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Alles Renten oder was?

Ausgewogenes Chancen-Risiko-Verhältnis

In unruhigen Börsenzeiten steuern Anleger sichere Häfen an. Ein möglicher sicherer Hafen könnten Rentenfonds sein. Doch sind Rentenfonds wirklich so sicher?
FINANZWELT sprach mit Scott Mather. Mather verwaltet mit seinem 40-köpfigen Team bei der Allianz Dresdner Asset Management 150 Milliarden an Anleihegeldern und ist zugleich der Fondsmanager des Dit Euro Bond Total Return, der 3,8 Milliarden Euro an Fondsvermögen hält.

FINANZWELT: Herr Mather, sollte man jetzt in Aktien oder in Renten investieren?
Mather: Da ich Rentenfondsmanager bin, natürlich in Renten. Aber ernsthaft, bei Aktien gibt es immer noch große Risiken, was die Bewertung angeht. Sicherlich sind diese Bewertungsrisiken nicht mehr so hoch, wie es vor ein paar Jahren der Fall war. Wir sind dennoch noch nicht an einem Punkt angelangt, an dem man sagen kann, Aktien seien billig. Rentenpapiere hingegen sind derzeit fairer bewertet als Aktien und bieten deswegen ein ausgewogeneres Chancen-Risiko-Verhältnis.

FINANZWELT: Euro-Rentenfonds konnten in den ersten sieben Monaten dieses Jahres ganze 3,24 Milliarden Euro an Mittelzuflüssen verzeichnen. Sind Renten ein sicherer Hafen?
Mather: Was ich sehe, ist eine gewisse Rückkehr zur Realität. Das letzte Jahrzehnt war doch geprägt von einer Aktienkultur, die dachte, es geht immer weiter aufwärts und die Gewinne sprudeln nur so. Das hat sich als falsch erwiesen. Aktien sind keine reine Schatzkammer mehr. Deswegen ist es für den Anleger auch wichtig, sein Portfolio ausgewogen zu gestalten. Und hier sollten meiner Meinung nach Rentenpapiere, vor allem wenn man die Altersstruktur der Bevölkerung anschaut, sogar den größten Teil des Portfolios ausmachen.

FINANZWELT: Wie beurteilen Sie die bisherige Entwicklung bei Rentenpapieren in diesem Jahr?
Mather: Wir hatten im ersten und dritten Quartal eine ziemliche Rallye, die nur durch ein schwächeres zweites Quartal teilweise gebremst wurde. Die Gründe für diese Rallye lagen unter anderem an der Furcht vor einer Verlangsamung des Wachstums in den USA. Ein anderer Grund war sicher der hohe Anstieg des Ölpreises und die damit verbundenen Inflationsängste. Historisch betrachtet verständlich, denn in der Vergangenheit stieg mit dem Ölpreis die Inflation und infolge dessen die Zinsen. Doch dieser Automatismus greift diesmal nicht. Zu Recht: Denn alle großen Volkswirtschaften haben die Inflation im Griff. Vor ein paar Monaten haben wir uns sogar eher über Deflationstendenzen unterhalten. Der hohe Ölpreis ist eher eine Belastung für das Wirtschaftswachstum. So könnte sich ein dramatisch ansteigender Ölpreis auf 60 bis 70 Dollar pro Barrel vielmehr negativ auf das Verbrauchervertrauen, die Löhne und den Konsum auswirken mit der Folge, dass sich das Wachstum verlangsamt und Inflationstendenzen zurückgehen. Dann müssten die Zentralbanken sogar die Zinsen senken, anstatt sie zu erhöhen.

FINANZWELT: Wie schätzen Sie die zukünftige Zinspolitik der US-Notenbank ein?
Mather: Wir gehen davon aus, dass die US-Notenbank den Leitzins auf 2 Prozent anheben wird. Entscheidend für die Geschwindigkeit der kommenden Zinsschritte wird jedoch sein, wie stark sich der hohe Ölpreis weiter in den nächsten Wochen auf die Wirtschaft niederschlägt. Wenn das stärker der Fall sein sollte, rechne ich damit, dass in der nächsten US-Notenbank-Sitzung im September noch keine weitere Zinserhöhung um 25 Basispunkte beschlossen wird.

FINANZWELT: Welchen Einfluss hat das riesige Budgetdefizit?
Mather: Obwohl das Budgetdefizit hoch ist, ist das nicht so sehr das Problem. Problematischer hingegen ist das Leistungsbilanzdefizit. Grund: Die Verbraucher und die Regierung haben durch das billige Geld der Notenbank zahlreiche Kredite aufgenommen und konsumieren nun auf Pump und häufen Schulden an. Doch so kann das auf Dauer nicht weitergehen, denn dann kommt es irgendwann zum Kollaps. Hinzu kommt, dass das Leistungsbilanzdefizit größtenteils von Ausländern, vor allem asiatischen Zentralbanken finanziert wird, die mittlerweile dadurch immense Währungsreserven angehäuft haben. Wenn diese, aus was für Gründen auch immer, nun keine US-Treasuries mehr kaufen, haben die Amerikaner ein Problem. Nur wenn die Amerikaner weniger konsumieren – mit entsprechenden negativen Auswirkungen auf die anderen Volkswirtschaften – oder wenn die Welt stärker wächst als Amerika – wie das zum Beispiel in Asien schon der Fall ist – kann die USA ihr Handelsbilanzdefizit verringern und damit auch die Abhängigkeit von den asiatischen Zentralbanken.

FINANZWELT: Was für Auswirkungen hat das auf Ihren Fonds?
Mather: Wir favorisieren derzeit Rentenpapiere aus Europa, die eine Laufzeit um die fünf Jahre haben. Anders ist das bei US-Rentenpapieren. Hier bevorzugen wir im Moment noch kürzere Laufzeiten. Zudem können wir in Unternehmensanleihen, Anleihen aus Schwellenländer und Hochzinsanleihen investieren. Bei Hochzinsanleihen sind wir momentan jedoch untergewichtet, da die Renditeerwartungen nicht unseren Vorstellungen entsprechen. Das gleiche gilt für Investment Grade Unternehmensanleihen. Hier werden die Anleger unserer Meinung nach nicht genug für die Ausfallrisiken belohnt, die sie eingehen, obwohl die Unternehmensmeldungen gut sind und die Gewinne zunehmen. Hier haben wir den Höhepunkt erreicht und müssen annehmen, dass die Profitabilität nächstes Jahr wieder abnimmt. Für mich sind derzeit Schwellenländeranleihen am aussichtsreichsten, da diese besonders von den hohen Rohstoffpreisen profitieren und Fortschritte bei der Lösung struktureller Probleme zu sehen sind.


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