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Gute Zeiten, schlechte Zeiten

AWD – GKM AG

Viel Wirbel gab es jüngst um die AWD-Gruppe und ihren Co-CEO Carsten Maschmeyer. FINANZWELT berichtet über den Gewinn eines Wirtschaftsweisen und den Tumult um einen Vertrieb aus Regensburg!

Viel Geld in die Hand bekam AWD Gründer Carsten Maschmeyer, um unter anderem neue große Vertriebe zu gewinnen. Nachdem die MLP-Geschichte für AWD und Swiss Life bis dato nicht von Erfolg gekrönt wart, konnte mit der Deutsche Proventus AG der zehngrößte Vertrieb in Deutschland gewonnen werden. Beim Zukauf eines weiteren Vertriebes gab es jedoch besonders um die Person Maschmeyers großen Wirbel!

Ein Lebenswerk wird verkauft. Es war der 10. September 2008, als sich der RL Holding Geschäftsführer und GKM AG Vorstand Reinhard Listl bei der Summe X – es wird von ca. 40 Mio. Euro gesprochen – entschlossen hatte, sein „Lebenswerk“ GKM AG inklusive einer stattlichen Anzahl von Beratern und bestehendem Mitarbeiterstamm an die AWD Holding AG zu verkaufen. Zu stark war die finanzielle Verlockung für den Regensburger Geschäftsmann. Und so einigten sich laut RL Holding GmbH die beiden Geschäftsmänner Listl und Maschmeyer auf den Deal – vorbehaltlich der Zustimmung der entsprechenden Gremien der AWD-Gruppe. Ergänzend zum schriftlichen Vertrag soll es laut Listl jedoch eine Absprache gegeben haben, wonach Carsten Maschmeyer GKM privat übernehme, wenn die Zustimmung nicht erfolge. Laut Pressemeldung der RL Holding GmbH zum Fall der GKM AG überwies Maschmeyer schon einen Tag später der RL Holding GmbH die Summe von einem seiner Privatkonten, damit sich Maschmeyer wie vereinbart noch am selben Tag den Strukturleitern der GKM AG vorstellen durfte, die sich alle zu einer Tagung in Bad Gögging aufhielten.

„Gemeinsam Geschichte schreiben“ hieß dann auch die Präsentation, die Maschmeyer den GKM-Führungskräften vortrug. Doch hieraus wurde eher eine unendliche Geschichte, denn es kam, wie es nicht kommen sollte: Der Aufsichtsrat des übergeordneten Schweizer Versicherungskonzerns Swiss Life segnete den Kauf nicht ab und Maschmeyers Rechtsanwalt bestritt die Version des „Privatkaufs“. Stattdessen wollte Maschmeyer nun die 40 Mio. Euro Kaufsumme bei Listl sicherstellen lassen und stellte über seinen Anwalt einen Antrag auf Erlass eines dinglichen Arrestes. Das Gericht sah jedoch keinen Grund, die Millionensumme bei der Bank von Listl einzufrieren. So gebe es laut Richterin keinen Hinweis darauf, dass Listl unseriös sei und sich mit dem Betrag ins Ausland absetzen wolle. Die Frage nach dem rechtmäßigen Eigentümer der GKM AG ist damit jedoch nicht geklärt. Hierüber wird in einem späteren Hauptsacheverfahren entschieden werden müssen. Nach jetzigem Stand ist Reinhard Listl weiter Vorstand der GKM. Dies wurde am 08. Oktober und somit einen Tag nach der genannten Eilverhandlung durch den GKM Aufsichtsrat bestätigt. Ob es zu diesem Hauptprozess kommt, bleibt dabei eher fraglich. Gerüchteweise sollen Überlegungen stattfinden, wonach der AWD das Unternehmen für einen reduzierten Kaufpreis – es wird von ca. 30 Mio. Euro gesprochen – doch noch übernimmt. Zudem soll es nach den Unruhen um die Machtverhältnisse auch innerhalb der GKM AG einigen Wirbel geben. So munkelt man von ca. 350 Kündigungen von Geschäftspartnern, darunter erfolgreiche Landesdirektoren, die einen neuen eigenen Vertrieb gründen möchten. Aus dem Hause der GKM AG wird dies nicht bestätigt. Es handele sich um ganz normale Fluktuationen, wie dies bei jedem vergleichbaren Vertrieb üblich sei. Der Geschäftsbetrieb und -vertrieb läuft unberührt weiter. Im Gegenteil: Vor kurzem konnten mit AXA/DBV-Winterhur, WWK und der Alte Leipziger neue Produktpartner gewonnen werden.

„Rürup“ bekommt einen neuen Anzug. Während sich die Machtverhältnisse um die GKM AG noch in der juristischen Schwebe befinden, können der AWD und dessen Macher Maschmeyer zum Ende des Jahres mit einem anderen Zuwachs glänzen. So wechselt Prof. Bert Rürup, amtierender Vorsitzender des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung sowie Erfinder und Namensgeber der staatlich geförderten „Rürup-Rente“, zu den Hannoveranern und wird dort das Amt als Chef-Ökonom nach seiner Emeritierung am 01. April 2009 antreten. Freudig äußerte sich Maschmeyer zum gelungen Coup: „Wir sind stolz, mit Bert Rürup einen der profiliertesten und renommiertesten Altersvorsorgexperten für uns als größten unabhängigen Finanzoptimierer mit Schwerpunkt Altersvorsorge gewonnen zu haben.“ Sicher wird auch der finanzielle Rahmen für einen Wechsel gepasst haben. DIW-Chef Klaus Zimmermann bezifferte Rürups Ausscheiden einen großen Verlust. „Aber ich kann es persönlich gut verstehen, dass man am Ende eines erfolgreichen Arbeitslebens auch monetär noch einmal etwas zulegen will.“ Den AWD mit seinen Beratern wird es freuen!

Carsten Maschmeyer wiederum tut aktuell alles, um größter Einzelaktionär bei Swiss Life zu werden. Dazu hat er Ende November dieses Jahres seine Beteiligung am Schweizer Mutterkonzern erhöht – auf über 5 %. Swiss Life indessen hatte kurz vorher durch MLP mitgeteilt bekommen, dass die Wieslocher keine Produkte der Schweizer mehr aktiv MLP-Kunden empfehlen werde. Fortsetzung folgt!

(Marc Oehme)


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