentfonds ihre besten Chancen, weil hier professionelles Management nötig ist. Der einzige schon länger verfügbare Fonds in dieser Klasse mit wenigstens zwei Sternen von Morning Star ist der auf die Republik Südafrika konzentrierte Europartners Multi Investment Fund South Africa (LU0120084495) der belgischen KBC. Hinzu kommen einige Newcomer auf dem schwarzen Kontinent, wie etwa die DWS mit dem DWS Invest Afrika (LU0329759764), der wesentlich breiter aufgestellt ist als der KBC-Fonds. Alternativ ist der gerade erst gestartete Lyxor ETF Pan Afrika (FR0010636464) verfügbar, der sich an einem von Standard & Poor’s verwalteten Pan Afrika Index orientiert, der zu je einem Drittel aus den zehn wichtigsten Werten aus der Republik Südafrika, den Ländern südlich der Sahara (ohne RSA) und Nordafrikas gebildet wird. Eine regional breiter gestreute Alternative mit starken Afrika-Anteilen bietet der EMEA-Fonds von Fidelity (LU0303816028), in dem neben Afrika (etwa 46 %) auch der Nahe Osten (Israel, Türkei, zusammen rund 12 %) sowie Osteuropa (Russland 27 %) vertreten sind.
(Martin Klingsporn)







